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Amerika-Frust: Trump sorgt in der Schweiz für China-Boom

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 20 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Regelmässig zieht Präsident Trump über die Schweiz her und macht sich lustig über unsere Bundesrätin Karin Keller-Sutter oder über unsere Wirtschaftskraft. Das ist unterste Schublade. Die Schweizerinnen und Schweizer reagieren aber richtig. Sie lassen ihn links liegen und konzentrieren sich auf den Rest der Welt. Trump spielt im öffentlichen Diskurs in der Schweiz - ausser in den Medien - seit dem WEF keine Rolle mehr. Er ist den Leuten mittlerweile schlicht egal. Schweizerinnen und Schweizer wenden sich lautlos - aber beständig - von amerikanischen Produkten ab. Das ist jetzt auch richtig messbar.


Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer entscheiden sich für Xiaomi- oder Honor-Smartphones. Bild KI generiert Gemini
Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer entscheiden sich für Xiaomi- oder Honor-Smartphones. Bild KI generiert Gemini

Die Schweiz und die USA: Es ist kompliziert. Was früher eine solide Partnerschaft war, bröckelt unter der Last von Handelsstreitigkeiten und politischer Entfremdung. Die meisten Privatpersonen und Unternehmen planen und konkretisieren im Alltag Strategien, die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren. Sprich: Softwarelösungen, Betriebssysteme, Hardware, Fahrzeuge, Maschinen, Smartphones usw. aus den USA werden hinterfragt und Alternativen nicht mehr nur geprüft, sondern beschafft. Darüber redet niemand, es passiert heimlich und still - aber es passiert, im grossen Stil.


Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2025 und Anfang 2026 zeigen: Der Widerstand der Schweizer gegen US-Symbole ist messbar – und die lachenden Dritten kommen vor allem aus China.


Tesla-Absturz und der Aufstieg von MG & BYD


Besonders deutlich zeigt sich die Abkehr bei den Statussymbolen. Tesla, jahrelang unangefochtener Spitzenreiter bei den Elektroautos in der Schweiz, erlebt einen beispiellosen Niedergang. Im Jahr 2025 brachen die Neuzulassungen in der Schweiz zeitweise um über 50 % ein. Branchenexperten machen dafür neben der Konkurrenz vor allem das ramponierte Image von Elon Musk verantwortlich. Mittlerweile werden einem Tesla-Modelle zu Schleuderpreisen nachgeworfen. Damit verliert Tesla die wohl am besten zahlenden Kundinnen und Kunden weltweit, nämlich die Schweizerinnen und Schweizer. Und zwar verliert er sie gleich doppelt: Die Schweizer kaufen kaum mehr Teslas und die, die noch gekauft werden, gehen mit riesigen Preisabschlägen über den Ladentisch. Der Grund: Tesla sind im Wiederverkauf als Occasionen massiv eingebrochen. Nur wer einen Tesla halb gratis bekommt, geht kein Risiko ein, beim Wiederverkauf draufzulegen.


MG verfünffacht Marktanteile in der Schweiz in einem Jahr


Wer heute elektrisch fährt, weicht zunehmend aus: Marken wie MG konnten ihren Marktanteil in der Schweiz innerhalb eines Jahres verfünffachen. Die Botschaft der Konsumenten ist klar: Ein Auto ist heute auch ein politisches Statement – und das "Statement Tesla" wollen immer weniger Schweizer setzen. Aber auch Ford hat seine Modelle in Europa massiv ausgedünnt und versucht, hier US-Cars wie Mustang oder Bronco zu verkaufen - mit null Erfolg. Ford gibt es in Europa nur noch wegen dem Lieferwagenmarkt.


Der Hardware-Wechsel: Lenovo und Xiaomi rücken vor


Auch im Büro und Wohnzimmer findet eine stille Erosion statt. Während US-Giganten wie HP und Dell im Business-Bereich noch dominieren, verlieren sie bei Privatkunden und KMU massiv an Boden. Aber nicht nur dort. Auch die öffentliche Verwaltung in der Schweiz oder etwa Grossunternehmen wie die SBB sind auf Lenovo Computer umgestiegen. Immer mehr Kantone und Städte machen das ebenso.


PC-Markt: Der chinesische Riese Lenovo hat den Vorsprung von HP in der Schweiz massiv zusammengeschmolzen. Wurden Ende 2023 noch 33'000 mehr HP-Rechner als Lenovo-Geräte verkauft, schrumpfte dieser Abstand bis Ende 2025 auf fast die Hälfte.


Smartphone-Markt: Apple bleibt mit dem iPhone zwar die "Trutzburg" (fast 50 % Marktanteil), doch darunter tobt der Kampf. Und Apple hat gemerkt, dass die Menschen in der Schweiz doch nicht bereit sind, jeden Preis für ein neues iPhone zu bezahlen.

Xiaomi hat sich als feste dritte Kraft etabliert, während Marken wie Honor (ehemals Huawei) zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Der Wechsel erfolgt hier oft aus purem Pragmatismus: Wenn die politische Sympathie für die USA sinkt, schwindet auch die Bereitschaft, den "US-Marken-Aufschlag" für Apple oder Dell zu zahlen. Und überhaupt: Warum für ein iPhone Unsummen bezahlen, wenn man die bessere technische Leistung zum halben Preis haben kann? Nur wegen dem Logo auf dem Gerät? So schwache Persönlichkeiten sind die Schweizerinnen und Schweizer nicht.


TV-Geräte: Die meistverkauften TV-Geräte in Schweizer Wohnzimmern sind heute Samsung, LG, Sony, Philips, Panasonic und Hisense. Darunter ist keine einzige amerikanische Marke mehr. Was wir heute bei den Fernsehern sehen, ist das Schicksal, das vielen US-Branchen noch bevorsteht: Die komplette Hardware-Dominanz ist von den USA über Südkorea (Samsung/LG) bereits zu den chinesischen Giganten TCL und Hisense gewandert. Und die Zollpolitik von Trump sowie die ständigen Beleidigungen von Europa und der Schweiz sorgen dafür, dass sich dies auch nicht so schnell ändern wird. Während Schweizer Konsumenten bei Autos noch über den Wechsel von Tesla zu BYD nachdenken, haben sie sich im Wohnzimmer längst für asiatische Technik entschieden.


Smartwatches

Der Schweizer Markt an Smartwatches wird noch von Apple und Garmin dominiert. Noch. Im Jahr 2025 ist aufgefallen, dass noch nie so viele Xiaomi Watches und Samsung Smartwatches verkauft wurden. Die Prognose: 2026 werden die Amerikaner auch hier Kunden und Marktanteile an die Chinesen verlieren.


Starbucks und das Drama um Thermoplan

In der Gastronomie ist das Filialsterben bei Starbucks das sichtbarste Zeichen der Krise. Standorte in Zürich (Stauffacher) und Basel (Schifflände) sind bereits Geschichte. Doch der Widerstand hat auch eine lokale Note: Die Solidarität mit Schweizer KMU. Der Kaffeemaschinenhersteller Thermoplan aus Weggis, der Starbucks weltweit beliefert, verlor durch US-Strafzölle von bis zu 39 % wöchentlich rund 200'000 Franken. Für viele Schweizer war dies der Auslöser, die US-Kette gezielt zu meiden und stattdessen lokale Röstereien zu unterstützen.


Der Temu-Wahnsinn: Eine Milliarde für China

Die US-Plattform Amazon verliert in der Schweiz Umsatz. Im Jahr 2024 waren es noch rund 1,1 Mrd. Franken, 2025 geschätzt nur noch 910 Mio. Franken. Während US-Plattformen wie Amazon in der Schweiz kaum Fuss fassen, weil sie nicht konsequent in die Schweiz liefern und "Trump-nahe" sind, überrollen chinesische Billig-Giganten den Markt. Temu und Shein haben dem Schweizer Detailhandel allein im Jahr 2024 geschätzte 560 Millionen Franken Umsatz im Bereich Mode entzogen. Im Jahr 2025 knackte Temu in der Schweiz die Umsatzmarke von fast einer Milliarde Franken. Über 50 % der Schweizer haben bereits dort bestellt. Und 2026 wird Temu den US-Giganten Amazon umsatzmässig massiv übertrumpfen. Hier regiert nicht nur Ideologie, sondern knallharter Preisdruck: In Zeiten von Inflation und US-Zöllen wählen Schweizerinnen und Schweizer den direkten Weg zur "Fabrik der Welt" (China). Warum bei Amazon viel bezahlen, wenn man das Produkt direkt vom Hersteller in China um ein vielfaches günstiger bestellen kann?


Fazit: Eine neue Ära des Konsums


Ob beim Autokauf, dem Notebook oder der Ferienplanung (USA-Reisen sanken 2025 um 10-20 %): Die Schweizer wählen zunehmend mit dem Portemonnaie gegen den "American Way of Life". Die USA haben ihren Status als unantastbare Trend-Nation verloren. Der Schweizer Warenkorb 2026 ist eine Mischung aus lokaler Solidarität und fernöstlichem Pragmatismus. Und das Schöne ist, den Schweizerinnen und Schweizern bleibt letztlich mehr Geld im Sack, als wenn sie es für unnötig teure US-Marken verschleudern würden.


Jeder Rappen zählt


Wer behauptet, rückläufige Zahlen bei US-Unternehmen im Schweizer Geschäft würden Trump nicht interessieren, täuscht sich. Es nervt ihn. Kein Unternehmer hat Freude daran, wenn bisherige Kundinnen und Kunden die Produkte bei der Konkurrenz kaufen. Denn das stärkt die asiatische und europäische Konkurrenz und schwächt die US-Unternehmen. Für jeden Computer, den beispielsweise HP in der Schweiz nicht mehr verkaufen kann, muss HP zwei neue Kunden finden, um zu wachsen. Einen zum Ausgleich des Verlusts und einen um zu wachsen. Kurz: Bis zum Ende der Amtszeit von Trump gilt für die meisten Schweizerinnen und Schweizer, es durchaus mal mit einer europäischen oder chinesischen Alternative zu versuchen.


Schweizerinnen und Schweizer sind bekannt dafür, dass sie viel Geld in ihre Ferien investieren. Wenn dieses Geld statt in die USA in den nächsten Jahren nach Kanada, Australien oder Japan fliesst, dient das uns allen. Schliesslich sind das alles befreundete Nationen, die vernünftig mit der Schweiz Handel treiben und uns auch gesellschaftlich nahestehen.

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