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Richtpreisverhandlung für Brotgetreide: Ein Fehlentscheid für die Landwirtschaft

Am 28. Juni 2022 fanden die Richtpreisverhandlungen für das Brotgetreide für die Ernte 2022 statt. Die Forderungen der Produzenten waren im Vorfeld klar, nämlich die Notwendigkeit, die in diesem Jahr stark gestiegenen Produktionskosten zu decken. Trotz reduzierten Getreidelagern weltweit und dem Ukraine-Konflikt wurde dieser Forderung nicht entsprochen. Somit steht fest: Die Brotgetreidebauern verdienen im Jahr 2022 weniger an ihrem Getreide als noch im Vorjahr.


Kommentar von Markus Dietschi, Getreidebauer, Selzach

Foto: Markus Dietschi (zVg.)


Gemäss Berechnungen des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes, SGPV, müsste der Brotgetreidepreis für die Ernte 2022 um Fr. 8.00 pro 100 kg steigen, um die gestiegenen Produktionskosten auszugleichen. An der Richtpreisverhandlung vom 28. Juni 2022 wurde der Richtpreis lediglich um Fr. 3.00 bis Fr. 5.00 (je nach Klasse) erhöht. Dies bedeutet für die Getreidebauern aufgrund der massiv gestiegenen Produktionskosten einen tieferen Nettoerlös als noch im Jahr 2021. Die Schweizer Getreidebauern verstehen die Welt nicht mehr!


Nach Bekanntgabe der Richtpreiserhöhung beim Brotgetreide haben Verarbeiter und Handel umgehend eine Preiserhöhung ihrer Produkte angekündigt. Es ist dabei wichtig zu verstehen: Der Grund für die angekündigten oder bereits erfolgten Preiserhöhungen von Nahrungsmittel aus Schweizer Getreide sind kaum auf die Landwirtschaft zurückzuführen! Bei einer Richtpreiserhöhung von Fr. 8.00 pro 100 Kg hätte dies für einen durchschnittlichen Schweizer Haushalt zu Mehrkosten im Jahr von Fr. 5.00 geführt. Nun sprechen wir beim Brotgetreide lediglich von rund Fr. 2.50 im Jahr.


Obwohl die Preise für Landwirtschaftliche Erzeugnisse in den letzten Jahren meist nur eine Richtung kannten, nach unten, erhöhten sich die Lebensmittelpreise in derselben Zeit zum Teil massiv. Die Schweizer Landwirte sind nun echt sauer und begreifen die Welt nicht mehr.


Stellvertretend für unzählige Landwirte habe ich dieser Frust in einem Blog-Beitrag Luft verschafft. Der Beitrag kann auf meiner Website nachgelesen werden. In der Woche der Richtpreiserhöhung verzeichnete diese Website über 26'000 Besucher. Darunter sind auch sehr viele Konsumenten, die diesen Entscheid ebenfalls nicht nachvollziehen können.


Es ist nun an der Zeit den Konsumenten aufzuzeigen was zurzeit in der Schweizer Landwirtschaft abgeht. Wir Landwirte appellieren somit an die nicht landwirtschaftliche Presse dieses Thema aufzugreifen und die Bevölkerung wahrheitsgetreu zu informieren.

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