Grösste Hürde für E-Autos sind nicht Ladestationen, sondern teure Strompreise
- Redaktion soaktuell.ch
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Die Schlagzeilen im Februar 2026 erschüttern die Branche: Stellantis, der Gigant hinter Marken wie Opel, Chrysler, Peugeot und Fiat, zieht die Notbremse. Während weltweit Milliardenabschreibungen die Abkehr vom reinen E-Kurs markieren, kämpfen Schweizer Haushalte mit einem ganz anderen Problem: Den Strompreisen, die das „Abenteuer Elektroauto“ zum kostspieligen Luxus machen.

Viele jammern über fehlende Ladeinfrastruktur. Doch wären die Strompreise in der Schweiz tiefer, könnten Mieterinnen und Mieter ihre E-Autos locker an öffentlichen Ladestationen laden, falls es zuhause keine Ladestation gibt. Doch die zu hohen Strompreise halten sie davon ab.
Es war eine Kehrtwende mit Ansage. Stellantis-Chef Antonio Filosa musste kürzlich Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe bekannt geben – primär verursacht durch eine zu optimistische Elektro-Strategie. In den USA werden elektrische Pick-ups gestrichen und durch V8-Motoren ersetzt; in Europa stockt der Ausbau der Batteriewerke. Doch während die Industrie strategisch korrigiert, stellt sich für den Schweizer Endverbraucher eine viel pragmatischere Frage: Kann man sich das Laden überhaupt leisten?
Die Kostenfalle an der Steckdose
In der Schweiz sind es nicht die fehlenden Ladesäulen, die den Durchbruch verhindern – das Netz ist eines der dichtesten der Welt. Es ist der Preis pro Kilowattstunde (kWh). Wer öffentlich lädt, zahlt oft Mondpreise, und auch zu Hause sind die Tarife 2026 trotz leichter Entspannung auf einem Niveau, das den Kostenvorteil gegenüber Benzinern dahinschmelzen lässt. Man muss wissen, dass man heute an vielen Tankstellen der Schweiz wieder Bleifrei für unter CHF 1.50 tanken kann. So günstige Benzinpreise gab es schon Jahre lang nicht mehr.
Doch wie sieht die Realität aus? Rechnen wir das Beispiel einer typischen vierköpfigen Familie im Einfamilienhaus ohne PV-Anlage durch.
Der Tesla-Zuwachs
Ein Tesla Model Y, eines der meistverkauften Elektroautos der Schweiz, verbraucht im Realbetrieb inklusive Ladeverlusten und dem sogenannten „Standby-Verbrauch“ (Wächter-Modus, Vorklimatisierung) etwa 18 bis 20 kWh pro 100 Kilometer.
Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 15'000 Kilometern pro Jahr benötigt der Tesla also ca. 2'850 kWh zusätzlich. Zum Vergleich: Eine vierköpfige Familie ohne E-Auto verbraucht im Haushalt (Kochen, Licht, Waschen) etwa 4'500 kWh. Der Tesla erhöht den Strombedarf also auf einen Schlag um über 60 %.
Der Faktor Wärmepumpe: Wenn das Haus zum Grossverbraucher wird
Richtig massiv wird der Anstieg, wenn auch die Heizung elektrifiziert ist. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem durchschnittlich isolierten Einfamilienhaus benötigt für Heizung und Warmwasser rund 4'000 bis 6'000 kWh pro Jahr.
Die Gesamtrechnung für die Familie sieht dann so aus:
Haushaltsstrom: 4'500 kWh
Tesla (15'000 km): 2'850 kWh
Wärmepumpe: 5'000 kWh
Gesamtverbrauch: 12'350 kWh
Der Stromverbrauch verdreifacht sich nahezu gegenüber einem herkömmlichen Haushalt mit Ölheizung und Verbrenner-Auto. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von etwa 28 bis 30 Rappen pro kWh (Stand 2026, je nach Wohngemeinde) belaufen sich die jährlichen Stromkosten auf über 3'500 Franken. Wer in Gemeinden im Kanton Solothurn wohnt, wo der Strom noch massiv teurer ist, macht definitiv Zweiter. Natürlich ist noch eine Einsparung da gegenüber Benzin und Heizöl, aber die liegt bei der Wärmepumpe bei nur noch 400-500 Franken im Jahr und beim Tesla bei rund 1000 Franken im Jahr. Tendenz sinkend, weil Benzin und Heizöl günstiger werden. Damit lassen sich die hohen Investitionen in Tesla und Ladestation sowie Demontage der Ölheizung und Montage der Wärmepumpe kaum innert nützlicher Frist amortisieren.
Ohne Solaranlage wird es eng
Die Strategie von Stellantis, wieder verstärkt auf Verbrenner und Hybride zu setzen, spiegelt die Verunsicherung der Konsumenten wider. Solange die Strompreise in der Schweiz nicht massiv sinken oder die Eigenproduktion via Photovoltaik zum Standard wird, bleibt das Elektroauto für viele eine finanzielle Gratwanderung. Die „Tankfüllung“ aus der Steckdose ist längst kein Schnäppchen mehr. Man muss die Einsparung gegenüber der aktuellen Lösung gut durchrechnen. Wenn die Einsparungen pro Jahr x 20 die Investitionen nicht weitgehend decken, lohnt sich der Umstieg finanziell kaum.
Leider erhöhen viele Stromversorger laufend ihre Gebühren und Abgaben, die teilweise auch an den Verbrauch gekoppelt sind. Damit bremsen sie den Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpen laufend aus und torpedieren so die Politik des Bundes. Sie bezahlen kaum mehr etwas für eingespiesenen Solarstrom und schaffen Niedertarife während der Nacht ab. Damit bremsen sie auch den Zubau von Solaranlagen aus. Denn wer viel Geld in die Finger nimmt, in PV-Anlagen, E-Autos und Wärmepumpen investiert, will nicht nur der Umwelt etwas gutes tun, sondern auch einen finanziellen Benefit. Doch dieser schwindet.
