Zu wenig Geld und Zeit für Schweizer Aufrüstung: Jetzt chinesische Waffen prüfen
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 13 Stunden
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Die Schweiz zahlt Milliarden für US-Kampfjets und Raketenabwehr, während Washington mit Zöllen droht, sich über die Schweiz und unsere Landesregierung lustig macht und Lieferfristen eigenmächtig verschiebt. Hinter den Kulissen keimt eine radikale Idee: Sollten wir uns rüstungspolitisch nach Osten orientieren, um unabhängiger von den USA zu werden? Eine Analyse der Chancen und der gefährlichen Stolpersteine.

Die Frustration im Bundeshaus ist greifbar. Während Verteidigungsminister Martin Pfister (Die Mitte) sich zwar offiziell „offen“ für weitere US-Aufträge zeigt, hinterlassen die Realitäten tiefe Spuren: Die Auslieferung der Patriot-Flugabwehr verzögert sich auf unbestimmte Zeit, da die USA ihre eigene Priorisierung vorziehen. Gleichzeitig drohen beim F-35-Kampfjet Mehrkosten in Milliardenhöhe. Dass US-Präsident Trump parallel dazu die Schweiz mit Zöllen, Handelshemmnissen und Beleidigungen unter Druck setzt, wirkt wie ein Affront gegenüber einem bislang treuen Verbündeten. Die Schweiz muss anerkennen, dass es das Verhältnis Schweiz-USA von früher nicht mehr gibt.
Umfragen zeigen, das Volk erwartet grossmehrheitlich eine entschlossene Reaktion gegen die USA. Die Arschkriecherei der Regierung stösst auch immer mehr Parteien in Bundesbern sauer auf. Bei der nächsten Attacke der Regierung Trump gegen die Schweiz, sollen als Gegenmassnahme Offerten für Rüstungsgüter aus China eingeholt und Gespräche mit China über eine längerfristige Zusammenarbeit gestartet werden.
Der Reiz der chinesischen Alternative
In diesem Klima wirkt der Griff zu chinesischen Rüstungsgütern für manche wie ein logischer Befreiungsschlag. China hat sich zum High-Tech-Rüstungsexporteur entwickelt. Die Zeiten des chinesischen Kopierens sind weitgehend vorbei. Heute ist China dem Westen punkto Innovation fast überall voraus. Ob Drohnenschwärme, moderne Flugabwehrsysteme oder gepanzerte Fahrzeuge – Peking liefert oft schneller, günstiger und ohne die im Westen üblichen politischen Auflagen zur Endverwendung.
Ein solcher Schritt würde der Schweiz ein mächtiges diplomatisches Pfand in die Hand geben. Es wäre das ultimative Signal an Washington: „Wir sind keine Bittsteller, sondern Kunden mit Optionen.“ Bei jeder erneuten Massnahme oder Beleidigung von Trump gegen die Schweiz, holen wir weitere Offerten für Rüstungsgüter in China ein. Die Schweiz könnte ihre Armee schneller, günstiger und wahrscheinlich technisch sogar überlegener aufrüsten, als durch Warten auf den Goodwill aus Washington.
Die Mauer der Inkompatibilität
Doch so verlockend der rüstungspolitische Kurswechsel auf dem Papier wirkt, so verheerend wären die Folgen in der Praxis. Die Schweizer Armee ist heute fast vollständig auf westliche Standards ausgerichtet.
Interoperabilität: Unsere Radarsysteme, Kommunikationsnetze und Datenlinks sind NATO-kompatibel. Chinesische Hardware ließe sich kaum in dieses hochkomplexe Gefüge integrieren, ohne die gesamte IT-Architektur der Armee umzubauen. Hingegen gäbe es Waffensysteme, die man durchaus in China beschaffen könnte, z.B. Fahrzeuge aller Art, Kampf- und Schützenpanzer, welche die Schweiz ja auch ersetzen, respektive aufrüsten muss.
Das Spionage-Dilemma:
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) warnt seit Jahren vor chinesischer Cyber-Spionage. Chinesische Blackbox-Technologie im Herzstück der Landesverteidigung zu installieren, käme für viele Sicherheitspolitiker einer Einladung zur Fernsteuerung durch Peking gleich. Das ist eine Sicht. Die andere ist, dass man sich durch eine verstärkte Freundschaft mit China genau aus solchen Entwicklungen loslösen könnte. Alle wissen, dass das Spionage-Dilemma durch die USA weit grösser ist.
Politischer Selbstmord im Westen?
Der schwerwiegendste Punkt ist jedoch die geopolitische Quittung. Die Schweiz hat erst kürzlich ihre Kooperationsziele mit der NATO für 2025 bis 2028 geschärft. Ein Rüstungsdeal mit China würde diese mühsam aufgebaute Partnerschaft über Nacht torpedieren, fürchten einige. Die USA würden dies nicht als geschäftliche Diversifikation, sondern als feindseligen Akt werten. Die Folge wäre nicht weniger Druck, sondern eine totale Isolation – technologisch wie politisch. Andere aber sehen genau das Gegenteil als Folge.
Mit der beginnenden Aufrüstung mit chinesischen Waffensystemen zum günstigen Preis könnte in den USA ein Stimmungswechsel stattfinden. Denn dann droht die Schweiz, komplett aus dem amerikanischen Einflussbereich zu fallen. Das könnte sich die USA nicht leisten. Und wenn, ist es auch okay. Die Schweiz sollte sich langsam wieder daran gewöhnen, zuerst zu sich selber zu schauen und nicht auf die USA Rücksicht zu nehmen.
Sogar europäische Alternativen, wie das französisch-italienische Samp/T-System, das derzeit als Patriot-Ersatz diskutiert wird, scheinen realistischer als ein Flirt mit Peking. Doch auch europäische Rüstungsbeschaffungen haben grosse Nachteile, nämlich die Kosten und die Wartezeit. Europäische Lieferanten verlangen derzeit schamlos hohe Preise und haben gewaltige Lieferfristen. Geld und Zeit ist aber immer weniger vorhanden. Also muss die Schweiz andere Optionen prüfen.
Fazit: Souveränität hat ihren Preis
Die Schweiz ist weder Mitglied der EU noch der NATO. Es gibt keine völkerrechtliche Pflicht, sich rüstungspolitisch einseitig an den Westen zu binden. Wir müssen auf niemanden Rücksicht nehmen. Neutralität bedeutet Handel mit allen, ohne sich deren Ideologie zu eigen zu machen. Der Kauf von chinesischen Fahrzeugen, Panzern, Schützenpanzern, allenfalls auch kompatiblen leichten Luftabwehrsystemen, wäre kein Beitritt zum Kommunismus, sondern ein nüchterner geschäftlicher Akt. Eine Hand wäscht die andere und wenn das mit den USA nicht mehr vernünftig möglich ist, muss die Schweiz halt ausweichen. Das scheint völlig logisch.
Wer sich nicht einseitig von Washington beliefern lässt, entzieht sich der Erpressbarkeit durch Lieferstopps oder willkürliche Preiserhöhungen. Für die Schweizer Armee könnte dies der Weg zu einer echten, eigenständigen Verteidigungsfähigkeit sein. Der Clou liegt jedoch in der Verknüpfung: Rüstungsgeschäfte sind für Grossmächte wie China prestigeträchtig. Würde die Schweiz hier Kooperationen eingehen, könnte dies als Hebel für massive wirtschaftliche Vorteile genutzt werden. Beispielsweise ein "Upgrade" des Freihandelsabkommens, das Schweizer Firmen – von der Medizintechnik bis zum Maschinenbau – einen noch privilegierten Zugang zum grössten Markt der Welt verschafft. Oder Kompensationsgeschäfte: Statt Offset-Geschäfte nur mit den USA abzuwickeln, könnten chinesische Deals Investitionen in Schweizer Tech-Standorte in den Kantonen Solothurn oder Aargau auslösen, die den Druck durch US-Sanktionen und Zöllen mehr als wettmachen würden.
Souveränität durch echte Neutralität
Ob die Bilateralen III mit der EU vom Volk angenommen werden, steht in den Sternen. Denn der Souveränitätsverlust durch die EU-Gerichtsbarkeit ist letztlich eine Hürde, welche das Schweizer Volk kaum nehmen dürfte. Sie dürfen also nicht die einzige Karte der Schweiz sein. Eine Schweiz, die zeigt, dass sie bereit ist, rüstungstechnisch und wirtschaftlich nach Osten zu diversifizieren, stärkt ihre Verhandlungsposition gegenüber Brüssel, Washington und der Nato massiv. Denn was alle drei nicht wollen, ist eine Schweiz, die sich zu sehr nach China orientiert. Um unsere Ziele zu erreichen, sollten wir genau das tun. Die Schweiz muss sich breiter aufstellen. China ist der perfekte Partner dazu.
Wahre Souveränität bedeutet, sich nicht zwischen zwei Stühle zu setzen, sondern auf beiden zu thronen. Wenn der Westen die Schweiz als Partner zweiter Klasse behandelt, ist die Hinwendung zu China kein politischer Verrat, sondern ein Akt nationaler Selbstbehauptung und eine logische Konsequenz. Die wirtschaftlichen Gewinne eines solchen Kurswechsels könnten das Risiko einer Verstimmung mit dem Geschäftsmann Trump nicht nur abfedern, sondern die Schweiz langfristig krisenfester machen. Und weltweit würde sich die Schweiz wieder Respekt verschaffen.
Zudem bekäme die Schweiz schnell günstige und technisch gleichwertige, wenn nicht überlegene Waffen für die Verteidigung.
Die Menschenrechtsfrage in China wird zweitrangig, wenn man sieht, wie Russland oder die ICE-Behörde in den USA mit Menschen umgehen. Dieses Argument sollte in der heutigen geopolitischen Lage nicht mehr zum Nachteil Chinas ausgelegt werden. Andere sind nicht besser. Menschenrechte werden von allen mit Füssen getreten. Das ist eine traurige Realität. Damit das in der Schweiz nicht auch passiert, sollten wir unsere Werte und Souveränität eigenständig verteidigen können. Der aktuell eingeschlagene Weg führt leider nicht zum Ziel. Er schwächt die Schweiz. Also muss die Schweiz neue Wege gehen.
