"Küss den Frosch": Amphibien-Crashkurs im Naturpark Thal
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 2 Stunden
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Rund 20 Interessierte nahmen kürzlich in Balsthal am Amphibien-Crashkurs des Naturpark Thal teil. Unter der Leitung der Biologin und Projektleiterin Natur und Landschaft, Franziska Arnold, lernten sie die heimischen Amphibienarten kennen und engagieren sich nun aktiv bei der Erfassung der Bestände in der Region.
Naturpark Thal

Mit den ersten milden Frühlingsnächten beginnt für Amphibien die intensivste Phase des Jahres: Sie wandern zu ihren Laichgewässern, rufen nach Partnern und legen ihre Eier im Wasser ab. Genau in dieser Zeit begaben sich rund 20 Teilnehmende im Naturpark Thal auf nächtliche Spurensuche und beobachteten Frösche, Kröten und Molche direkt in ihrem Lebensraum.
Biologin und Projektleiterin Natur und Landschaft Franziska Arnold führte die Gruppe durch den Abend und vermittelte praxisnah, wie sich die heimischen Arten erkennen lassen. Gleichzeitig bereitete sie die Teilnehmenden darauf vor, künftig selbst zur Erfassung der Amphibienbestände beizutragen.
Theorie zwischen Strohballen. Praxis am Weiher.
Der Abend startete ungewöhnlich: In einer Scheune in St. Wolfgang erklärte Franziska Arnold zwischen Strohballen und landwirtschaftlichen Maschinen die wichtigsten Unterschiede zwischen Frosch- und Schwanzlurchen. Statt trockener Theorie setzte sie auf anschauliche Beispiele und direkte Bezüge zur Praxis. Kurz darauf wechselte die Gruppe nach draussen. Ausgerüstet mit Taschenlampen erkundeten die Teilnehmenden die Weiher in völliger Dunkelheit. Genau dann, wenn die meisten Amphibien aktiv werden. «Die meisten Amphibien sind dämmerungs- oder nachtaktiv, weil sie so Austrocknung vermeiden und besser vor Fressfeinden geschützt sind», erklärt Arnold. «Deshalb lassen sie sich gerade am Abend besonders gut beobachten.»
Erfolgreiche Suche
Die Suche hatte schnell Erfolg: Schon nach kurzer Zeit entdeckte die Gruppe Erdkröten, Berg- und Fadenmolche sowie Larven von Feuersalamandern. Auch die grossen, gallertartigen Laichballen der Grasfrösche, die an der Wasseroberfläche trieben, waren kaum zu übersehen.
Im Naturpark Thal leben sechs charakteristische Amphibienarten: Neben Grasfrosch, Erdkröte, Feuersalamander und Fadenmolch gibt es noch die Geburtshelferkröte (Glögglifrosch) und den Bergmolch. Sie alle sind auf funktionierende Lebensräume angewiesen, die Wasser- und Landlebensräume miteinander verbinden. Sie alle sind auf eine intakte Natur angewiesen, welche Wasser- und Landlebensräume miteinander vernetzt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Geburtshelferkröte. Ihr glockenartiger Ruf brachte ihr den Namen «Glögglifrosch» ein. Die Art zeigt ein ungewöhnliches Verhalten: Die Männchen tragen die Eier mehrere Wochen an den Hinterbeinen, bevor sie die Kaulquappen ins Wasser absetzen. Das Thal gehört zu einem wichtigen Verbreitungsgebiet dieser gefährdeten Art in der Schweiz.
Freiwillige werden zu Forschenden
Der Kurs endet nicht mit dem Abend: Die meisten Teilnehmenden engagieren sich nun im Monitoring der Amphibienbestände. Sie besuchen zwischen März und Juni wiederholt Weiher im Naturpark Thal, bestimmen die Arten und erfassen die Anzahl der Tiere. Diese Daten liefern eine wichtige Grundlage für den Naturschutz im Thal.
«Die Unterstützung aus der Bevölkerung hilft uns enorm», sagte Arnold. «So entsteht ein genaueres Bild darüber, wo unsere Amphibien leben und was sie brauchen.»
Der Crashkurs steht im Zusammenhang mit dem Projekt «Lebensraum Weiher». Der Naturpark wertet gezielt Kleingewässer auf und schafft neue Lebensräume. Solche Weiher bieten nicht nur Amphibien Lebensraum, sondern auch Insekten, Wasserorganismen, Vögeln und Kleinsäugern. Rund um die Gewässer entstehen zusätzlich wichtige Strukturen wie Böschungen, Totholzhecken sowie Stein- und Asthaufen. Sie dienen als Rückzugsorte und verbinden verschiedene Lebensräume miteinander. Das Amt für Raumplanung hat den Anlass finanziell unterstützt und damit die Durchführung ermöglicht.
Amphibien beobachten. So geht es richtig
Wer Amphibien im Naturpark Thal beobachten möchte, sollte einige Grundregeln beachten:
Abstand halten: Tiere nicht anfassen oder stören
Auf den Wegen bleiben: Uferbereiche und Laichplätze sind empfindlich
Licht sparsam einsetzen: Taschenlampen nur gezielt und kurz verwenden
Ruhig verhalten: Lärm vermeiden. Viele Arten reagieren empfindlich
Keine Tiere umsiedeln: Amphibien finden ihre Lebensräume selbst
Hunde an die Leine nehmen: Zum Schutz der Tiere und ihrer Lebensräume
Amphibien stehen unter Schutz. Rücksichtvolles Verhalten hilft, ihre Bestände langfristig zu sichern. Tipp des Naturpark Thal: Geführte Exkursionen bieten die beste Möglichkeit, Arten sicher kennenzulernen und mehr über ihre Lebensweise zu erfahren.
Informationen auf https://www.naturparkthal.ch/
