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Ukraine-Krieg macht Russland zum Nobody

Was als dreitägiger Triumphzug zur Wiederherstellung imperialer Grösse geplant war, hat sich als der folgenschwerste strategische Fehler der jüngeren Geschichte erwiesen: Mit dem Überfall auf die Ukraine wollte Wladimir Putin die europäische Sicherheitsordnung zertrümmern und Russland als unumgängliche Weltmacht etablieren. Die nüchterne Realität zeigt heute das exakte Gegenteil: Moskau hat seine strategische Relevanz verspielt, die eigene Wirtschaft nachhaltig beschädigt und sich international isoliert. Russland ist auf dem besten Weg, geopolitisch zum Nobody zu verkommen.



Das Märchen von der Unverwundbarkeit


Militärisch ist der Mythos von der «zweitstärksten Armee der Welt» längst entzaubert. Zwar führt Russland an der Front weiterhin einen brutalen Abnutzungskrieg und wirft enorme Mengen an Menschen und Artillerie in die Schlacht – doch die operativen, menschlichen und finanziellen Verluste sind astronomisch.


Gleichzeitig verlagert sich das Geschehen zunehmend ins russische Hinterland. Mit weitreichenden Eigenentwicklungen treffen ukrainische Präzisionsdrohnen empfindliche Knotenpunkte: Treibstofflager, Häfen, Rüstungsbetriebe und Erdölraffinerien brennen regelmässig. Russland ist ganz offensichtlich nicht in der Lage, seine eigene Bevölkerung zu schützen. Die Welt schaut zu. Es ist nur noch peinlich. Die russische Reaktion: Panische und hilflose Schläge mit Marschflugkörpern oder Hyperschallraketen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, während sich an der Front kaum etwas verändert.


Weil Schlüsselkomponenten westlicher Technologie fehlen, dauern Reparaturen an hochmodernen Industrie-, Hafen- oder Getreide- und Raffinerieanlagen in Russland Monate oder sind schlicht unmöglich.


Ziviler Stillstand und technologischer Rückfall


Besonders drastisch zeigt sich der Verfall in der zivilen Wirtschaft:


  • Luftfahrt am Boden: Grosse Teile der zivilen Passagierflotte – jahrelang auf Airbus und Boeing gestützt – stehen mangels zertifizierter Ersatzteile still. Fluggesellschaften betreiben systematische Kannibalisierung von Maschinen, um den Restbetrieb aufrechtzuerhalten. Russland kauft weltweit (vor allem in Afrika) alte Maschinen, um sie ausschlachten zu können.

  • Technologie-Boykott: Der Verlust westlicher Präzisionswerkzeuge, Halbleiter und Software wirft die russische Industrie um Jahrzehnte zurück.

  • Brain Drain: Hunderttausende gut ausgebildete Fachkräfte, Ingenieure und IT-Spezialisten haben dem Land dauerhaft den Rücken gekehrt.

  • Geopolitischer Bumerang: Was Putin erreicht hat, ist eine noch nie dagewesene Aufrüstung der europäischen Länder und der NATO.


Auf der Weltbühne hat Putins Kalkül zu einer Kette historischer Eigentore geführt:


Die NATO ist geeinter denn je: Statt die Allianz zurückzudrängen, traten die neutralen Staaten Finnland und Schweden dem Bündnis bei. Russlands direkte Grenze zur NATO verlängerte sich um über 1300 Kilometer; die Ostsee wurde zum NATO-Binnenmeer. Europa rüstet konsequent wieder auf und testet neue Waffensysteme in der Ukraine. Die Ukraine wiederum bildet westliche Armeen mit ihrem Know-How von der Front aus.


Europas Energie-Emanzipation: Der Versuch, den Kontinent mit dem Gashahn zu erpressen, scheiterte völlig. Europa stellte die Versorgung in Rekordzeit um. Länder wie Norwegen stiegen zu zentralen Gaslieferanten auf und erzielten Rekordeinnahmen, während Russland seine Rohstoffe mit massiven Preisabschlägen nach Asien verkaufen muss.


Vom Weltmacht-Anspruch zum Juniorpartner


Statt Augenhöhe mit Washington oder Brüssel bleibt Moskau nur die Rolle als billiger Rohstofflieferant und wirtschaftlicher Juniorpartner von Peking – zu Bedingungen, die fast ausschliesslich China diktiert.


Russland hat die Ukraine unterschätzt, Europa unterschätzt, die NATO unterschätzt, die EU unterschätzt, die Fähigkeiten seiner Armee unterschätzt und die eigenen Rohstofflieferungen nach Europa überschätzt.


Der schmerzhafteste Realitätscheck für den Kreml lautet: Die Welt hat gelernt, problemlos ohne Russland auszukommen. Weder in der globalen Wirtschaft noch in der Energieversorgung oder im Tourismus wird das Land vermisst. Die Welt dreht sich weiter, gewöhnt sich an die neue Weltordnung – während Russland isoliert in der Vergangenheit verharrt. In diesem Zustand wird der Ukraine-Krieg von Russland wohl in den nächsten Winter getrieben. Sinnlos, nutzlos und ohne Chancen auf einen Sieg - im Gegenteil.


Foto: Symbolbild von Yuri Krupenin / unsplash.com

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