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Mittelfristig steigen Krankenkassenprämien wieder um 2 bis 3 Prozent

Die Grundversicherungsprämien sinken per 2022 durchschnittlich um 1,4 Prozent. «Damit ist der Prämienanstieg zum ersten Mal negativ trotz Kostenanstieg. Das ist möglich dank der Reserven auf einer Rekordhöhe von über 11 Milliarden Franken», stellt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly fest.

Symbolbild von Gerd Altmann from Pixabay


Nach einem Anstieg 2018/2019 mit 1,2 Prozent, 2019/2020 mit 0,2 Prozent und 2020/21 mit 0,5 Prozent sinken die Krankenkassenprämien nun mit 1,4 Prozent das erste Mal seit 2008. Die Kosten für die versicherten Leistungen steigen derweil 2021 und 2022 um 3,3 bzw. 3,8 Prozent. Das zeigt die Analyse* der KOF Konjunkturforschungsstelle im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch.


Wachsendes Reservenpolster trotz nicht kostendeckender Prämien

Die Prämiensenkung ist möglich, weil sich die Reserven der Krankenkassen aktuell auf eine Rekordhöhe von über 12 Milliarden Franken bei einem jährlichen Prämienvolumen von rund 33 Milliarden Franken belaufen.


«Viele Krankenkassen haben in den letzten Jahren mit den Reserven an den Börsen so hohe Gewinne erzielt, dass sie sowohl die Betriebsdefizite decken als auch die Reserven weiter aufstocken konnten», erklärt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Der politische Druck auf den Abbau dieser Reserven im Umfang von vier Monatsprämien steige nun.


Der Grund: Das 2017 in Kraft gesetzte Aufsichtsgesetz verlangt mindestens kostendeckende Prämien. Bis 2021 mussten sich die Kassen an diese Vorgabe halten und durften nicht zu knapp kalkulieren. «Deshalb sind die Reserven gestiegen», so der Comparis-Experte. Seit 2021 erlaube nun aber eine Verordnungsänderung des Bundesrats, die Kosten und folglich auch die Prämien zu tief zu prognostizieren, um Reserven abzubauen.


Viele Versicherte wissen laut Schneuwly allerdings nicht, dass die Kassen nach einer Genehmigung des Bundeamtes für Gesundheit (BAG) auch mit Prämienrückerstattungen an ihre Kunden Reserven abbauen dürfen. Das tun aber nicht alle Kassen: «Es lohnt sich also, sich bei der aktuellen oder neuen Krankenkasse zu erkundigen, wie hoch die Reserven sind und wie sie abgebaut werden», so Schneuwly.


Mittelfristig steigen die Prämien wieder um 2 bis 3 Prozent

Längerfristig – sprich nach dem Reserveabbau – dürften die Versicherten wieder stärker zur Kasse gebeten werden. In der Vergangenheit seien die Prämien zwischenzeitlich um bis zu 4 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Fallpauschalen im stationären Spitalbereich haben laut Schneuwly das Kostenwachstum zwar gebremst. Ambulante Pauschalen werden seines Erachtens einen ähnlichen Effekt haben. «Die Kosten jährlich dürften sich somit trotzdem bei einem jährlichen Anstieg von 2 bis 3 Prozent einpendeln. Das heisst auch: Die Prämien werden mittelfristig wieder um 2 bis 3 Prozent steigen», stellt Schneuwly fest.


Veränderungen am Versicherungssystem nötig

Nach Ansicht des Comparis-Experten sind zur nachhaltigen Stabilisierung des Schweizer Gesundheitssystems zudem weitere Anpassungen nötig. So sollten seines Erachtens Ärztenetzwerke und Krankenkassen Budgets für alle Pflichtleistungen für alle Versicherten in alternativen Versicherungsmodellen aushandeln müssen. Derzeit arbeiten nur die wenigsten alternativen Versicherungsmodelle auf freiwilliger Basis mit solchen Deckelungen.


Bei den teuren medizinischen Leistungen werden die Kassen gemäss Schneuwly zudem nicht darum herumkommen, nur noch einen Teil für die erbrachte Leistung und einen weiteren Teil für die erreichten Therapieziele zu bezahlen.


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