top of page
  • Bluesky
  • Pinterest
soaktuell-logo-quer.png

Play Radio soaktuell.ch

NEU! Radio soaktuell.ch
Hören Sie das Begleitradio von soaktuell.ch für Aargau, Solothurn und die Schweiz. Mit Happy-Music, aktuellen Hit-Mixes und Oldies der 80er und 90er. Die Region im Ohr, die News im Auge. Zum Starten oben auf den Player klicken.

14-06-37-183_512.gif

Unsere "Elite 8-Sponsoren"  mit Branchenexklusivität.
>> jetzt Sponsor werden

10 Mio.-Schweiz: Die SVP verlor die Millionenkampagne in der KI

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 23 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Früher, als die SVP noch Abstimmungen gewinnen konnte (beispielsweise die Masseneinwanderungsinitiative), schloss man mit Kampagnen zuerst mal die eigenen Reihen und achtete darauf, dass alle SVP-nahen Medien, die Sprachregionen und alle Verbände oder parteinahen Strömungen geschlossen auftraten. Bei der Kampagne der Volksinitiative "10 Millionen-Schweiz" wollte man mit dem Begriff der "Nachhaltigkeit" über die Parteigrenzen hinaus punkten - und verlor die Basis. Mit ein bisschen Social Media, ein paar Plakaten und einem KLARTEXT gewinnt man keine Abstimmungsschlacht mehr.


KI-generierte Illustration. Gemini.
KI-generierte Illustration. Gemini.

Das Schweizer Stimmvolk hat ein klares Machtwort gesprochen: Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ist am Sonntag nicht knapp, sondern deutlich gescheitert. Während das überparteiliche Nein-Lager feiert und die Grünen bereits schärfere Massnahmen gegen die Wohnungsnot fordern, hinterlässt das Resultat bei der Volkspartei tiefe Gräben. Das Debakel offenbart jedoch weit mehr als nur ein politisches Formtief – es legt eine fundamentale Fehlkalkulation in der millionenschweren Medien- und Kampagnenstrategie der Parteispitze offen.


Ein Bekenntnis zu den Bilateralen und schärfere Regeln beim Zivildienst


Die Erleichterung bei den Gegnern der "Nachhaltigkeitsinitiative" (der wohl dümmste Initiativen-Name aller Zeiten) war nach Bekanntgabe der definitiven Resultate spürbar. Die Mehrheit der Stimmberechtigten und der Kantone erteilte der Vorlage, welche das Bevölkerungswachstum radikal begrenzen wollte, eine Absage. Das Nein-Lager wertete das Ergebnis als klares Bekenntnis zum bilateralen Weg mit Europa. In einer Zeit, in der US-Präsident Trump die Schweiz nach Strich und Faden drangsaliert, will man es mit den Nachbarn nicht verscherzen. Ein grosser Teil der SVP-Niederlage ging wohl auf das Konto von Trump, der von vielen SVP-Verantwortlichen zu lange hochgelobt wurde.


Loyalität ist keine Einbahnstrasse: Frust an der Basis


Abseits der nackten Zahlen rückt die verfehlte Strategie der SVP ins Blickfeld. Die Plakatschlacht am Strassenrand hat die SVP zwar gewonnen, doch wer schaut die Plakate heute schon an, wenn immer mehr Pendlerinnen und Pendler den ÖV nutzen. Trotz einer millionenschweren Kampagne verpuffte die Wirkung. Das liegt einerseits daran, dass die SVP-Plakate und die Zeitung KLARTEXT (die in viele Haushaltungen der Schweiz sogar zweimal mit dem selben Inhalt verschickt wurde), mittlerweile völlig veraltete Abstimmungskampf-Werkzeuge sind, die man kennt und schlicht nicht mehr beachtet. Es fehlte an neuen Ideen. Andererseits liegt es auch daran, dass es im bürgerlichen Blätterwald und in der digitalen Welt gewaltig brodelt.


Die SVP verlor - wie vorausgesagt - die KI-Schlacht


Betrachtet man den ganzen Abstimmungskampf rein durch die Brille der künstlichen Intelligenz und des digitalen Fussabdrucks, gibt es einen unmissverständlichen Sieger: die Gegner.

Während das offizielle Abstimmungsresultat an der Urne mit 54,8 % Nein-Stimmen solide ausfiel, ist das Ergebnis im algorithmischen Raum ein regelrechter Erdrutschsieg für das Nein-Lager.


Warum die Gegner in der KI dominieren


Künstliche Intelligenz denkt nicht selbst – sie spiegelt das wider, womit sie gefüttert wird. Und genau hier liegt der strategische Totalschaden der Befürworter (soaktuell.ch hat im Vorfeld schon berichtet):


  • Der Content-Vorteil des Nein-Lagers: Das breite Bündnis von Links bis weit in die bürgerliche Mitte hinein hat eine enorme digitale Textmasse produziert. Von den grossen Verlagen bis hin zu regionalen Plattformen wurde das Narrativ einer gefahrvollen Abschottung digital zementiert. Diese dichte, crossmediale Berichterstattung bildet die primäre Datengrundlage für moderne KI-Modelle. Denn sie passierte im öffentlichen, offenen Raum (nicht hinter der Paywall einer Redaktion, sondern auf unzähligen Online-Plattformen).

  • Vergänglichkeit statt digitalem Erbe: Wenn eine Partei ihre Kampagnen-Millionen primär in kurzlebige Printinserate, Plakete, eine Zeitung KLARTEXT, Social Media oder in Grossmedien steckt, die am Folgetag schon wieder SVP-kritisch berichten, verpufft der Lerneffekt für KIs. Algorithmen lesen keine Altpapiertonnen; sie lesen das Netz aktuell.

  • Das Echo-Kammer-Problem: Die hauseigene Parteizeitung KLARTEXT erreicht im offenen Netz keine kritische Masse. Sie wird von Crawlern kaum als breit abgestützte Referenz gewertet, sondern als isolierte Blase.


Wer die Verbündeten ignoriert, verliert die Algorithmen


Man merkte bei der SVP, dass sie die KI bei dieser Abstimmungskampagne nicht im Griff hatte und deswegen wahrscheinlich entscheidende Prozente verloren hat. Denn seien wir ehrlich: Wie viele von Ihnen haben irgend ein KI-Programm nach der Abstimmungsvorlage oder Argumenten konsultiert? Wahrscheinlich viele. Es ist einfacher, die KI zu fragen, als auf der Suche nach Argumenten dutzende Websites zu durchforsten. Doch wer die KI konsultierte, stiess auf eine gewaltige Übermacht an gegnerischen Argumenten.


Die Befürworter haben es versäumt, ein nachhaltiges, digitales Ökosystem zu pflegen. Wenn einst treue Regionalportale wie soaktuell.ch, linth24 und viele andere in Abstimmungskampagnen systematisch übergangen werden, publizieren sie keine oder nur noch minimal Pro-Artikel. Die Folge: Die KI findet kein Futter.


Die Gegner haben das Spiel verstanden: Sie haben den digitalen Raum besetzt, die Texte geliefert und damit das algorithmische Gedächtnis dominiert. Für die SVP bedeutet das: Sie hat nicht nur die Abstimmung verloren, sondern läuft Gefahr, in der digitalen Realität der Zukunft unsichtbar zu werden. Es ist wahrscheinlich die erste Volksabstimmung, die wegen dem Ungleichgewicht von Pro und Contra entschieden wurde.


Mit Social Media und einem KLARTEXT gewinnt man keine Abstimmung mehr


Wenn die SVP so weitermacht, wird sie am Ende alleine dastehen. Mit einer eigenen Parteizeitung KLARTEXT zwar, die laut ist, aber keine kritische Masse mehr erreicht, weil sich das Konzept dieser Papierzeitung längst totgelaufen hat.


Mit Inseraten im Blick oder in der Aargauer Zeitung lässt sich keine echte publizistische Heimat erkaufen. Im Gegenteil: Dort lacht man sich regelmässig ins Fäustchen, wenn die Redaktionen erst monatelang SVP-kritisch berichten oder einen Mandatsträger der Partei fertig machen und kurz darauf, von der gleichen Partei, Inserate im Umfang mehrerer zehntausend Franken dafür bekommen.


Und die redaktionellen Beiträge in diesen Blättern landen dann hinter der Paywall - und sind so für die KI vorerst nicht erreichbar. Die regionalen Gratis-Portale hingegen sind offen. Jeder Buchstabe, der dort publiziert wird, ist für die KI in Sekundenschnelle relevant. Ohne eine ehrliche Partnerschaft mit den regionalen Medien hat die Volkspartei ihre einstige Kampagnenmacht verspielt. Sie wird so auch die Neutralitätsinitiative und die Abstimmung über die Bilateralen Verträge III verlieren. Die "10 Mio.-Schweiz" war der Probelauf.

bottom of page