Strom: Die grosse Kluft zwischen Solar-Pionieren und „Abzocker-Gemeinden“
- Redaktion soaktuell.ch

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Während in den ersten Schweizer Gemeinden der Strom am Mittag fast geschenkt ist, herrscht vielerorts noch Steinzeit-Logik: Wer tagsüber Strom verbraucht, zahlt den Höchstpreis – selbst wenn die Sonne brennt und PV-Anlagen Überschüsse erwirtschaften ohne Ende. Anstatt den Stromverbrauch während dem Tag mit günstigen Tarifen zu fördern, wird vielerorts noch immer abgezockt wie vorgestern. Doch jetzt gibt es eine Lösung für Besitzer von Photovoltaikanlagen (PV).

In der Schweizer Energielandschaft des Jahres 2026 klafft eine gewaltige Lücke. Auf der einen Seite stehen moderne und innovative Versorger, die begriffen haben, dass Strom dann günstig sein muss, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Auf der anderen Seite halten die Stromversorger in zahlreiche Gemeinden an veralteten Hochtarif-Modellen fest, die Kritiker zunehmend als „moderne Wegelagererei“ bezeichnen - oder sogar "Gaunerei".
Das Paradoxon: Mittags-Niedertarif als neues Normal?
Früher war alles einfach: Tagsüber war der Strom teuer (Hochtarif), nachts billig (Niedertarif). Doch im Jahr 2026 hat die Photovoltaik dieses Modell längst auf den Kopf gestellt. Im Sommer herrscht über die Mittagszeit oft ein massiver Stromüberschuss. Was tun rückständige Stromversorger? Es sind in den Kantonen Solothurn (zweitteuerster Stromkanton der Schweiz) und Aargau meistens kleinere Elektras, geleitet im Nebenamt von Leuten aus dem Dorf. Sie bezahlen den PV-Anlagenbesitzern 6-8 Rappen für eingespiesenen Strom. Begründung: Der Strom sei am Markt an sonnigen Tagen nichts wert. Im gleichen Atemzug verlangen sie von den selben Kunden aber bis zu 32 Rappen pro Kilowattstunde für bezogenen Strom, der angeblich nichts wert sei. Das grenzt an Betrug. Deshalb haben einige Vorreiter reagiert, sie führen Niedertarife während dem Tag ein oder gehen sogar noch weiter:
Zuzwil (SG) gilt als Musterknabe und bietet täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr den günstigen Niedertarif an.
Die Groupe E (Kantone FR, NE, VD) zieht mit einem Fenster von 12:00 bis 17:00 Uhr nach.
Grossversorger wie die EKZ (Zürich) oder die Regio Energie Solothurn haben auf Saisontarife umgestellt, um den günstigen Sommerstrom besser abzubilden.
Achtung: Die „Abzock-Falle“ in Ihrer Gemeinde
Doch während diese Gemeinden die Energiewende fördern, sieht es in vielen anderen Regionen düster aus. Wer in einer Gemeinde lebt, die einen Stromtarif über 24 Stunden anbietet, wird zur Kasse gebeten – und das oft ohne sachlichen Grund.
Die Fakten, die wütend machen:
Besonders hart trifft es Besitzer von Photovoltaik-Anlagen. Sie haben Geld investiert und wollen dafür einen Benefit. Doch einige schwarze Schafe unter den Stromversorgern versuchen, diesen Benefit mit allen Mitteln zu verhindern. Sie schwächen damit den Ausbau der Photovoltaik und die Politik des Bundes. Wer den Strom, den er auf dem eigenen Dach produziert, nicht selbst verbrauchen kann und ins Netz einspeist, erhält oft nur eine mickrige Entschädigung von wenigen Rappen. Gleichzeitig verlangen dieselben Energieversorger für den Strombezug während der Sonnenstunden bis zu 32 Rappen oder mehr pro Kilowattstunde (brutto).
Ein Rechenbeispiel der Schande:
Ein Haushalt speist mittags Solarstrom für 6-8 Rappen ein. Muss er aufgrund von Bewölkung oder hohem Bedarf kurzzeitig Strom beziehen, zahlt er in einigen Gemeinden 32 Rappen oder mehr. Das ist eine Differenz von 400 % – eine Marge, die durch die Netzkosten allein kaum zu rechtfertigen ist.
Eine deutliche Warnung an die Verbraucher
Wenn Ihre Gemeinde oder Ihr lokaler Versorger im Jahr 2026 noch immer keinen Mittags-Niedertarif oder dynamische Tarife anbietet, sollten Sie hellhörig werden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier auf Kosten der Energiewende Kasse gemacht wird. Die Verbraucher in solchen „Hochpreis-Inseln“ werden gleich doppelt bestraft: Sie finanzieren durch ihre hohen Tarife die Trägheit der Versorger, während die Netzbetreiber von der günstigen Solar-Einspeisung der Nachbarn profitieren.
Was Sie jetzt tun können
Tarifblätter prüfen: Schauen Sie auf strompreis.elcom.admin.ch nach. Bietet Ihr Versorger ein Mittagsfenster an?
Smart Meter fordern: Verlangen Sie den Einbau eines intelligenten Messsystems, um von künftigen dynamischen Tarifen profitieren zu können. Falls bei Ihnen schon ein Smart Meter installiert ist, aber Sie immer noch mit Höchstpreisen während dem Tag abgezockt werden, kommt Punkt 3 zum Zug.
Politischer Druck: In vielen Gemeinden sind die Energieversorger in öffentlicher Hand. Fragen Sie im Gemeinderat nach, warum man die Bürger mittags mit Hochtarifen belastet, während das Netz vor Solarstrom fast überläuft. Wo Exekutivmitglieder auch gleich führende Positionen in den Elektras übernommen haben, gilt doppelte Vorsicht.
Der Niedertarif am Tag ist 2026 kein Privileg, sondern eine Notwendigkeit in einem modernen Stromnetz. Gemeinden, die dies verweigern, bremsen nicht nur die Dekarbonisierung, sondern ziehen ihren Bürgern schlicht das Geld aus der Tasche. Dahinter steckt oft eine politische Motivation der Mitglieder einer Elektra (Gegner der Photovoltaik) oder gar Neid gegenüber Leuten mit PV-Anlagen, für die im Jahr 2026 kein Platz mehr sein sollte.
stromkonto.ch als Lösung und "Angstgegner" träger Energieversorger
Gerade in den teuersten Gemeinden des Kantons Solothurn (z.B. Kestenholz oder Fulenbach) aber auch in anderen Gemeinden der Schweiz wechseln derzeit viele Besitzer von Photovoltaik-Anlagen zu stromkonto.ch. Das Modell von stromkonto.ch ist tatsächlich eine der spannendsten Antworten auf das Problem der Abzockerei beim Strom. Es fungiert als eine Art „virtuelle Batterie“, die genau dort ansetzt, wo die herkömmlichen Tarife der Versorger versagen.
Warum sollen PV-Anlagen Besitzer ihren Stromüberschuss für ein paar Rappen verschenken und ihn nachts, wenn sie selber Strom einkaufen müssen, völlig überteuert einkaufen müssen? stromkonto.ch löst das Problem, ohne dass man für 10'000 bis 15'000 Franken eine physische Batterie im Keller installieren muss.
So funktioniert es: Der Überschuss, den Sie mittags einspeisen, wird Ihnen zu 100 % auf einem virtuellen Konto gutgeschrieben (in Kilowattstunden, nicht in Schweizer Franken). Wenn Sie abends oder im Winter Strom benötigen, „beziehen“ Sie zuerst den "angesparten" Strom von Ihrem Konto. Erst dann kaufen Sie noch externen Strom ein.
Der finanzielle Vorteil: Sie umgehen die Preisdifferenz (z. B. 8 Rappen Einspeisevergütung vs. 19 Rappen Bezugspreis für den reinen Strom). Wenn Sie den virtuell gespeicherten Strom beziehen, bezahlen Sie der örtlichen Elektra nur noch die Netznutzungsgebühren und Abgaben, sonst gar nichts. Sie sind nicht mehr darauf angewiesen, dass Ihr lokaler Versorger „gnädigerweise“ einen Mittags-Niedertarif einführt. Und der Hammer: Wenn Sie im Winter Strom einkaufen müssen, tun Sie dies für 15 Rappen pro Kilowattstunde (Tarif 2026). Wenn Ihr Stromversorger mehr als 15 Rappen für den reinen Strom verlangt (ohne Netznutzungsgebühren), verdienen Sie hier auch noch beim Einkauf von externem Strom.
Die Elektras verlieren mit jedem Kunden Geld, der zu stromkonto.ch wechselt
Wenn ein Kunde ihres örtlichen Stromversorgers zu einem Modell wie stromkonto.ch wechselt (was rechtlich oft über einen Wechsel der Rechnungsadresse passiert), verliert der lokale Versorger vor allem eines: Die Marge auf die Energie. Bei der Netznutzungsgebühr usw. ändert sich nicht, aber am Strom verdient die örtliche Elektra ab sofort nichts mehr und sie verliert faktisch ein lokales "Kraftwerk" (PV-Anlage).
Die Elektra verliert den Gewinn aus der Preisdifferenz: Das ist der grösste Punkt. Bisher kauft der Versorger Ihren Solarstrom mittags für z. B. 6 Rappen ein. Und wenn Sie abends wieder Strom beziehen wollen, wird er Ihnen für z.B. 19 Rappen wieder zurückverkauft. Diese lukrative Spanne von 13 Rappen pro kWh fällt für den Versorger komplett weg. Und wenn der stromkonto.ch Kunde im Winter zusätzlichen Strom einkauft, kauft er ihn oftmals günstiger ein, nämlich für 15 Rappen pro kW. Die üblichen Verdächtigen unter den teuren Stromversorgern verlangen pro Kilowattstunde Strom meistens wesentlich mehr (ca. 19 Rappen). Wenn Stromkunden zu stromkonto.ch wechseln, verliert der betroffene Stromversorger also die Kontrolle über die Preisgestaltung gegenüber dem Endkunden. Er wird zum reinen „Durchleiter“ degradiert. Strompreiserhöhungen oder Senkungen interessieren den Endkunden nicht mehr.
Wenn nun immer mehr Kunden zu virtuellen Konten wie stromkonto.ch wechseln, kann die Elektra weniger exakt kalkulieren, wie viel teure Energie sie am Terminmarkt für die Grundversorgung einkaufen muss, da der „Eigenverbrauch“ der Kunden (wenn auch nur virtuell) massiv steigt.
Das behält der Versorger?
Netznutzungsgebühren: Der lokale Versorger verdient weiterhin an jedem Elektron, das durch seine Leitungen fliesst. Da der Strom bei einem virtuellen Konto ja trotzdem physisch über das öffentliche Netz kommt, stellen sie die Netzkosten weiterhin in Rechnung. Für den Endkunden ist das aber unbedeutend, denn das war ja bisher schon so und bleibt auch so. Seine Einsparungen macht der Endkunde, indem er den überschüssigen Strom seiner eigenen PV-Anlage zuerst selber nutzt und nicht mehr an die örtliche Elektra "verschenkt" und erst dann, falls überhaupt, noch externen Strom einkaufen muss.
Man könnte sagen: stromkonto.ch ist der „Angstgegner“ der trägen Energieversorger. Während die Versorger behaupten, der Mittagsstrom sei „nichts wert“ (um die tiefe Einspeisevergütung zu rechtfertigen), beweist stromkonto.ch das Gegenteil, indem sie diesen Strom für den Kunden eins zu eins aufbewahren.
Einziger Haken: Für den Service fällt eine monatliche Abogebühr an (ca. 10 bis 15 CHF). Dafür spart man sich einen Stromspeicher. Das Modell lohnt sich also vor allem für Haushalte, die einen signifikanten Überschuss produzieren und diesen sonst zu „Spottpreisen“ abgeben müssten. Übrigens: Wer bisher sehr viel Strom von seiner PV-Anlage eingespiesen hat, kann diesen bei stromkonto.ch ansparen und wenn nicht selber benötigt für 12 Rappen pro Kilowattstunde verkaufen - nicht für 6-8 Rappen, wie bei der örtlichen Elektra. Kurz: Alle PV-Anlagenbesitzer sollten stromkonto.ch kennen und prüfen. Es könnte sich lohnen.




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