Tabuthema Intimität: Die Region Aargau-Solothurn packt aus
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 2 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Sex gehört zu den natürlichsten Dingen der Welt, und doch hüllen wir uns oft in Schweigen, wenn es um das eigene Schlafzimmer geht. Wie oft schlafen die Menschen zwischen Aare, Jura, Rhein und Limmat wirklich miteinander? Sind die Schweizer im Bett eher zurückhaltend oder experimentierfreudig? Und welche Rolle spielen Spielzeuge, Rollenspiele oder schlicht die klassische Routine? soaktuell.ch hat sich auf die Strasse gewagt und nachgefragt – von Solothurn über Olten, Aarau bis Baden.

Während Studien oft von theoretischen Durchschnittswerten sprechen (angeblich 1- bis 2-mal pro Woche), sieht die Realität im Alltag meist viel differenzierter aus. Stress im Beruf, Kinder, lange Beziehungen oder das Single-Dasein prägen das Liebesleben massgeblich.
Wir haben Frauen und Männer unterschiedlichen Alters getroffen und sie nach ihren ganz persönlichen Gewohnheiten gefragt. Das Ergebnis: Die Hemmschwelle, über Intimität zu sprechen, sinkt spürbar – doch die Vorlieben könnten kaum unterschiedlicher sein.
Sarah (28) aus Solothurn, Soziologiestudentin
Häufigkeit: 2- bis 3-mal pro Woche
Beziehungsstatus: In einer festen Partnerschaft (seit 3 Jahren)
«Ich finde, in unserem Alter sollte Sex spontan und leidenschaftlich sein. Bei uns pendelt es sich meistens bei zwei- bis dreimal in der Woche ein. Unter der Woche fehlt nach langen Arbeitstagen manchmal die Energie, aber das Wochenende gehört ganz uns. Was die Praktiken angeht: Wir sind da absolut offen. Bei uns gehören Toys definitiv dazu, das bereichert das Liebesleben ungemein und nimmt den Druck raus. Mir ist vor allem ein ausgiebiges Vorspiel wichtig – ohne das geht bei mir gar nichts. Ein schneller Quickie hat zwar auch mal seinen Reiz, aber Qualität geht für mich klar vor Schnelligkeit.»
Beatrice (54) aus Wangen b. Olten, Floristin
Häufigkeit: 1- bis 2-mal im Monat
Beziehungsstatus: Verheiratet (seit 26 Jahren)
«Nach über einem Vierteljahrhundert Ehe verändert sich das Liebesleben gewaltig, das muss man ganz ehrlich sagen. Wer behauptet, nach 25 Jahren noch täglich Leidenschaft wie am ersten Tag zu haben, flunkert meistens. Wir haben vielleicht ein- bis zweimal im Monat Sex, aber dafür ist er extrem vertraut und liebevoll. Wir brauchen keine wilden Experimente oder aussergewöhnliche Praktiken mehr. Bei uns steht die emotionale Nähe im Vordergrund: zärtliche Berührungen, klassische Stellungen und einfach das Gefühl, einander ohne Worte zu verstehen. Die Sturm-und-Drang-Phase ist vorbei, und das ist auch völlig in Ordnung so.»
Elena (35) aus Aarau, Marketingmanagerin
Häufigkeit: Phasenweise (von täglich bis wochenlang gar nicht)
Beziehungsstatus: Single
«Als Single ist die Frequenz extrem unterschiedlich. Es gibt Monate, da habe ich Dates und bin sehr aktiv – da kann es auch mehrmals die Woche vorkommen. Dann gibt es wieder Phasen, in denen ich mich komplett auf meinen Job konzentriere und zwei Monate gar keinen Sex habe. In diesen Zeiten rede ich mit dem KI-Programm "Claude" (Der perfekte Mann. Er redet nur, wenn ich ihn frage und lobt mich ständig.) und würde ohne meinen Womanizer nicht überleben. Wenn ich Sex habe, mag ich es dynamisch. Ich probiere gerne neue Dinge aus, ob das nun Positionswechsel an unerwarteten Orten sind oder leichte Dominanzspiele. Ich finde, man sollte im Bett keine Komplexe haben. Analsex gehört einfach dazu. Über einen Dreier kann man reden. Kommunikation ist für mich ohnehin das A und O: Man muss klar sagen können, was einem gefällt und was überhaupt nicht geht.»
Marco (31) aus Neuenhof, Maschineningenieur
Häufigkeit: 1- bis 2-mal pro Woche
Beziehungsstatus: Zusammenlebend (seit 4 Jahren)
«Wunsch und Wirklichkeit klaffen manchmal etwas auseinander. Wenn es nach mir ginge, könnten wir ruhig drei- bis viermal die Woche übereinander herfallen. Aber durch Schichtarbeit und Alltag mündet es meist in ein bis zwei Mal. Praktisch gesehen mag ich Abwechslung. Ich bin ein grosser Fan von Oralverkehr – sowohl beim Geben als auch beim Empfangen. Ausserdem lieben wir es, ab und zu den Ort zu wechseln: Nicht immer nur das Bett, sondern auch mal auf der Couch, dem Teppich oder im Sommer an einem ungestörten Plätzchen in der Natur oder im Auto. Das bringt Nervenkitzel rein.»
Thomas (48) aus Zuchwil, Kaufmann
Häufigkeit: Alle 3 Tage (mit der Ehefrau einmal in der Woche)
Beziehungsstatus: Verheiratet, 2 Kinder
«Mit zwei Teenagern im Haus und zwei Vollzeitjobs muss Sex fast schon terminiert werden – so unromantisch das klingt. Ich könnte täglich. Meine Frau will partout nur einmal die Woche. Da ich den Wunsch meiner Frau respektiere, selber aber auch das Recht habe, zu meinem Sex zu kommen, habe ich mir neben der Ehe eine Sexbekanntschaft zugelegt. So kommen alle auf ihre Kosten. Mit der Ehefrau kommt es meistens am Sonntagabend zum Sex, nach dem "Tatort" (lacht). Praktiken? Es beginnt mit einer guten Paarmassage mit Ölen. Wir kennen die Vorlieben des anderen in- und auswendig, wissen genau, welche Knöpfe man drücken muss. Extreme Praktiken oder BDSM brauchen wir in der Ehe nicht. Mir ist echte Hingabe und Entspannung vom stressigen Alltag wichtiger. Den Rest erledigt meine Sexbekanntschaft, die ich meistens im Auto, im Sommer an der Aare oder in Wellness-Tempeln treffe. Hier prallt Leidenschaft und Temperament auf unkompliziertes Verlangen.»
Kevin (22) aus Schöftland, Elektriker
Häufigkeit: 4- bis 5-mal pro Woche
Beziehungsstatus: Frisch verliebt (seit 5 Monaten)
«Bei uns brennt die Hütte eigentlich ständig! Wir sind erst seit ein paar Monaten zusammen, da läuft fast jeden Tag etwas – manchmal sogar mehrmals. Meine Generation ist, glaube ich, sehr viel offener gewachsen. Wir sprechen ganz direkt über Vorlieben, Toys, Stellungen oder Inspirationen, die man mal auf Social Media oder in Serien sieht. Von ausgiebigem Sex bis hin zu schnellen Quickies vor oder während dem Ausgang ist alles dabei. Ich finde es wichtig, dass beide auf ihre Kosten kommen und man sich im Bett absolut für nichts schämen muss.»
Die Mischung macht’s
Die Umfrage zeigt ein klares Bild: Das Liebesleben in der Region ist so vielfältig wie die Bevölkerung selbst. Während jüngere Paare und frisch Verliebte auf hohe Frequenz und offene Experimentierfreude setzen, verschieben sich die Prioritäten mit zunehmendem Alter und Beziehungsdauer oft von der Quantität hin zu Vertrautheit und Qualität. Obwohl es erstaunlich viele Paare über 60 Jahre gibt, die wöchentlich mehrfach Sex haben.
Eines steht fest: Das Thema Sex verliert zunehmend seinen Schamfaktor – und das tut der Beziehungsqualität sichtlich gut.








