Warum Aargau-Solothurn die SRG braucht: Mehr als nur „Hintergrundrauschen“
- Raphael Keller
- vor 1 Minute
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In einer Welt, in der News im Sekundentakt auf unsere Smartphones flimmern, stellt sich oft die Frage: Braucht es in Zeiten von Social Media und privaten Medienhäusern eigentlich noch einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Die SRG – und spezifisch das Regionaljournal Aargau Solothurn – ist für unser demokratisches Gefüge unverzichtbar. Deshalb muss man die "Halbierungsinitiative" ablehnen. Das Regionaljournal Aargau-Solothurn kann man nicht halbieren. Es würde bei einer Annahme der Initiative ganz verschwinden. Weggespart. Und das wäre ein No-Go.
Kommentar von Raphael Keller

Ein Gegengewicht zur Medienkonzentration
Der Medienmarkt in unserer Region ist stark konzentriert. Mit CH Media verfügt ein privater Akteur über eine dominante Stellung. Das ist unternehmerisch beeindruckend, birgt aber Gefahren für die Meinungsvielfalt. Wenn sich die Redaktionen von CH Media und den dazugehörenden Radio und TV Sendern gegen eine Organisation, eine Person oder ein Unternehmen eingeschossen haben, finden diese keine Möglichkeit mehr, die öffentliche Meinung zu korrigieren. Das hat die Vergangenheit zur Genüge gezeigt.
Die SRG fungiert hier nicht selten als notwendiges Korrektiv in der Region Aargau-Solothurn. Während private Verlage durch sinkende Werbeeinnahmen gezwungen sind, Redaktionen zusammenzulegen und Inhalte zu zentralisieren, bleibt die SRG ihrem gesetzlichen Leistungsauftrag verpflichtet: einer unabhängigen, sachgerechten und umfassenden Berichterstattung – fernab von Klickzahlen und Renditezielen. Wenn man ihr aber die finanziellen Mittel entzieht, passiert genau das Gegenteil. Dann sind womöglich genau jene, die sich für eine Halbierung der Radio- und TV-Gebühren stark machen, die nächsten Medienopfer des verbleibenden Medien-Monopols.
Der Puls der kantonalen Politik
Nationale Schlagzeilen handeln meist von Bern oder Zürich. Doch wer erklärt uns die komplexe Spitalplanung im Aargau oder die Bildungsreformen im Kanton Solothurn? Das Regionaljournal ist die Instanz, die in die Rathäuser geht, die Debatten im Grossen Rat in Aarau und Kantonsrat in Solothurn verfolgt und diese für die Bürgerinnen und Bürger einordnet. Gerade vor kantonalen Abstimmungen bietet die SRG jene fundierten Analysen, die für eine Meinungsbildung nötig sind. Ohne diesen „Service Public“ würde ein gefährliches Informationsvakuum entstehen, das die lokale Demokratie schwächen könnte. Die Internet-Zeitung soaktuell.ch ist schlicht zu klein für diese wichtige Funktion.
Identität in einer „Durchgangsregion“
Aargau und Solothurn werden oft als „Transitregionen“ zwischen den Zentren wahrgenommen. Die SRG gibt unserer Region eine eigene Stimme und ein Gesicht – sowohl nach innen als auch nach aussen. Sie trägt lokale Besonderheiten, unsere Kultur und unsere Sorgen in die nationale Arena. Wenn das Regionaljournal berichtet, wird der Aargauer Freiamt oder das solothurnische Schwarzbubenland Teil des grossen Schweizer Ganzen.
Einbindung der Bürgerinnen und Bürger
Die SRG Aargau Solothurn ist kein anonymer Staatsapparat. Als Mitgliedgesellschaft ermöglicht sie es den Menschen vor Ort, durch die Programmkommission direkt Feedback zu geben. Diese Nähe zum Publikum sorgt für eine journalistische Qualität, die sich an den Bedürfnissen der Region orientiert und nicht an den Interessen von Grossaktionären. Kein Wunder, verfügt das Regionaljournal Aargau-Solothurn auch heute noch über die höchsten Einschaltquoten.
Die Weichenstellung: 200 Franken sind nicht genug
Noch vor zehn Jahren hätte man der Halbierungsinitiative ("200 Franken sind genug") bedenkenlos zustimmen können. Damals waren Zeitungen wie Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt noch eigene Titel. Zudem war die SRG politisch sehr stark auf links und "Anti-SVP" getrimmt. Das hat sich alles verändert. Die privaten Medien in der Region Aargau-Solothurn wurden noch mehr zu einem Einheitsbrei und die SRG kommt ihrer Verpflichtung der neutralen und unabhängigen Berichterstattung immer näher. Ihr jetzt die Mittel zu entziehen, würde die Situation für alle Beteiligten nur verschlechtern.
Mit der bevorstehenden Abstimmung über die Halbierungsinitiative steht die mediale Grundversorgung am Scheideweg. Eine drastische Senkung der Gebühren würde unweigerlich zu einem massiven Abbau bei den Regionalredaktionen der SRG führen. Für Aargau-Solothurn hieße das: weniger Präsenz vor Ort, weniger investigative Recherche in den Gemeinden und eine Ausdünnung der Berichterstattung über kantonale Wahlen und Abstimmungen. Wer die Gebühren radikal kürzt, spart nicht nur am Programm, sondern schwächt die direkte Demokratie dort, wo sie uns am nächsten ist – in unserem unmittelbaren Lebensraum. Ein geschwächter Service Public würde die Region medial verarmen lassen, da private Anbieter diese Lücke aus wirtschaftlichen Gründen nicht füllen können. Sonst hätten sie es schon längst getan.
Medienvielfalt entsteht nicht von alleine
Die Medienvielfalt, die alle wollen, von links bis rechts, entsteht sicher nicht durch eine Schwächung der SRG, sondern durch eine gezielte Unterstützung und Förderung kleiner, aufstrebender Medien wie etwa soaktuell.ch. Wenn Unternehmen, Kantone, Gemeinden usw. kleine Medien nicht mit Werbung oder Sponsoring berücksichtigen, bekommen sie garantiert keine Medienvielfalt, sondern ernten medialen Einheitsbrei. Wenn dann die SRG noch geschwächt wird, verstärkt das nur die mediale Wüste. Und das ist nicht im Interesse der Region Aargau-Solothurn.
Links:
Etwas tun für Medienvielfalt in der Region: Unterstützen Sie den Ausbau von soaktuell.ch
