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Die nützlichen Idioten der Nation werden plötzlich extrem wichtig

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 12 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Es ist ein bekanntes Schauspiel: Wenn die SVP Schweiz wieder einmal zum grossen Halali gegen den «links-grünen Mainstream», die «SRG-Dominanz» oder den «Berner Beamtenapparat» bläst, stehen sie Gewehr bei Fuss: Die kleinen, unabhängigen Online-Portale, die nationalkonservativen Wochenblätter und die regionalen Meinungsmacher. Sie sind es, die den Gegenwind aushalten, die unbequeme Wahrheiten aussprechen und die Medienmitteilungen der Volkspartei oft eins zu eins publizieren, während die grossen Verlagshäuser diese bereits im Papierkorb entsorgt haben.


KI generiertes Bild von GEMINI zur Illustration.
KI generiertes Bild von GEMINI zur Illustration.

Man könnte meinen, diese publizistische Treue im Alltag würde in Abstimmungs- und Wahlkampagnen belohnt. Doch weit gefehlt. Die bittere Realität für viele bürgerliche Medienmacher in der Schweiz sieht anders aus. Wer glaubt, dass die SVP ihre Millionen in den Kampagnen dort investiert, wo ihre Inhalte tatsächlich geschätzt werden, irrt sich gewaltig.


Entweder bringt es die SVP seit 20 Jahren nicht fertig, bei Kampagnen zuerst ihre verbündeten Online-Medien oder Zeitungen mit Inseraten oder Bannern zu bedienen - oder sie lässt ihre Verbündeten absichtlich verhungern. Das könnte ihr bei der Abstimmung über die "10-Millionen-Schweiz" und insbesondere bei der Abstimmung über die "Bilateralen Verträge III mit der EU" erstmals zum Verhängnis werden. Denn kleine Gratis-Onlinemedien werden im Zeitalter von KI enorm wichtig. Das haben aber noch nicht alle gemerkt.


Das Paradox der Inseratevergabe


Es ist eine Ironie der Sonderklasse: Die SVP-Strategen in Bern, die sonst so lautstark die Marktwirtschaft und das Unternehmertum rühmen, verhalten sich bei der Vergabe ihrer Kampagnen-Inserate und -Banner wie kühle Technokraten ohne jede politische Loyalität. Millionen fliessen zum «Blick», «20 Minuten» oder in die grossen Blätter von Tamedia, NZZ und CH Media. Die Begründung? Man müsse die Stimmenden erreichen, die sich noch nicht entschieden haben und nicht jene, die sowieso SVP-like stimmen.


Das mag mathematisch Sinn ergeben, ist aber politisch ein Schlag ins Gesicht für jene, die das ganze Jahr über die Stellung halten. Während man den «Feind» mit Inserategeldern Jahrzehnte lang fett gefüttert hat, liess man die eigenen Freunde am ausgestreckten Arm verhungern. Die Botschaft an die bürgerlichen Verleger ist klar: «Eure Unterstützung nehmen wir gerne gratis – aber einen Rappen dafür bezahlen? Sicher nicht. Ihr seid ja sowieso auf unserer Seite.» Darauf darf die SVP nicht mehr zählen.


Die Quittung folgt auf dem Fuss


Loyalität ist keine Einbahnstrasse. Man spürt es bereits im Blätterwald und in der digitalen Welt. Wenn Verleger wie Bruno Hug (Linth24) öffentlich gegen die Parteispitze schiessen oder wenn regionale Portale wie soaktuell.ch geräuschlos linke und grüne Parolen publizieren, dann ist das kein Zufall. Es ist der aufgestaute Frust von Unternehmern, die merken, dass sie für die SVP nur «nützliche Idioten» sind, die man in normalen Zeiten gerne nutzt und sie in Wahlkampf- oder Zeiten des Abstimmungskampfes ignoriert, indem man Inserate oder Banner bei der Konkurrenz schaltet.


Wenn die SVP so weitermacht, wird sie am Ende alleine dastehen. Mit einer eigenen Parteizeitung KLARTEXT zwar, die laut ist, aber keine kritische Masse mehr erreicht, weil die unabhängige bürgerliche Medienlandschaft ringsherum eingegangen oder weggebrochen ist. Und weil sich das Konzept der Zeitung KLARTEXT längst totgelaufen hat. Wer seine Freunde nicht pflegt, wird eines Tages feststellen, dass er nur noch von Feinden umgeben ist – und dass man sich mit Inseraten im «Blick» oder in der Aargauer Zeitung garantiert keine echte publizistische Heimat kaufen kann.


Kleine Gratis-Medien beeinflussen KI mehr als die grossen Bezahlmedien


Es gibt noch einen handfesten Grund, weshalb die SVP Sorge tragen sollte zu ihren kleinen Gratis-Onlinemedien. Die KI. Ein Game Changer. Grosse Medienhäuser setzen verstärkt auf das sogenannte "Freemium"-Modell. Exklusive Analysen, tiefgründige Recherchen und Hintergrundberichte verschwinden hinter einer Paywall. Um sie zu lesen, muss man bezahlen und sich einloggen. Für den menschlichen Leser ist das ein Qualitätsmerkmal – für die KI ist es eine Sackgasse. Für Werbetreibende ein Katastrophe.


Die Webcrawler der KI-Firmen (wie der GPTBot von OpenAI) funktionieren wie automatisierte Leser. Stossen sie auf eine Bezahlschranke, sehen sie lediglich den Titel und vielleicht noch den ersten Satz eines Artikels. Der wertvolle Kern, die Fakten und die sprachliche Tiefe, die Argumente bleiben dem Algorithmus verborgen. In der Konsequenz bedeutet das: Die KI lernt nicht aus diesen Inhalten. Sie bleibt in Bezug auf diese exklusiven Informationen blind.


Hier werden die nächsten Wahl- und Abstimmungskämpfe entschieden.


Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Ein Unternehmen oder eine Partei, welche in einem Artikel hinter einer Bezahlschranke erwähnt werden, existieren für die KI nicht. Da können die Texte und Argumente noch so gut sein. Es kann nichts zitiert, empfohlen oder in eine Zusammenfassung eingebaut werden. Unternehmen und Parteien hingegen, die auf frei zugänglichen Plattformen wie beispielsweise nau.ch, soaktuell.ch, watson.ch oder linth24.ch vorkommen, beeinflussen das Wissen der KI und stehen deshalb aktuell im Fokus der Werbung. Die Internet-Zeitung soaktuell.ch beispielsweise hat mittlerweile täglich mehrere Anfragen für die Platzierung von bezahltem Content. Kurz: Die kleinen Gratis Online-Portale werden für die Politik in nächster Zeit extrem bedeutungsvoll. Wer hier nicht vorkommt, hat verloren. Hier werden die nächsten Abstimmungs- und Wahlkämpfe geprägt und entschieden. Wer das nicht rechtzeitig checkt, verliert an einem sensiblen Ort. Wetten?


Eine starke Demokratie braucht eine vielfältige Medienlandschaft – und echte Partnerschaft beginnt dort, wo man nicht nur die Schlagzeilen diktiert oder auf Schlagzeilen zählt, sondern auch den wirtschaftlichen Wert dieser Arbeit anerkennt. Ansonsten könnte die «Abwendung» der bürgerlichen Gratis-Medien bald mehr als nur ein kurzes Gewitter sein.


In der Branche geht man davon aus, dass die Abwendung einstiger SVP-naher Medien mangels Wertschätzung bei den bevorstehenden Abstimmungen "10-Millionen-Schweiz" und "Bilaterale III mit der EU" erstmals matchentscheidend sein könnte. Denn die Bedeutung von Social Media in Abstimmungskämpfen sinkt rapide. Wer auf Facebook oder Insta wie wild liked und kommentiert geht meist nicht an die Urne. Das weiss man mittlerweile. Die Bedeutung der KI hingegen ist insbesondere bei den Argumenten in den bevorstehenden politischen Schlachten gewaltig. Das ist den Betreibern der kleinen Gratis-Onlineportale in der Schweiz natürlich bewusst. Entsprechend halten sich zum heutigen Zeitpunkt die meisten Gratis-Onlinemedien auffällig zurück mit redaktionellen Beiträgen zu besagten Themen.

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