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Elektromobilität in der Schweiz 2025: Markt wächst, Zielmarke verfehlt

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Elektrisch aufladbare Fahrzeuge sind 2025 so gefragt wie nie: Ein Drittel aller neuen Personenwagen in der Schweiz besitzen inzwischen einen Stecker. Dennoch bleibt das 50%-Ziel der «Roadmap 2025» unerreicht – eine Ernüchterung für Branche und Politik. Bemerkenswert ist die Tatsache – welche der VFAS analysiert hat – dass fast 70% der Neuwagenzulassungen mindestens teilelektrifiziert sind.


VFAS Verband freier Autohandel Schweiz / Roger Kunz


Roger Kunz, selbständiger Parallelimporteur und Präsident vom VFAS: «Dank unseren Preisvorteilen ist die Nachfrage nach importieren Neuwagen und insbesondere Elektrofahrzeugen sehr gross. Wir verkaufen nun 50% Elektrofahrzeuge aufgrund unserer Toppreise. Bild zVg.
Roger Kunz, selbständiger Parallelimporteur und Präsident vom VFAS: «Dank unseren Preisvorteilen ist die Nachfrage nach importieren Neuwagen und insbesondere Elektrofahrzeugen sehr gross. Wir verkaufen nun 50% Elektrofahrzeuge aufgrund unserer Toppreise. Bild zVg.

Rekordanteile an Steckerfahrzeugen bei Neuzulassungen


Die Marktentwicklung der Elektromobilität in der Schweiz erreichte im Jahr 2025 neue Höchststände, ohne jedoch den ambitionierten Fahrplan voll einzuhalten. Erstmals war jeder dritte Neuwagen ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid. Im Dezember etwa lag der Anteil reiner Elektroautos (BEV) an den Neuzulassungen bei 31,4 %, hinzu kamen 11,3 % Plug-in-Hybride – zusammen 42,7 %. Kumuliert über das Jahr machten Steckerfahrzeuge damit rund 33,9 % aller neuen Personenwagen aus. Dieses moderate Wachstum reicht jedoch nicht, um das politische Ziel – bis Ende 2025 50 % Steckerfahrzeuge – zu erreichen.


Trotzdem zeigt der Trend klar nach oben: Rund 53’500 Elektroautos wurden 2025 neu immatrikuliert, geringfügig mehr als im Vorjahr (2024: 46’077 BEV). Plug-in-Hybride legten zuletzt sogar deutlich zu (+24% gegenüber Vorjahr). Insgesamt dürfte der Schweizer Neuwagenmarkt 2025 etwa 235’000 Fahrzeuge umfassen (ca. –2 % ggü. 2024), wovon etwa ein Fünftel rein elektrisch fährt und ein Zehntel teilelektrisch (PHEV). Damit wurde der bisherige Elektromobilitäts-Rekord von 2023/24 übertroffen. Im Fahrzeugbestand machen reine E-Autos nun ca. 5 % und Plug-in-Hybride 3 % aus – Benziner und Diesel stellen noch gut 83 %.


Absolut waren Ende 2025 über 230’000 Elektro-PWs auf Schweizer Strassen unterwegs (2015: 7’500) – eine mehr als dreißigfache Steigerung in zehn Jahren. Die Transformation gewinnt damit an Fahrt, wenn auch langsamer als erhofft.


Wichtige Kennzahlen 2025 im Überblick (Schweiz)


• Neuzulassungen insgesamt: ~235’000 Personenwagen (ca. –2 % vs. 2024)

• Anteil Elektroautos (BEV): ~22,75 % der Neuwagen (2024: ~19 %)

• Anteil Plug-in-Hybride (PHEV): ~11.1 % der Neuwagen

• Kombinierter Stecker-Anteil: ~33,9 % (Rekord; 2024: ~30 %)

• Neue BEV im Jahr 2025: ~53’500 (2024: 46’077)

• Bestand BEV Ende 2025: >230’000 (ca. 5 % des PW-Bestands)

• Öffentlich zugängliche Ladepunkte: >15’000 (Ziel Roadmap 2025: 20’000)

• Elektro-LKW Anteil 2025: 19,8 % der Neuzulassungen (europäische Spitze)


(*Steckerfahrzeuge = BEV + PHEV)


Ladeinfrastruktur: Deutlicher Ausbau mit Luft nach oben


Parallel zum Markthoch bei E-Autos wurde 2025 auch die Ladeinfrastruktur weiter verdichtet. Schweizweit stehen inzwischen rund 15’000 bis 18’000 öffentlich zugängliche Ladepunkte an tausenden Standorten zur Verfügung – ein Zuwachs von über 30 % seit Anfang 2024 (damals ~13’500). Damit verfügt die Schweiz schon jetzt über eines der dichtesten Ladenetzwerke Europas (Rang 7 im Europavergleich). Insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen und rund um die Städte findet sich ein flächendeckendes Netz von Ladestationen. Etwas dünner ist die Abdeckung noch in ländlichen Regionen, doch auch hier schließen Betreiber und Behörden nach und nach die Lücken.


Allerdings wird das Roadmap-Ziel von 20’000 öffentlichen Ladestationen bis Ende 2025 voraussichtlich verfehlt. Kritiker monieren, dass vor allem in Mietliegenschaften und am Arbeitsplatz noch mehr Lademöglichkeiten geschaffen werden müssten. Bislang erfolgen rund 80 % der Ladevorgänge im privaten Bereich – nur etwa jede fünfte Ladung findet im öffentlichen Raum statt. Wer zur Miete wohnt und keinen eigenen Stellplatz mit Stromanschluss hat, ist weiterhin auf öffentliche Stationen angewiesen, was die Anschaffung eines E-Autos erschwert. Entsprechend forciert der Bund gemeinsam mit der Branche Programme für nutzerfreundliches Laden zu Hause und am Arbeitsort.


Positiv zu vermerken ist der qualitative Ausbau: Immer mehr Schnelllader ermöglichen zügiges „Tanken“ in wenigen Minuten. Von knapp 18’800 Ladepunkten (Stand Mai 2025) waren bereits 3’681 DC-Schnellladepunkte (≈20 %), darunter rund 1’400 High-Power-Charger (HPC) mit Ladeleistungen über 150 kW. Etwa 7 % aller Ladepunkte bieten mehr als 100 kW Leistung. Der Großteil (ca. 52 %) sind allerdings AC-Ladepunkte im Bereich 11–43 kW, die vor allem für längeres Parkieren (z.B. über Nacht oder am Einkaufsort) ausgelegt sind. Die Kantone Zürich (knapp 2’000 öffentliche Ladepunkte), Bern (~1’300) und Waadt (~1’200) verfügen über die meiste Lade-Infrastruktur. Insgesamt wird weiter intensiv investiert: Neue Autobahn-Rastplätze mit HPC-Ladern, mehr Ladestationen auf Park-and-Ride und in Quartierparkhäusern sowie innovative Projekte wie Ladehubs in Wohnquartieren sollen die Versorgung in den kommenden Jahren weiter verbessern.


Neue Modelle, breitere Nachfrage und regionale Unterschiede


Immer mehr Fahrzeugmodelle elektrifizieren den Schweizer Markt, was 2025 zu einer diversifizierten Nachfrage geführt hat. Zwar führte Teslas Model Y die E-Auto-Verkaufscharts erneut an (Stand 29.12.2025: 4’847 Stück) und rangierte auch insgesamt unter den meistverkauften Modellen des Landes, direkt hinter dem VW Tiguan (5’173 Stück). Doch die Konkurrenz holt auf: Traditionsmarken aus Europa haben massiv aufgeholt und zusammen 2025 sogar mehr Elektro-PWs verkauft als Tesla. So verkaufte beispielsweise Škoda mit seinen neuen Stromern Enyaq und Elroq zusammen mehr E-Autos in der Schweiz als Tesla und liegt in der Jahreswertung knapp hinter dem Model Y. Auch Audi (Q4 e-tron, Q6 e-tron), Volvo (EX30), Renault (5) oder VW (ID.3) haben sich in den Top-10 der Elektro-Bestseller etabliert. Besonders der Volvo EX30 – ein kompakter, vergleichsweise erschwinglicher Elektro-SUV – schaffte es mit über 2’100 Verkäufen auf Anhieb unter die fünf beliebtesten E-Modelle.


Dies zeigt, dass Elektroautos inzwischen alle Segmente abdecken, vom Stadtauto bis zum Familien-SUV, und immer mehr Käufer in der Breite ansprechen. Branchenexperten interpretieren das Vorrücken der etablierten Marken als Zeichen eines reifenden Marktes: Die Elektromobilität entwächst der Pionier- und Early-Adopter-Phase und erreicht die frühe Mehrheit der Mainstream-Kunden.


Auffällig sind die regionalen Unterschiede bei der E-Mobilität. In großen Kantonen mit städtischem Zentrum ist der Anteil elektrischer Neuwagen am höchsten: So waren im laufenden Jahr im Kanton Zürich rund 28,8 % aller neuen Autos vollelektrisch, gefolgt von Solothurn (26,3 %) und Luzern (25,8 %). In ländlich geprägten Gebieten hinkt die Entwicklung hinterher – im Kanton Appenzell Innerrhoden betrug der E-Auto-Anteil 2025 lediglich 5,6 %. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass städtische und periurbane Gebiete die Elektrifizierung anführen, während in der Provinz Nachholbedarf besteht – sei es aus infrastrukturellen oder kulturellen Gründen.


Nicht nur bei den Personenwagen, auch in anderen Fahrzeugklassen bringt 2025 Neuerungen: Elektrische Lieferwagen, Busse und Lastwagen gewinnen an Bedeutung. Besonders im Schwerverkehr erzielt die Schweiz bereits Vorzeigewerte – 19,8 % der neu zugelassenen LKW fahren 2025 rein elektrisch, ein europäischer Spitzenwert. Speditionen, Postdienst und Kommunalbetriebe setzen verstärkt auf E-Nutzfahrzeuge, unterstützt durch Förderprojekte und ein wachsendes Angebot an E-Lastern (vom E-Verteilerfahrzeug bis zum 40-Tonnen-E-Truck). Diese Entwicklung soll künftig noch an Fahrt gewinnen, zumal die Roadmap Elektromobilität ab 2026 auch Nutzfahrzeuge und Busse in den Fokus nimmt.

Herausforderungen und Lösungsansätze


Die Elektromobilität in der Schweiz hat bis Ende 2025 zwar deutliche Fortschritte gemacht, doch einige Barrieren hemmen nach wie vor das volle Marktwachstum. Hohe Strompreise, eine noch lückenhafte Ladeinfrastruktur und fehlende direkte Anreize für Konsumentinnen und Konsumenten zählen zu den größten Herausforderungen. Dennoch sind diese Hemmnisse nicht unüberwindbar. Mit einem motivierenden, lösungsorientierten Ansatz können Politik und Verwaltung aktiv dazu beitragen, die bestehenden Wachstumshürden abzubauen und die Elektromobilität weiter voranzubringen. Wichtige Ansatzpunkte dafür sind unter anderem:


  • Gezielte Förderprogramme: Finanzielle Anreize können den Umstieg auf Elektrofahrzeuge deutlich beschleunigen. Beispielsweise könnten Bund und Kantone Kaufprämien oder Zuschüsse für die Installation von Ladestationen anbieten. Internationale Erfahrungen zeigen die Wirkung solcher Maßnahmen.

  • Regulatorische Hürden abbauen: Vereinfachte Bewilligungsverfahren und klare Richtlinien für den Ladeinfrastruktur-Ausbau sind entscheidend, um das Ladenetz zügig zu verdichten. Hierzu zählt etwa die Anpassung von Bauvorschriften, damit Neubauten standardmäßig mit Ladeinfrastruktur-Vorkehrungen ausgestattet werden. Schlankere Prozesse und weniger Bürokratie beim Aufbau von Ladestationen erleichtern Investitionen durch private Anbieter und beschleunigen den Infrastrukturausbau.

  • Right-to-Plug umsetzen: Die Politik hat in diesem Bereich bereits Fortschritte erzielt. Mit der im Juni 2025 vom Parlament angenommenen Motion 23.3936 wird ein Recht auf private Ladeinfrastruktur gesetzlich verankert.

  • Steuerliche Vorteile nutzen: Finanzielle Erleichterungen im Steuer- und Abgabensystem erhöhen die Attraktivität von Elektroautos. Dazu gehört etwa die Abschaffung des vierprozentigen Importzolls auf E-Fahrzeuge, wodurch Neuwagen spürbar günstiger würden. Auch Vergünstigungen bei kantonalen Verkehrssteuern oder spezielle Abschreibungsregeln für Dienstwagen mit Elektroantrieb können Anreize schaffen, auf emissionsfreie Modelle umzusteigen.

  • Smarte Lenkungsabgaben entwickeln: Anstatt vorschnell neue pauschale Steuern auf Elektroautos einzuführen, sollten zukünftige Abgabensysteme intelligent und lenkungswirksam gestaltet werden. Auch dynamische Stromtarife, die günstigeres Laden zu netzfreundlichen Zeiten ermöglichen, können dazu beitragen, den Energiebedarf effizient zu steuern und gleichzeitig Elektromobilität zu fördern. Durch solche smarten Abgabemechanismen lässt sich die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur langfristig sichern, ohne die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auszubremsen.


Fazit:


Die Elektromobilität hat in der Schweiz 2025 wichtige Meilensteine erreicht und sich fest im Markt etabliert. Die kommenden Jahre gelten als entscheidend, um den Übergang vom frühen Boom hin zum breiten Massenmarkt zu schaffen. Trotz wachsender Akzeptanz sind weitere Aufklärungsarbeit und günstige Rahmenbedingungen nötig, damit noch mehr Verbraucher umsteigen. Viele Konsumenten die gewechselt haben, sind von der neuen Technologie fasziniert. Die aktuellen Zahlen zeigen einen klaren Trend in Richtung Elektro – von einer Nische hin zur neuen Normalität. Bleiben innovative Modelle verfügbar, die Infrastruktur im Ausbau und die Politik unterstützend, dürfte das nächste Etappenziel greifbar werden. Branchenkenner sind verhalten optimistisch: «Die Transformation ist im Gange – sie kommt langsam in die Gänge».


Anmerkung der Redaktion


Roger Kunz vom VFAS hat recht. Viele Händler haben die Preise für E-Autos gegen Ende Jahr erwartungsgemäss drastisch gesenkt. Sinken die Preise, klappt es auch wieder mit den Neuwagenverkäufen.


Jetzt müssen nur noch die Reparatur- und Unterhaltskosten der Garagen sinken. Aber dafür müssen zuerst noch ein paar hundert Garagisten in der Schweiz schliessen. Das Überangebot sorgt paradoxerweise für zu hohe Preise, nicht für tiefe. Auch die angeblich teuren Ersatzteile, mit denen sich Garagen derzeit bei Reparaturen zulasten der Versicherungen sanieren, sind ein Unding. Wegen diesen Machenschaften steigen die Preise der Autoversicherungen, was insgesamt zu höheren Kosten und damit weniger Autos führt. Es ist also nicht nur der Preis eines neuen Autos, der abschreckt, sondern vor allem das, was hintendran an Kosten kommt.


Es hat in der Autobranche ein preisliches Gesundschrumpfen eingesetzt. Das wird wohl noch ein paar Opfer kosten, aber zu einem guten Resultat für die Schweizerinnen und Schweizer führen. Die Lösung ist ganz einfach, wer die Preise um 20-30 Prozent senkt, überlebt. Wer meint, die Kosten weiterhin 1:1 auf die Kunden umwälzen zu müssen stirbt. Ein Autoservice (Ölwechsel mit Ersatz von zwei Bremsbelägen) muss wieder für unter 700 Franken möglich sein.


Quellen: https://opendata.astra.admin.ch/ivzod/1000-Fahrzeuge_IVZ/ , Datenstand 29.12.2025

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