Ski-Boom im Simmental: Warum plötzlich alle nach Zweisimmen und Saanenmöser stürmen
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 1 Tag
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Es ist das Phänomen der aktuellen Wintersaison: Während mancherorts über Schneemangel geklagt wird, platzen die Pisten zwischen Zweisimmen, Saanenmöser und Schönried aus allen Nähten. Doch was steckt hinter dem plötzlichen Ansturm? Ist es eine neue Liebe der Schweizer zum Skisport oder Kalkül? Wir haben die Gründe für den „Run“ auf das Berner Oberland analysiert.

Wer am vergangenen Wochenende versuchte, in Zweisimmen einen Parkplatz in der Nähe der Talstation zu ergattern, brauchte vor allem eines: Geduld. Die Autokennzeichen verraten es – neben den Einheimischen strömen massenhaft Wintersportler aus dem Kanton Solothurn, dem Aargau und der Region Bern ins Obersimmental. Das Skigebiet, das Zweisimmen mit Saanenmöser und Schönried verbindet, hat sich zum absoluten Hotspot entwickelt.
Natürlich, am vergangenen Wochenende kam alles zusammen: Ferienbeginn in vielen Kantonen, schönes Wetter und massenhaft Tagestouristen. Und das Skigebiet zwischen Gstaad und Zweisimmen hatte diesen Winter ausserordentliches Schnee-Glück. Bereits seit November bekam das Berner Oberland bei fast allen Schneefällen am meisten ab. Letztmals Neuschnee gab es vor wenigen Tagen, am 30. Januar 2026.
Die „Sorglos-Garantie“ im Schneeloch
Einer der Hauptgründe ist die topografische Lage. In einem Winter, in dem die Nullgradgrenze oft Pingpong spielt, fungiert das Gebiet um den Rinderberg und das Saanersloch als „Sorglos-Paket“. Dank massiver Investitionen in modernste Beschneiungsanlagen können die Bergbahnen Gstaad fast immer eine griffige Unterlage garantieren. Während tiefergelegene Gebiete oft nur einen weissen Streifen im grünen Hang bieten, präsentiert sich das „Gstaad Mountain Rides“-Areal als geschlossenes Wintersport-Eldorado.
Der „Magic Pass“-Effekt
Ein entscheidender Faktor für die hohe Frequenz ist das Abonnement-Modell. Der Magic Pass hat das Konsumverhalten der Schweizer nachhaltig verändert. Früher war der Skiausflug eine sorgfältig geplante, teure Angelegenheit. Heute zücken Tausende ihren Pass, sobald die Wetter-App Sonne verspricht. „Man geht auch mal nur für zwei Stunden auf die Piste, weil es ja nichts extra kostet“, erklärt ein Skifahrer aus Olten am Sessellift Horneggli. Zweisimmen ist das Tor zu diesem Verbund im östlichen Berner Oberland und damit erste Anlaufstelle für Tagesgäste.
High-Speed auf den Berg, Stau auf der Piste
Ironischerweise trägt die moderne Technik zur gefühlten Überfüllung bei. Die neue Saanerslochbahn und die schnellen Sesselbahnen haben eine enorme Förderkapazität. Sie schaufeln die Gäste in Rekordzeit auf die Gipfel. Die Folge: Die Lifte haben kaum noch Wartezeiten, doch oben angekommen verteilen sich die Menschenmassen auf die gleichen Pistenkilometer wie vor zwanzig Jahren.
Homeoffice und Social Media
Auch der gesellschaftliche Wandel spielt mit. Die Flexibilität durch Homeoffice ermöglicht es vielen, den „schönsten Tag der Woche“ spontan am Berg zu verbringen. Zudem hat das angrenzende Gstaad durch geschicktes Marketing auf TikTok und Instagram eine jüngere Zielgruppe erschlossen. Die ästhetischen Bilder der Chalet-Dörfer und perfekt präparierten Hänge locken ein internationales Publikum an, das die Region früher eher als „Senioren-Paradies“ wahrgenommen hat.
Die Wetterprognose für die laufende Woche verspricht jedenfalls weiterhin Kaiserwetter. Der Ansturm dürfte also vorerst anhalten. Und wie sich der Magic-Pass effektiv in Zahlen auswirkt, dürfte erst nach Saisonabschluss bekannt werden. Wir sind gespannt.
