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Bei Kinderzulagen sparen, ist am falschen Ort gespart

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 2 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Am 8. März stimmen die Solothurnerinnen und Solothurner über eine Erhöhung der Familien- und Ausbildungszulagen ab. Eine ganz wichtige Abstimmung. Es ist nämlich mehr als eine finanzielle Korrektur – es ist ein notwendiges Signal gegen einen besorgniserregenden Trend: Die Schweiz wird kinderarm, weil Kinder hierzulande zum Luxusgut geworden sind. Kinder, die später als Fachkräfte fehlen. Fachkräfte, welche die Wirtschaft dann über mehr Zuwanderung suchen muss. Hier spart der Kanton Solothurn definitiv am falschen Ort.


Symbolbild von pixabay.com
Symbolbild von pixabay.com

Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2024 erreichte die Geburtenrate in der Schweiz mit nur 1,28 Kindern pro Frau einen historischen Tiefstand. Zum Vergleich: Um die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten, wäre eine Rate von 2,1 nötig. Während Länder wie Frankreich (ca. 1,7) durch eine aktivere Familienpolitik noch deutlich höhere Werte erzielen, rutscht die Schweiz ans Ende der europäischen Statistik.


Geburtenrückgang wird durch Einwanderung kompensiert


Jene, die jetzt Nein sagen zur Erhöhung der Kinderzulagen im Kanton Solothurn sind mit Sicherheit jene, die am lautesten poltern, wenn der Bevölkerungsrückgang künftig durch Einwanderung kompensiert wird. Wer viele Kinder hat weiss, wie wichtig Familienzulagen sind.


Kinder als Armutsrisiko?


Warum haben Schweizerinnen und Schweizer immer weniger Kinder? Die Antwort ist schmerzhaft pragmatisch: In kaum einem anderen Land in Europa ist der Nachwuchs so teuer wie bei uns. Ohne Fremdbetreuung muss man im Kanton Solothurn mit folgenden Kosten pro Kind rechnen:


  • Einzelkind: ca. CHF 1'350 bis 1'550 (je nach Alter).

  • Zwei Kinder: ca. CHF 2'200 bis 2'400 (insgesamt).

  • Drei Kinder: ca. CHF 2'900 bis 3'100 (insgesamt).

  • Vier Kinder: ca. CHF 3'800 bis 4'000 (insgesamt).


Diese Beträge beinhalten Nahrung, Kleidung, Sportausrüstungen, einen Anteil an der Miete, Möbel, Spielzeug, Trottinett, Velo, technische Geräte wie Tablet oder Smartphone, Krankenkasse (Grundversicherung), weitere Versicherungen, Musikunterricht, Schulreisen und Lagerkosten, Ferienkosten, Mitgliederbeiträge für Vereine, Sackgeld und Freizeit und bei älteren Kindern Abokosten für Bus oder Bahn usw..


Für viele Familien im Mittelstand wird schon das zweite oder dritte Kind damit zur finanziellen Zerreissprobe, weil dann kaum mehr beide Elternteile voll arbeiten können. Also reduziert sich entweder der Lohn oder die Kosten für Fremdbetreuung steigen. Die Kosten für die Kita pro Tag dürfen Sie dann zu den obigen Zahlen noch hinzu zählen.


Selbst Familien mit drei oder vier Kindern, aber einem relativ hohen Einkommen, kommen an ihre Grenzen. Das Resultat ist, dass Herr und Frau Schweizer und Schweizerin keine Kinder mehr haben - oder nur noch eines, maximal zwei.


Besonders im Kanton Solothurn besteht Handlungsbedarf


Die geplante Erhöhung der Kinderzulagen und der Ausbildungszulagen ist kein «Luxus-Ausbau», sondern ein ganz wichtiger Ausgleich für die steigenden Lebenshaltungskosten. Natürlich. Die Wirtschaft muss die Zeche bezahlen. Aber die langfristigen Folgen sind viel teurer: Ohne Kinder fehlen uns morgen die Fachkräfte, die Steuerzahler und die jungen Menschen, die unser Sozialsystem stützen. Natürlich. Die Wirtschaft kann die fehlenden Fachkräfte dann womöglich günstiger im Ausland rekrutieren. Aber, ob das die Lösung ist, bleibt dahingestellt. Es ist auf jeden Fall sehr kurzfristig gedacht.


Investition statt Giesskanne


Kritiker sprechen oft vom «Giesskannenprinzip». Doch gerade die Familienzulage ist die sinnvollste Direktinvestition in Familien, die man sich vorstellen kann. Eben weil es kaum superreiche Grossfamilien gibt. Die Streuverluste der Giesskanne sind gering. Familienpolitik ist eine Investition in die Zukunft. Wenn Eltern aufgrund der massiven Kostenbelastung auf Kinder verzichten, verliert die Gesellschaft ihre Vitalität. Der aktuelle Geburtenrückgang ist ein Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen.


Eine Erhöhung der Zulagen entlastet genau dort, wo der Druck am grössten ist: im Alltag der Familien. Und oftmals nicht nur bei den wirklich armen Familien, sondern ganz speziell auch bei Mittelstandsfamilien. Es ist eine Anerkennung der Erziehungsarbeit, die das Fundament unseres Kantons bildet.


Ergänzungsleistungen und Prämienverbilligung sind keine Argumente gegen Kinderzulagen


Die Gegner von Familienzulagen argumentieren immer mit den Ergänzungsleistungen oder Prämienverbilligungen, die Familien bekommen würden. Die bekommen nur die ärmsten. Eine Mittelstandsfamilie mit Wohneigentum und einer Säule 3a sieht nie einen Rappen Prämienverbilligung und schon gar keine Ergänzungsleistungen. Familien mit zwei, drei, vier Kinder (oder mehr), wo beide Elternteile schuften, damit man dem Staat nicht zur Last fällt, fallen buchstäblich durchs Raster. Sie sind mehrfach die Dummen im Umzug. Einerseits verzichten die Eltern mit der Entscheidung für Kinder auf ein Leben als Doppelverdiener in Saus und Braus. Andererseits sorgen sie gegenüber der Wirtschaft und dem Staat für den dringend benötigten Nachwuchs. Im Kanton Solothurn sind sehr viele Mittelstandsfamilien in dieser Situation.


Bei ihnen zählt das Wohneigentum zum Vermögen und der Mietwert wird als Einnahme gerechnet. Man erhält keine FamEL, wenn diese anrechenbaren Einnahmen (Lohn, Kinderzulagen, fiktive Vermögenserträge) höher sind als die anerkannten Ausgaben (Lebensbedarf, Miete/Hypothekarzins, Krankenkasse). Entschieden wird anonym in Solothurn aufgrund von Papier. Die tatsächliche finanzielle Situation von Grossfamilien am Monatsende wird nicht berücksichtigt. Also muss eine Mittelstandsfamilie erst das Einkommen senken, das Haus verkaufen oder die Schulden hoch halten und nicht mehr für die Säule 3a sparen, um Ergänzungsleistungen zu bekommen. Bei der Prämienverbilligung ist es ähnlich.


Mittelstandsfamilien sorgen dafür, dass sie dem Staat nicht zur Last fallen. Die Kosten ihrer Kinder tragen sie selber. Also Ergänzungsleistungen und Prämienverbilligungen kann man als Argument gegen Kinderzulagen schlicht vergessen.


Es soll für Familien ein Ansporn sein, dem Staat möglichst nicht zur Last zu fallen - und nicht umgekehrt.

Fazit: Ein Zeichen für die Zukunft


Am 8. März geht es nicht nur um ein paar Franken mehr im Monat. Es geht um die Frage, welchen Stellenwert Familien im Kanton Solothurn haben. Wollen wir ein kinderfreundlicher Kanton sein, der den Mut hat, in seine nächste Generation zu investieren?


Ein Ja an der Urne ist ein Ja zu einem lebendigen Kanton Solothurn und eine direkte Hilfe gegen die zunehmende finanzielle Belastung von Eltern. Wer die Zukunft sichern will, muss heute bei den Familien investieren. Wenn der Kanton Solothurn bei Familienzulagen spart, spart er definitiv am falschen Ort.

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