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Jetzt braucht es bei ZT Medien eine Ross-Kur

Das langsame Sterben der Zofinger Tagblatt Medien ist eine Katastrophe und schmerzt im Innersten. Seien wir ehrlich: Den Weggang der "Tierwelt" wird ZT Medien nicht in vollem Umfang kompensieren können. Und mit den Erträgen der verbleibenden Zeitungstitel kann das Unternehmen in der heutigen Form nicht überleben. Es gibt nur einen Weg, die Übernahme durch den Aargauer Verleger Peter Wanner (AZ Medien / CH Media) zu verhindern und eigenständig zu bleiben.


Kommentar von Martina Gloor, Internet-Zeitung soaktuell.ch


Bei ZT Medien laufen nach dem Weggang des grössten Kunden, der "Tierwelt", die üblichen Verfahren ab, um Massenentlassungen durchführen zu können. Gespräche mit Ämtern, der Gemeinde, dem Kanton und den Sozialpartnern sowie Banken laufen wohl auf Hochtouren. Doch seien wir ehrlich: Die "Tierwelt" war ein enormes Klumpenrisiko innerhalb der ZT Mediengruppe - und das war allgemein bekannt. Jetzt ist die "Tierwelt" weg und die Auslastung wird ZT Medien kaum langfristig kompensieren können. Es würde an ein Wunder grenzen.


Mit anderen Worten: Die gesamte Druckerei wird hochdefizitär und ist wohl, auch angesichts der generellen Marktveränderungen, langfristig nicht zu retten. Was übrig bleibt, sind die Zeitungen und die Online-Abteilung. Peter Wanner's CH Media lechzt mit Sicherheit bereits nach einer Einverleibung. Doch was dann passiert, kann man am Modell "Oltner Tagblatt" am praktischen Beispiel anschauen. Die Zeitungsdruckerei wurde dort eingestellt und das "Oltner Tagblatt" zu einem herz- und seelenlosen Zeitungstitel mit Inhalten aus weit entfernten Redaktionen. Das Regionale und Lokale ist zwar noch vorhanden, aber ohne Herzblut. Die emotionale Nähe der Zeitung zu den Leserinnen und Lesern in den Gemeinden des Streugebiets wird bei einer Übernahme durch CH Media zerstört.


Wenn ZT Medien eine Übernahme durch CH Media verhindern will, braucht es jetzt ein klares Statement des Verwaltungsrats und weitere Massnahmen.


Warum gibt es die Internet-Zeitung soaktuell.ch nach 10 Jahren immer noch? Nicht weil sie viele Einnahmen generiert, sondern weil sie kaum Kosten generiert. Nur dieser Weg führt zum Ziel einer Unabhängigkeit.


Bei den Zeitungen muss ZT Medien alles einstellen oder abstossen, was für sich alleine nicht selbsttragend unterwegs ist. Das gilt auch für die hauseigene Online-Abteilung und Radio Inside. Allenfalls muss man auch den Mut haben, sich von einer Zeitung in Printform komplett zu verabschieden und diese nur noch online zu führen. Alle Zeitungen sind von der gleichen Redaktion zu bedienen und diese ist personell so abzuspecken, dass es keine Hierarchie mehr gibt, sprich, keine teuren Chefs mehr, nur günstige und fleissige Arbeitsbienen. Es ist kein Geld mehr da für schöne Organigramme, grosse Büros und endlose Sitzungen mit farbigen Powerpoint-Präsentationen.


Bleiben kann, wer mit Herzblut bereit ist, auch ausserhalb der Arbeitszeit oder an einem Feiertag mal einen Artikel online zu stellen, ohne die Arbeitszeit immer aufzuschreiben. Alle verbleibenden Leute müssen bereit sein, auch am Abend eine Berichterstattung über eine Generalversammlung oder am Wochenende eine Bilder-Collage eines Umzugs zu machen. Es bleiben nur Leute, die auch Inhalte für die verschiedenen Medien liefern. Selbst die Publisher müssen Content liefern.


Der ganze Staff um die Redaktion herum, also etwa die Verkaufsabteilungen, Buchhaltung und HR-Leute sind massiv zu reduzieren. Ein kleiner Personalkörper braucht keine HR-Abteilung mehr. Büros sind zu verkleinern. Wer nicht zwingend vor Ort sein muss, arbeitet im Homeoffice. Leerstehende Immobilien sind zu vermieten oder abzustossen. Die Druckerei ist zu verkaufen oder einzustellen. Auch die Rechtsform ist zu prüfen. Braucht es die AG mit dem Verwaltungsrat noch, oder wäre eine GmbH günstiger?


Es ist eine Ross-Kur. Sie heisst: "Zurück auf Feld 1". Man muss das Unternehmen buchstäblich in seine "Gründerzeit zurück denken". So, als ob man neu damit anfangen würde. Ein Start-up quasi. Im Vordergrund stehen weniger Kosten. Und hat man weniger hohe Kosten, fällt es auch leichter, diese selbst mit sinkenden Einnahmen zu decken, sprich, die Überlebenschance steigt. Und bei der Finanzierung sind neben Werbung und Abonnements auch Einnahmen aus Crowdfunding-Modellen denkbar, kombiniert mit einer jährlichen finanziellen Subventionierung des Zofinger Tagblatts durch die Gemeinden - ähnlich den früher existierenden Anzeigern (offiziellen Publikationsorganen).


Nur so hätte ZT Medien eine kleine Chance selbständig zu bleiben. Wird diese Ross-Kur jetzt nicht gemacht, gehen die Überbleibsel von ZT Medien mit Sicherheit an CH Media. Und das wäre dann das Ende einer langen Geschichte. Es würde uns von soaktuell.ch im Herzen weh tun.

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