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WEF Davos: Roter Teppich für Trump wäre eine Kapitulation

  • Autorenbild: Raphael Keller
    Raphael Keller
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Nachricht hat im Vorfeld des World Economic Forum (WEF) 2026 für Schlagzeilen gesorgt: US-Präsident Donald Trump wird erneut in die Schweizer Alpen reisen. Doch während die Organisatoren in Cologny die Einladungen offiziell aussprechen, stellt sich für viele in der Schweiz die Frage, ob dieser Besuch zum jetzigen Zeitpunkt mehr schadet als nützt. Das WEF hüllt sich in Schweigen, was beweist, dass Trump wohl kommen wird.


Gastkommentar von Raphael Keller


Das schöne Davos muss wegen dem WEF einen Gast beherbergen, den in der Schweiz kaum jemand sehen möchte. Bild: Nici Keil / pixabay.com
Das schöne Davos muss wegen dem WEF einen Gast beherbergen, den in der Schweiz kaum jemand sehen möchte. Bild: Nici Keil / pixabay.com

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass der Bundesrat darüber entscheidet, wer am WEF teilnimmt. Die Verantwortung liegt allein bei der WEF-Stiftung. Doch die Konsequenzen – seien es die massiven Sicherheitskosten oder die diplomatischen Verwerfungen – trägt dann die Schweiz. Und genau hier liegt das Problem bei Donald Trump.


Ein Gast, der die Agenda diktiert


Donald Trump wird nicht als Teilnehmer kommen, er kommt als Dominator. Berichte, wonach er sein Erscheinen an Bedingungen geknüpft hat – etwa das Streichen von „Woke“-Themen wie Klimaschutz oder Diversität von der offiziellen Agenda –, untergraben den Geist des Forums. Das WEF versteht sich als Plattform für den Dialog. Wenn jedoch ein einzelner Gast bestimmt, worüber die Weltelite diskutieren darf und worüber nicht, verkommt das Forum zur Ein-Mann-Show.


Das WEF würde ungemein an Profil gewinnen, den US-Präsidenten bis auf weiteres nicht mehr einzuladen. Und wenn, dann wenigstens so viel Rückgrat zu haben, die Themen zu setzen, ob sie Trump passen oder nicht. In der Schweiz ist er ohnehin nicht willkommen. Und auch mit Europa gibt es derzeit keinen Gesprächsbedarf.


Die Art und Weise, wie er mit den Kleinen umgeht, hat den Eidgenossen total abgelöscht. Die Schweiz war seit Jahrzehnten eine der USA-freundlichsten Nationen Europas. Trump hatte in diesem Land viele Fans und Bewunderer, die sogar Trump Merchandising-Artikel wie Chäppis oder Socken gekauft und getragen haben.


Sie wurden bitter enttäuscht mit den höchsten Zöllen aller Industrienationen und einer Blossstellung der Regierung, die seinesgleichen sucht. Eine Respektlosigkeit gegenüber allen Kleinen auf dieser Welt. Auf dem Weg zu einem endgültigen Zollabkommen wird er der Schweiz ohnehin noch sehr viele Steine in den Weg legen. Das wissen wir alle. Mit oder ohne Arschkriecherei am WEF.


Der „Zollhammer“ und die Neutralität


Der rote Teppich in Davos wirkt fast wie eine Kapitulation. Während Bundespräsident Guy Parmelin versuchen mag, im direkten Gespräch Schlimmeres zu verhindern, bleibt ein fader Beigeschmack: Warum gewähren wir jemandem diese Bühne, der multilateralen Institutionen und Freihandelsabkommen den Kampf angesagt hat? Jemandem, der die jahrelange Freundschaft und Partnerschaft zwischen der Schweiz und den USA inner weniger Monaten völlig zerstört hat. Jemandem, der über unsere Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter gesagt hat, sie höre nicht zu.


Sicherheit auf Kosten der Steuerzahler


Ein Besuch Trumps ist ein logistischer Albtraum. Die Sicherheitskosten explodieren, die Terrorwarnstufen steigen, und Davos gleicht mehr einer Festung als einem Ort der Begegnung. Dass eine Davoser Kirche zum „US-Hauptquartier“ umfunktioniert wird, symbolisiert die schleichende Landnahme durch die US-Delegation. Die Schweizer Steuerzahler beteiligen sich mit Millionen an diesem Schutzdispositiv für einen Gast, der auf diesem Staatsgebiet eigentlich nichts mehr zu suchen hat.


Fazit


Sein Verständnis von Politik steht dem Grundgedanken des WEF – „Commitment to improving the state of the world“ – diametral entgegen. Die Schweiz sollte nicht die Kulisse für eine Wahlkampfshow bieten, die unsere eigenen Interessen und Werte untergräbt. Das WEF mag ihn eingeladen haben, doch die Schweiz sollte deutlich machen, dass Gastfreundschaft dort endet, wo sie zur Selbstaufgabe wird.


Sollte das WEF 2026 tatsächlich an Donald Trump festhalten, sollten die Schweizer Medien demonstrativ sämtliche Berichterstattung über seinen Besuch ausblenden. Motto: Trump kann am WEF teilnehmen, aber ohne uns Schweizerinnen und Schweizer.

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