Schweizer Gründungsdynamik zieht an - trotz oder gerade wegen Trump?
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 2 Stunden
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Trotz Krieg im Nahen Osten, steigender Energiepreise, US-Zollkonflikten und gedämpfter Konjunktur hat die Schweizer Gründungslandschaft im ersten Halbjahr 2026 deutlich zugelegt. Insgesamt wurden rund 28'781 neue Unternehmen im Handelsregister eingetragen – ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Grösster Gewinner ist das Tessin mit einem Zuwachs von über 15 Prozent. Dies zeigen die aktuellen Auswertungen der Online-Plattform Startups.ch auf Basis der Handelsregistereinträge (SHAB).
Startups.ch / PPS

Nachdem die Neugründungen im Vorjahr mit einem minimalen Plus von 0,8 Prozent praktisch stagnierten, hat sich die Dynamik im ersten Halbjahr 2026 deutlich belebt. Insgesamt verzeichnet die Schweiz rund 28'781 Neueintragungen, gegenüber 27’811 im Vergleichszeitraum 2025 – ein Zuwachs von 3,5 Prozent. Dieses Wachstum ist umso bemerkenswerter, als sich das konjunkturelle Umfeld seit Jahresbeginn spürbar eingetrübt hat.
Die überraschendste Entwicklung zeigt der Kanton Tessin, der mit einem Plus von 15 Prozent (1'343 gegenüber 1'167 im Vorjahr) die stärkste Wachstumsrate aller Regionen verzeichnet. Auch die übrigen Regionen entwickelten sich mehrheitlich positiv. Die Nordwestschweiz legte mit 6'375 Neueintragungen um 4,3 Prozent zu, getrieben durch Aargau (+7,0%), Basel-Landschaft (+7,0%) und Bern (+4,9%). Die Ostschweiz wuchs um 3,6 Prozent, wobei St. Gallen mit +11,6 Prozent besonders herausstach. Die Romandie legte moderat um 1,5 Prozent zu, Zürich um 2,4 Prozent. Gegenwind gab es in einzelnen Kantonen: Thurgau (–10,9%) und Basel-Stadt (–7,9%) verzeichneten spürbare Rückgänge.
Das Wachstum steht in Kontrast zum eingetrübten Umfeld: Der Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise, der Bund rechnet für 2026 mit einem unterdurchschnittlichen BIP-Wachstum von 0,8 bis 1,0 Prozent, und die US-Zusatzzölle von 10 Prozent auf Schweizer Exporte belasten die Planungssicherheit. Dass die Gründungsdynamik dennoch anzieht, dürfte an der tiefen Inflation, dem starken Franken und neuen Geschäftsfeldern rund um Künstliche Intelligenz liegen.
Die eigenen Daten von Startups.ch zeigen eine bemerkenswerte Verschiebung: Der Sektor Informatik und Softwareentwicklung hat mit 12,3 Prozent erstmals den bisherigen Spitzenreiter Konsumgüter und Handel (9,7 Prozent) überholt. Dahinter folgen Immobilien und Architektur (8,1%), Bauwesen (7,2%) und Gastronomie (6,9%). Die Verschiebung widerspiegelt den KI-Boom: Immer mehr Schweizer KMU suchen professionelle Unterstützung bei der Integration von
KI-Technologien, während einfache Dienstleistungen zunehmend automatisiert werden.
Die strukturellen Treiber der Gründungsdynamik bleiben intakt: Die Schweiz bietet nach wie vor ein verlässliches, innovationsfreundliches Umfeld – und der KI-Boom dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte für zusätzliche Impulse sorgen.









