Flucht vor den Kosten: Warum immer mehr Schweizer Senioren das Weite suchen
- Redaktion soaktuell.ch
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Die Schweiz gilt als eines der reichsten Länder der Welt. Doch für immer mehr Menschen im Rentenalter wird die Heimat zum teuren Pflaster – oder gar zur finanziellen Falle. Neue Zahlen zeigen: Die Auswanderung der über 60-Jährigen boomt. Während hiesige Politiker über die «Last» der grauen Panther debattieren, rollen Länder wie Panama oder die VAE den roten Teppich aus.

Es ist ein Paradox, das nachdenklich stimmt: Wer sein Leben lang in der Schweiz gearbeitet und Steuern gezahlt hat, fühlt sich im Alter zunehmend als Kostenfaktor stigmatisiert. In den Schlagzeilen ist oft von explodierenden Gesundheitskosten und der Belastung der Sozialwerke die Rede. Das Gefühl, nicht mehr «erwünscht» zu sein, mischt sich mit der knallharten Realität im Portemonnaie.
Die Zahlen lügen nicht
Die jüngsten Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) sind ein Weckruf. Im Jahr 2024 kehrten 6161 Personen in der Altersgruppe 60+ der Schweiz den Rücken. Das sind fast doppelt so viele wie noch im Jahr 2012. Die «NZZ» sprach jüngst von einer regelrechten Fluchtwelle. Besonders stark wuchsen die Schweizer Communities in Ländern wie Portugal (+15,9 %) und Thailand (+7,1 %).
Was treibt diese Menschen an?
Es ist selten nur die Lust auf Sonne und Strand. Sonst wären sie schon 30 Jahre früher verreist. Für viele ist es eine Flucht vor dem Kaufkraftverlust. Während die AHV-Renten kaum ansteigen, fressen Krankenkassenprämien und Mieten im Aargau oder in Solothurn oft mehr als die Hälfte des Rentner-Budgets auf. Wer in der Schweiz als «arm» gilt, lebt in Thailand wie ein König.
Das Ausland wittert das grosse Geschäft
Während wir uns über die Kosten streiten, haben andere Länder das Potenzial der Schweizer Senioren längst erkannt. Für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Panama oder Mauritius sind Pensionäre keine Last, sondern ein «Konjunkturprogramm auf Beinen».
Panama lockt mit dem «Pensionado Program»: Wer eine lebenslange Rente vorweist, erhält Rabatte auf alles – vom Strom über den Kinobesuch bis zum Arzttermin. Zudem sind ausländische Renten dort steuerfrei.
Mauritius und die VAE bieten spezielle Visa für wohlhabende Rentner an. Die Bedingung: Man bringt sein Kapital mit und konsumiert vor Ort.
Die Logik dieser Staaten ist bestechend: Rentner besetzen keine Arbeitsplätze, sie brauchen keine Schulen für Kinder, aber sie investieren ihre Ersparnisse lokal. Sie sind die perfekten Migranten.
Armutsexpatriierung: Die stille Tragödie
Doch es gibt auch die Kehrseite. Nicht jeder, der geht, zieht in eine Luxusvilla nach Dubai. Viele Senioren wandern aus, weil sie es müssen. Man spricht von der «Armutsexpatriierung». Wenn das Geld im Kanton Solothurn oder im Aargau nicht einmal mehr für das Nötigste reicht, wird das Ausland zur einzigen Option für einen würdevollen Lebensabend. Dass Menschen, die unser Land aufgebaut haben, im Alter gehen müssen, ist ein Armutszeugnis für einen modernen Sozialstaat.
Zeit für ein Umdenken
Die Schweiz verliert mit ihren Senioren nicht nur Kaufkraft, sondern auch Wissen, Erfahrung und ehrenamtliches Engagement. Solange wir das Alter nur durch die Brille der «Defizitgarantie» betrachten, wird der Exodus weitergehen. Wir sollten uns fragen: Warum ist ein Schweizer Rentner im Ausland ein gefeierter Wirtschaftsförderer, während er zu Hause als Belastung gilt?
