Was tun, wenn der Sohn sagt: "Ich will Leibwächter werden."
- Redaktion soaktuell.ch
- 29. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Der Begriff „Leibwächter“ beschwört oft Bilder von hünenhaften Männern in dunklen Anzügen herauf. Doch die Realität im modernen Personenschutz in der Schweiz ist deutlich komplexer, diskreter und gefragter denn je. In einer Welt, die zunehmend als unsicher wahrgenommen wird, boomt die private Sicherheitsbranche. Seien Sie also unbesorgt. Der Job hat Zukunft. Doch wie wird man in der Eidgenossenschaft eigentlich zum professionellen Beschützer?

Was ist ein Leibwächter eigentlich?
Ein Leibwächter – heute professionell Personenschützer genannt – ist für die körperliche Unversehrtheit einer Schutzperson (VIPs, Diplomaten, Wirtschaftsführer, Promi) verantwortlich. Entgegen dem Film-Klischee ist der Schusswechsel das absolute Szenario des Scheiterns. Muss ein Bodyguard zur Waffe greifen, haben zahlreiche Vorbereitungen versagt. Die Hauptaufgabe besteht in der Prävention: Gefahren erkennen, bevor sie entstehen, Fluchtrouten planen und das Umfeld sondieren. In der Schweiz wird dabei grosser Wert auf Unauffälligkeit gelegt.
Die Aufgaben: Diskretion als höchstes Gebot
Das Tätigkeitsfeld erfordert höchste Konzentration und taktisches Geschick:
Vorfeldaufklärung: Prüfung von Routen, Hotels und Event-Locations.
Unmittelbarer Personenschutz: Begleitung der Zielperson (oft bewaffnet oder unbewaffnet, je nach Risiko).
Observation & Aufklärung: Erkennen von potenziellen Bedrohungen im Umfeld.
Krisenmanagement: Schnelle Evakuierung und medizinische Erstversorgung.
Wege ans Ziel: Der Schweizer Standard
In der Schweiz gibt es klare Pfade, um in diesen Hochsicherheitsbereich einzusteigen:
Der staatliche Weg: Viele Top-Personenschützer kommen von kantonalen Polizeikorps oder der Militärpolizei sowie aus speziellen militärischen Formationen der Infanterie, die auch auf Personenschutz ausgebildet werden. Die spezialisierten Einheiten (wie z. B. der Sicherheitsdienst des Bundes oder kantonale Sondereinheiten) bieten die fundierteste Ausbildung. Es sind die Personenschützer, die dann auch eingesetzt werden, um Bundesräte oder ausländische Gäste zu schützen, etwa am jährlichen WEF in Davos. Nachteil: Je nach Kantonspolizei sind Einsätze als Personenschützer selten. Es liegt auf der Hand, dass die Kantonspolizei Solothurn wesentlich weniger Personenschutz leistet, als etwa die Genfer, Berner, Zürcher oder Bündner Kolleginnen und Kollegen. Also kann es gut sein, dass man in 99 Prozent der Arbeitszeit normalen polizeilichen Aufgaben nachgehen muss und der eigentliche Personenschutz zu kurz kommt. Aber als Grundausbildung ist eine Polizeiausbildung natürlich für alle Personenschützer vorteilhaft.
Der private Weg & Zertifizierung: Quereinsteiger müssen sich über private Sicherheitsdienstleister qualifizieren. Der wichtigste Meilenstein ist hier die Berufsprüfung zum Fachmann für Sicherheit und Bewachung (FSB) mit eidgenössischem Fachausweis. Dies ist der anerkannte Qualitätsstandard in der Schweizer Branche.
Private Ausbildungslehrgänge und Bewilligungen
Es gibt spezialisierte Schweizer Akademien, die Personenschutz-Lehrgänge anbieten. Wichtig: In der Schweiz benötigen Sie je nach Kanton eine spezifische Berufsausübungsbewilligung für Sicherheitsdienstleistungen. Die Ausbildung umfasst:
Taktisches Verhalten und Personenschutz-Formationen.
Spezialisiertes Fahrsicherheitstraining.
Rechtliche Grundlagen (Notwehr, Notstand, Jedermannsrechte).
Waffentragbewilligung (Voraussetzung ist eine bestandene kantonale Prüfung).
In den Kantonen Aargau und Solothurn ist das Bewilligungsverfahren für den Personenschutz (als Teil der privaten Sicherheitsdienstleistungen) streng geregelt. Obwohl beide Kantone ähnliche Ziele verfolgen – nämlich die öffentliche Sicherheit und Professionalität zu gewährleisten –, gibt es in der administrativen Zuständigkeit und den Anforderungen kleine Unterschiede.
Kanton Aargau (Fachstelle SIWAS)
Im Aargau ist die Fachstelle SIWAS (Sicherheitsdienste, Waffen, Sprengstoffe) der Kantonspolizei zuständig. Jede gewerbsmässige Tätigkeit im Personenschutz benötigt eine Betriebsbewilligung. Der Kanton Aargau legt grossen Wert auf Ausbildung. Für die geschäftsführende Person wird in der Regel ein eidgenössischer Fachausweis (z. B. Fachmann für Sicherheit und Bewachung, FSB) verlangt, um sicherzustellen, dass die nötige Theorie und Praxiserfahrung vorhanden sind. Gefordert wird Handlungsfähigkeit und guter Leumund (keine relevanten Vorstrafen, keine Betreibungen) und Nachweis einer Haftpflichtversicherung (oft im Millionenbereich). Mitarbeitende müssen bei der Fachstelle angemeldet werden, bevor sie ihren ersten Einsatz leisten.
Kanton Solothurn (Waffenbüro / Kantonspolizei)
Im Kanton Solothurn basiert die Zulassung auf dem Gesetz über die Kantonspolizei (§ 45 ff.). Das Gesuch wird bei der Kantonspolizei Solothurn eingereicht. Oft wird nach der Einreichung ein persönliches Gespräch mit dem Gesuchsteller geführt. Voraussetzungen sind ein Strafregisterauszug (nicht älter als 3 Monate) und ein Betreibungsregisterauszug (der letzten 3 Jahre). Beides sollte blank sein. Weiter braucht es eine Wohnsitzbestätigung sowie natürlich der Nachweis der fachlichen Eignung. Für die Bearbeitung des Gesuchs ist in der Regel ein Kostenvorschuss (ca. 500 CHF) zu leisten.
Die Waffentragbewilligung (WTB)
Soll der Personenschutz bewaffnet erfolgen, reicht die Betriebsbewilligung nicht aus. In beiden Kantonen gilt für das Tragen einer Waffe im Dienst: Man muss glaubhaft machen, dass eine reale Gefahr für die Schutzperson besteht, die nicht anders abgewendet werden kann. Es muss eine theoretische und praktische Waffentragprüfung abgelegt werden (Recht, Handhabung, Schiessen). Diese Prüfung und Bewilligung erfolgen primär im Wohnsitzkanton des Personenschützers.
Interkantonaler Marktzugang
Wenn man bereits eine Bewilligung in einem anderen Kanton (z. B. Zürich oder Bern) hat, kann man dank des Binnenmarktgesetzes oft vereinfacht in Aargau oder Solothurn tätig werden. Sie müssen dies jedoch im Vorfeld melden (Anerkennungsverfahren), da die Kantone das Recht haben, die Gleichwertigkeit der Ausbildung zu prüfen.
Warum boomt der Job in der Schweiz?
Die Schweiz gilt zwar als sicher, ist aber gleichzeitig Hub für internationale Organisationen (Genf), Weltwirtschaftsgipfel (Davos) und Sitz zahlreicher globaler Konzerne. Das Bedürfnis nach privatem Schutz steigt, da die staatliche Polizei primär die öffentliche Sicherheit gewährleistet und individuelle Schutzbedürfnisse oft privat abgedeckt werden müssen. Zudem führt die steigende Sichtbarkeit von Personen des öffentlichen Lebens in sozialen Medien zu einem höheren Risiko durch Stalking. Entsprechend sind in der Schweiz wesentlich mehr Leibwächter im Einsatz, als man denkt. Es kann gut sein, dass wenn in Gstaad eine Skilehrerin mit zwei Mädchen auf der Piste unterwegs ist, 20 Meter hinter der Gruppe zwei Männer auf Skis unauffällig folgen. Das ist Alltag in der Schweiz.
Wie kommt man zu Aufträgen?
Der Markt in der Schweiz wird von einigen grossen Playern und spezialisierten Boutique-Sicherheitsfirmen dominiert. Der Einstieg gelingt meist über eine Anstellung bei einem dieser Unternehmen. „Freelancer“ haben es ohne exzellentes Netzwerk schwer, da Kunden im Hochrisikosegment auf die Haftung und Professionalität etablierter Firmen setzen.
Benötigen Sie noch Informationen zu den spezifischen kantonalen Unterschieden (z.B. Bewilligungsverfahren in Zürich vs. Genf) oder soll ich Ihnen eine Liste der Voraussetzungen für die eidgenössische Berufsprüfung erstellen?
