BEA Bern: Sind Grossfamilien an der Kasse Familien zweiter Wahl?
- Redaktion soaktuell.ch

- 27. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Apr.
Zuckerwatte, Riesenrad und Kühe: Die BEA in Bern ist für viele Familien das Highlight des Frühlings. Doch wer mit mehr als drei Kindern anreist, erlebt bereits beim Ticketkauf einen Dämpfer. Die Botschaft der Messeleitung ist klar: Ihr seid keine „Norm-Familie“ – und das kostet extra. Welche Grossfamilie kann sich schon einen Besuch der BEA leisten? Anstatt sozial zu sein werden "Norm-Familien" - auch mit alleinerziehenden Elternteilen - besser behandelt als Grossfamilien. Ein Kommentar zur fragwürdigen Tarif-Logik der Berner Traditionsmesse.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag, die Kinder sind voller Vorfreude. Man will als sechsköpfige Familie – zwei Eltern, vier Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren (Name der Redaktion bekannt) – einen Tag auf dem Messegelände verbringen. Doch beim Blick auf die Preisliste folgt die Ernüchterung. Das „Familienticket“ der BEA gilt für zwei Erwachsene und maximal drei Kinder. Das vierte Kind? Muss draussen bleiben – zumindest symbolisch. Es braucht ein Zusatzticket.
Was auf den ersten Blick wie eine banale Rechenaufgabe der Marketingabteilung wirkt, ist bei näherem Hinsehen ein sozialpolitisches Armutszeugnis. In einer Zeit, in der Inklusion und die Akzeptanz vielfältiger Lebensmodelle grossgeschrieben werden, leistet sich die BEA eine Definition von „Familie“, die wirkt wie aus einem verstaubten Werbeprospekt der 50er-Jahre.
Die „Strafsteuer“ für Grossfamilien
Natürlich kann man argumentieren, dass das vierte Ticket mit neun Franken (online) kein Vermögen kostet. Doch darum geht es nicht. Es geht um das Signal, das ausgesendet wird. Eine Familie mit vier Kindern ist in der Schweiz keine statistische Unmöglichkeit, sondern gelebte Realität. Dass ein Grossunternehmen wie die BEA es sich anmasst zu definieren, wo eine Familie aufhört und eine „kostenpflichtige Gruppe“ anfängt, ist schlichtweg unsozial. AHV-Renter, Alleinerziehende mit Kindern, Behinderte - alle werden an der Kasse zuvorkommend behandelt - nicht aber Grossfamilien.
Während Grossfamilien ohnehin schon bei fast jedem Einkauf, jedem Restaurantbesuch und jeder Ferienbuchung tiefer in die Tasche greifen müssen, setzt die BEA noch einen drauf. Anstatt die Grösse und das Engagement dieser Eltern zu honorieren, werden sie wie ein administratives Problem behandelt. Man fühlt sich wie eine „Familie zweiter Klasse“. Dabei konsumieren diese Personen doch an der BEA - Essen, Getränke, Glacen usw.
Effizienz schlägt Empathie
Warum hält die BEA an dieser starren Grenze fest? Offiziell heisst es oft, man wolle Missbrauch verhindern, damit sich nicht ganze Schulklassen unter einem Familienticket durchschmuggeln. Doch dieses Argument zieht nicht. Andere Institutionen machen es vor: Ein kurzer Blick auf die Identitätskarten oder das Familienbüchlein würde genügen, um zu belegen, dass es sich um eine echte Wohngemeinschaft handelt. Aber das wäre wohl zu „aufwendig“.
Man entscheidet sich lieber für die administrative Bequemlichkeit und gegen die Familienfreundlichkeit. Dass man damit genau jene vor den Kopf stösst, die die Messe seit Generationen tragen, scheint zweitrangig.
Zeit für ein Umdenken
Die BEA schmückt sich gerne mit dem Image des gemütlichen Volksfestes für alle. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, muss seine Tarifstruktur der Realität anpassen. Ein Familienticket sollte für alle im gleichen Haushalt lebenden Kinder gelten – egal, ob es zwei, vier oder sechs sind.
Solange die Messeleitung jedoch an der „Drei-Kinder-Grenze“ festhält, bleibt das Familienticket genau das, was es für viele Betroffene heute ist: Ein exklusiver Rabatt für die Kleinfamilien-Norm und eine versteckte Zusatzsteuer für alle, die sich für ein Leben mit mehr Kindern entschieden haben. Die BEA sollte sich fragen, ob sie wirklich die Messe für alle sein will – oder nur für jene, die in ihr Excel-Schema passen.
Messen in der Region sind transparenter
Die Messen in unserem Gebiet Aargau-Solothurn haben die Familien wesentlich besser "im Griff". An der HESO (Herbstmesse Solothurn) gilt üblicherweise Gratiseintritt. An der AMA (Aargauer Messe Aarau) bezahlen Erwachsene 10 Franken und Kinder bis 11 Jahre sind in Begleitung Erwachsener gratis. Studierende und Lernende sowie Jugendliche von 12-15 Jahren bezahlen 8 Franken. Beide Messen erhalten das Prädikat: Grossfamilienfreundlich!
Noch ein Beispiel einer guten Lösung: Der Zoo Zürich. Nach Reklamationen von Grossfamilien wurde das Pricing in dieser Saison angepasst. Nun heisst es: "Familientageskarte (Lebenspartner*innen mit eigenen Kindern & Jugendlichen)". Gratulation. So muss es sein.









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