100’000 Kunden für Bexio: Preis-Frust trübt Erfolg
- Redaktion soaktuell.ch
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Die Schweizer Business-Software Bexio feiert einen Rekord: Über 100'000 KMU setzen mittlerweile auf die Cloud-Lösung aus Rapperswil. Doch während das Unternehmen stolz seine KI-Innovationen präsentiert, wächst an der Basis der Unmut über saftige Preiserhöhungen per März 2026. Ein Blick auf den Platzhirsch und die günstigen Alternativen im Markt.

Es ist eine beeindruckende Zahl, die Bexio-CEO Markus Naef diese Woche verkündete: 100'000 Unternehmerinnen und Unternehmer in der Schweiz haben ihren administrativen Alltag in die Bexio-Cloud verlagert. Damit untermauert die Tochtergesellschaft der Mobiliar ihre Position als unangefochtener Marktführer für Schweizer Kleinunternehmen.
„Wir feiern heute 100’000 Unternehmer, die mit uns die Digitalisierung der Schweiz vorantreiben“, erklärt Naef. Die Vision: Das Büro soll „nebenbei“ funktionieren, damit Handwerker, Freelancer und Projektleiter Zeit für ihr eigentliches Geschäft haben. Um dieses Versprechen einzulösen, setzt Bexio verstärkt auf künstliche Intelligenz. Mit der Einführung neuer Pakete ab dem 1. März 2026 soll die „Bexio Intelligence“ KMU noch mehr Arbeit abnehmen – etwa durch eine verbesserte automatisierte Belegauslese.
Der Preis des Erfolgs: Bis zu 20 Prozent teurer
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die neue Paketstruktur, die pünktlich zum Erreichen des Meilensteins eingeführt wird, sorgt bei vielen Bestandskunden für Kopfschütteln. Gerade Freelancer und KMUs kennen die Gefahr, dass man trotz immer mehr Kunden immer teurer wird. Ein typisch schweizerisches Problem. Eigentlich sollte aber das Gegenteil der Fall sein. Innovationen sollten mit der Masse der gewonnenen Mehrkunden finanziert werden. Bei Bexio ist das nicht der Fall.
Das beliebte Einsteiger-Paket „Starter“ (CHF 35.–) wird faktisch durch das Paket „Advanced“ für CHF 42.– ersetzt – ein Preissprung von 20 Prozent für Nutzer, die weiterhin Funktionen wie den Bankabgleich oder die Spesenverwaltung nutzen möchten. Und den Bankabgleich braucht fast jeder. Das neue, gleich teure „Basic“-Paket streicht genau diese Kernfunktionen. Seinen Erfolg verdankt Bexio nicht zuletzt genau diesem jahrelang günstig bei 30 Franken im Monat gehaltenen Einsteigerpaket, welches die wichtigsten Werkzeuge enthielt.
„Einfache und transparente Lösungen gewinnen“, sagt Claudio Beltrametti (CPO bexio) zwar, doch für viele Kleinstfirmen, die schon länger dabei sind, fühlt sich die Transparenz aktuell eher wie eine Kostenfalle an. Sie haben die Wahl zwischen mehr bezahlen oder weniger Leistung. Apropos Transparenz: Auch die Internet-Zeitung soaktuell.ch, ein Produkt der jaeggiMEDIA GmbH, nutzt für bestimmte Anwendungen die Software Bexio, ist also auch von happigen Preisaufschlägen betroffen.
Günstige Schweizer Alternativen im Aufwind
Am Stammtisch und im Verein, mit vielen Unternehmern, sind die Preiserhöhungen bei Bexio mittlerweile ein Thema. Und dann kam natürlich die Frage auf, was es denn in der Schweiz überhaupt für Alternativen gibt. Wir sind dem nachgegangen. Wer die Digitalisierung will, aber enttäuscht ist von der Preispolitik des Marktführers Bexio, findet in der Schweiz mittlerweile eine vitale Startup-Szene mit spezialisierten Lösungen (nicht abschliessend), die man durchaus mal prüfen sollte:
ERPLight: Die wohl aggressivste bexio-Alternative. Mit einem Preis von CHF 19.90/Monat bietet sie die wichtigsten Kernfunktionen (QR-Rechnungen, Kundenverwaltung) rund 55 % günstiger an als der Marktführer. Sogar eine dauerhaft kostenlose Basis-Version ist verfügbar.
CashCtrl: Eine sehr solide, in der Schweiz entwickelte Cloud-Software. Vollständige doppelte Buchhaltung mit Kontenrahmen (KMU), Bilanz und ER. Es gibt eine kostenlose Free-Version (für einfachere Ansprüche, in der die Buchhaltung und der Jahresabschluss bereits enthalten sind). Die Pro-Version mit Fremdwährungen, Auftragsbearbeitung und Lohnbuchaltung kostet ca. CHF 350.–/Jahr (umgerechnet ca. CHF 29.–/Monat).
Magic Heidi: Radikal auf Freelancer und Einzelfirmen zugeschnitten. Wer keine komplexe Lagerverwaltung braucht, findet hier eine moderne Cloud-Lösung für ca. CHF 25.– bis 30.– pro Monat.
AbaNinja (Abacus): Für KMU, die bereits im Abacus-Ökosystem sind. Die Basisversion ist oft in Bankpaketen (z. B. Raiffeisen) integriert oder sehr günstig zu haben.
Lokale Wurzeln bleiben wichtig
Trotz der Preisdebatte punktet Bexio weiterhin mit seiner tiefen Verankerung im Schweizer Markt. Über 7’000 Treuhand-Partner sind direkt angebunden, und die Datensicherheit in zertifizierten heimischen Rechenzentren bleibt ein gewichtiges Argument. „Unsere Schweizer Wurzeln bleiben zentral“, betont COO Franziska Iselin.
Für die 100’000 Kunden bleibt Bexio das Mass der Dinge – doch die Konkurrenz schläft nicht und lockt mit Preisen, die gerade für Neugründer oft attraktiver sind als das „Rundum-Sorglos-Paket“ des Marktführers.
Schade, hat sich Bexio nicht mit einer Preissenkung bei den 100'000 Kundinnen und Kunden bedankt, sondern langjährige Bexio-Kunden mit einer Preiserhöhung verunsichert.
