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Strukturwandel am Finanzplatz: Warum die Banken-Arbeitslosigkeit steigt

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Lange Zeit galt der Schweizer Bankensektor als Jobgarantie. Wer einen Fuss drin hatte, blieb oft ein Leben lang in dieser Stelle. Doch die jüngsten Statistiken der Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zeigen einen deutlichen Trend: Die Zahl der arbeitslosen Finanzfachleute steigt. Während die Integration der Credit Suisse (CS) in die UBS medial dominiert, kommen bei der Personalreduktion weitaus tieferliegende, strukturelle Faktoren der ganzen Branche an den Tag.


Illustration KI-generiert von Gemini.
Illustration KI-generiert von Gemini.

Die Zahlen der Arbeitslosen im Finanzsektor der Schweiz sind brutal:


2023 ca. 4'200

2024 ca. 4'900

2025 ca. 5'850

2026 > 6'200 (Prognose)


Im Kanton Zürich ist mittlerweile fast jeder zehnte RAV-Gemeldete aus dem Finanzsektor. Viele Banker landen nicht sofort beim RAV, sondern nutzen grosszügige Abgangsentschädigungen ("Goldene Fallschirme") oder Frühpensionierungen. Die realen Zahlen derer, die ihren angestammten Job verloren haben, liegen daher vermutlich noch deutlich höher.


1. Der "UBS-Effekt" und die Marktkonsolidierung


Die Übernahme der CS durch die UBS im Jahr 2023 ist der massivste Einschnitt. Analysten und die Bank selbst kommunizierten ein Sparziel von rund 13 Milliarden US-Dollar bis Ende 2026. Dies betrifft weltweit ca. 30'000 bis 35'000 Stellen. Da beide Grossbanken im Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft überschneidende Filialnetze und Verwaltungen hatten, fallen hierzulande tausende Stellen weg, um Monopolstrukturen und Ineffizienzen zu vermeiden.


2. Digitalisierung und "Industrialisierung" der Banken


Der Schweizer Bankensektor befindet sich in einer Phase der massiven technologischen Umstellung. Routineaufgaben in der Abwicklung (Back Office) und im mittleren Management (Middle Office) werden zunehmend durch KI-basierte Systeme und Robotic Process Automation (RPA) ersetzt. Neobanken wie Revolut oder Neon drücken auf die Margen im Standardgeschäft (Zahlungsverkehr, Karten). Traditionelle Banken reagieren mit Kostensenkungen beim Personal.


3. Outsourcing und Offshoring


Ein oft unterschätzter Faktor ist die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Viele Schweizer Institute haben in den letzten zwei Jahren begonnen, nicht-kundennahe Dienstleistungen (IT-Support, Compliance-Prüfungen, Buchhaltung) in Service-Zentren im Ausland (z. B. Polen, Indien oder Portugal) zu konzentrieren. Dort liegen die Lohnkosten oft um 60% bis 70% niedriger als am Standort Zürich oder Genf.


4. Akademisierung vs. Erfahrung


Die Anforderungen am Arbeitsmarkt haben sich verschoben. Während "Generalisten" mit langjähriger Erfahrung, aber ohne spezifische Weiterbildung in Bereichen wie Sustainable Finance (ESG) oder Data Analytics zunehmend Mühe haben, werden Spezialisten weiterhin händeringend gesucht. Dies führt zum Paradoxon: Offene Stellen bei Kantonalbanken und Regionalbanken können nicht besetzt werden, während ehemalige Grossbank-Mitarbeiter beim RAV gemeldet sind. Ob die Akademisierung der Banken-Jobs das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Bankmitarbeiter stärkt, oder vielleicht sogar eher schwächt, bleibt offen. Die Gefahr, dass Bankmitarbeiter und Kunden aneinander vorbeireden steigt.


5. Das Ende des Zinsbooms


Nach der raschen Zinswende haben viele Banken 2023 und 2024 Rekordgewinne eingefahren. Doch dieser Effekt flacht 2025/2026 ab. Die Banken bereiten sich auf ein schwierigeres Umfeld vor und fahren ihre Personalbudgets vorsorglich zurück.


Die steigenden Zahlen beim RAV sind nur zum Teil ein "CS-Problem". Sie sind das Resultat einer Branche, die sich vom prestigeträchtigen Handwerk zum hochgradig automatisierten Technologie-Sektor wandelt. Der "Banker" alter Schule wird zum Auslaufmodell.

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