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Trumps Davoser Lehrstunde in Respektlosigkeit muss Folgen haben

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 3 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Es war ein Auftritt, wie ihn nur einer inszenieren kann: Donald Trump kehrte am Mittwoch ans Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zurück und hinterliess eine Spur der diplomatischen Verwüstung. Dass der US-Präsident die Welt gerne in Gewinner und Verlierer unterteilt, ist bekannt. Doch die Art und Weise, wie er das Gastgeberland Schweiz und insbesondere Finanzministerin Karin Keller-Sutter vor versammelter Weltöffentlichkeit vorführte, markiert einen neuen Tiefpunkt der transatlantischen Beziehungen. Und die Schweiz muss diesen Flopp auch noch bezahlen.


Gut gemacht, Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Jetzt Plan B vorbereiten. Bild: EFD
Gut gemacht, Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Jetzt Plan B vorbereiten. Bild: EFD

Der Mythos vom «Gratis-Reichtum»


Trump behauptete in seiner gewohnt polternden Manier, der Wohlstand der Schweiz sei lediglich ein Nebenprodukt US-amerikanischer Grosszügigkeit. Man stelle der Schweiz «nichts in Rechnung», das Handelsdefizit sei «riesig». Die Logik dahinter: Wer bei den Amerikanern Uhren und Medikamente verkauft, ohne im Gegenzug massiv US-Waren zu importieren, begeht in Trumps Augen beinahe Mundraub.


Dass die Schweiz seit Anfang 2024 fast alle Industriezölle einseitig abgeschafft hat und US-Produkte quasi hürdenfrei ins Land lässt, scheint im Weissen Haus niemanden zu interessieren. Stattdessen wird die Keule der 39-Prozent-Zölle geschwungen – ein wirtschaftlicher Erpressungsversuch, der unter dem Deckmantel der «Fairness» verkauft wird.


Wenn Diplomatie zur Show wird: Die Verhöhnung von Karin Keller-Sutter


Besonders befremdlich war Trumps Angriff auf Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Dass ein amtierender US-Präsident eine Ministerin des Gastgeberlandes öffentlich nachäfft, sie als «penetrant» und «aggressiv» bezeichnet und behauptet, sie habe ihn «angefleht», ist mehr als nur ein Stilbruch. Es ist eine gezielte Herabwürdigung und die grösste Beleidigung der Schweiz, die es je gab.


Trump mag es als Stärke interpretieren, wenn er eine Verhandlungspartnerin lächerlich macht, die schlichtweg die Interessen ihres Landes vertritt. Doch in Wahrheit zeugt es von einer tiefen Verachtung für das diplomatische Protokoll. Keller-Sutter tat, was ihre Aufgabe war: Sie wehrte sich gegen Zölle, die die Schweizer Exportwirtschaft ins Mark treffen würden. Dass sie dem Präsidenten dabei «unter die Haut ging», spricht eher für ihre Standhaftigkeit als für seine Souveränität.


Darf ein US-Präsident das?


Die Frage, ob es «okay» ist, wenn ein Gast sein Gastland so beleidigt, lässt sich kurz beantworten: Diplomatisch ist es ein Desaster, politisch Kalkül.


Bruch mit der Etikette: Normalerweise ist ein Staatsbesuch von gegenseitigem Respekt geprägt. Trump nutzt die Bühne des WEF jedoch nicht für den Dialog, sondern für das heimische Publikum in den USA. Er will als der «starke Mann» erscheinen, der selbst die wohlhabende Schweiz in die Knie zwingt. Die Schweiz wurde nicht reich, weil "die USA nichts in Rechnung gestellt" hat, sondern weil die Schweizerinnen und Schweizer tausendmal cleverer und fleissiger waren, als die US-Amerikaner. Basta.


Gefährliche Präzedenzfälle und ein absehbares WEF-Fiasko


Wenn Beleidigungen und öffentliche Verspottung zum Standardinstrument der Aussenpolitik werden, erodiert das Vertrauen, das für langfristige Handelsabkommen nötig ist. Eine solche Respektlosigkeit würde sich weder Russlands Wladimir Putin, noch Chinas Xi Jinping, je erlauben. Leider hat das WEF in Davos mit der Einladung von Trump erst den Boden geschaffen für diese Respektlosigkeit gegenüber der Schweiz. Von A-Z eine fürchterliche Trump-Show mit viel BlaBla und Eigenlob, ohne jeglichen Dialog. Und das schlimmste war, dass dieses Fiasko völlig absehbar war. Lesen Sie dazu unseren Artikel WEF 2026: Ein Ausverkauf der Schweizer Werte für Trumps Showbühne vom 18. Januar. Danke WEF. Mit dieser Veranstaltung habt ihr dem Ansehen der Schweiz mehr geschadet als genutzt.


Die Schweizer Reaktion


Der Bundesrat reagierte gewohnt unterkühlt. Man wisse das «einzuordnen», hiess es aus dem Finanzdepartement. Doch hinter den Kulissen dürfte der Frust tief sitzen. Die Schweiz hat sich als verlässliche Vermittlerin (Stichwort: Schutzmachtmandate) stets um die USA verdient gemacht. Trumps Dankbarkeit dafür? Ein öffentlicher Affront.


Fazit: Souveränität bewahren


Die Schweiz ist klein, aber nicht bedeutungslos. Wenn Trump behauptet, er wolle das Land «nicht ruinieren», klingt das wie das gönnerhafte Angebot eines Mafiabosses, der Schutzgeld erpresst. Die Schweiz tut gut daran, sich nicht auf dieses rhetorische Niveau herabzulassen.


Karin Keller-Sutter hat bewiesen, dass sie sich nicht einschüchtern lässt – auch wenn das für einen US-Präsidenten offenbar eine völlig neue Erfahrung war. Davos 2026 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem der Gast die Manieren an der Garderobe abgab, die Gastgeberin aber das Rückgrat behielt.


Jetzt Plan B vorbereiten


Jetzt dürfte allen klar sein, mit was für einer Person wir es derzeit im Weissen Haus zu tun haben. Und es ist hoffentlich auch allen klar, dass die Schweiz nicht so einfach zu einem Zoll-Deal kommen wird. Diese Person wird uns wahrscheinlich noch einmal hohe Zölle aufs Auge drücken. Darauf muss sich die Schweiz - am besten gemeinsam mit der EU - mit einem Plan B vorbereiten.


In einem solchen Fall wäre der Zoll-Deal gestorben und die Arschkriecherei beendet. Und die Schweiz sollte endlich das tun, was sie bei diesem Mann schon vor einem Jahr hätte tun sollen, nämlich zurückschlagen.


Es sollen in so einem Fall automatisch die selben Zölle auf amerikanische Importe geschlagen werden, wie sie Trump auf schweizerische Importe schlägt. Auch auf Dienstleistungen von Software- oder Internet-Giganten aus den USA oder auf Streaming-Dienste. Zudem sollen Investitionen in US-Staatsanleihen verboten werden. Das Vermittlungsmandat der Schweiz für die USA im Iran wäre per sofort einzustellen. Offerten für Waffenkäufe sind abzusagen. Die Zusammenarbeit im Bildungsbereich ist einzustellen. Im Bereich der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit stehen sowieso immer mehr andere Partner zur Verfügung. Im Bereich der KI und der Smartphones setzen wir ab sofort auf China. usw.


Das alles ziehen wird drei Jahre durch, bis zu den Neuwahlen in den USA - und dann wird die Situation neu beurteilt.


Es ist so, wie es der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom in Davos gesagt hat: "Ich hätte einen Haufen Knieschoner mitbringen sollen für die ganzen Staatslenker. Es ist einfach nur erbärmlich." Sein Rat an die Europäer und die Schweiz: "Hört auf mit dieser Bullshit-Diplomatie der Höflichkeiten." Er forderte die Staatsführer auf, endlich Rückgrat zu zeigen und standhaft zu bleiben.


Was denken Sie? Hat Donald Trump mit seiner Kritik recht oder hat er die Grenze des Anstands überschritten? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare!

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