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Preiskampf im Detailhandel: Ist die Migros-Offensive gescheitert?

Der Schweizer Detailhandel kommt nicht zur Ruhe. Während der Migros-Chef vor rund anderthalb Jahren verkündete, mit einer Tiefpreisoffensive bei über 1000 Alltagsprodukten den Gang zum Discounter überflüssig zu machen, zieht Aldi Suisse im Sommer 2026 die Daumenschrauben nochmals drastisch an. Mit über 700 Preissenkungen allein seit Jahresbeginn stellt sich die Frage: Ist die Strategie des orangen Riesen gescheitert?


Kann die Migros im Preiskampf mit Aldi noch mithalten? Bild KI-generiert Gemini.
Kann die Migros im Preiskampf mit Aldi noch mithalten? Bild KI-generiert Gemini.

Geht Denner, seit er unter dem Dach der Migros ist, den "Bach runter"?


Man hat den Eindruck, seit Denner bei Migros ist, geht Denner den "Bach runter". Kaderleute laufen davon. Hinter vorgehaltener Hand heisst es, Migros nehme zu viel Einfluss. Das einzige, was Denner retten könnte, wäre die Selbständigkeit. Unter dem Dach der Migros hat Denner keine Zukunft.


Aldis kompromisslose Kampfansage ohne «Chichi»


Aldi Suisse zeigt sich vom medialen Getöse der traditionellen Grossverteiler unbeeindruckt. Pünktlich zur aktuellen Preisrunde untermauert der Discounter seine Marktposition: Mehr als 700 Produkte wurden seit Januar 2026 bei Aldi dauerhaft im Preis gesenkt. Das Geheimnis dahinter ist eine radikale Effizienzdiät. Aldi spart gezielt bei dem, was das Unternehmen als «unnötiges Chichi» bezeichnet – teure Kundenbindungsprogramme, aufwendiges Marketing, hochpreisige Filialstandorte oder absolute Nischenartikel fallen weg.


Jeder so eingesparte Franken fliesst direkt in das Preisschild im Regal. Da die Schweizer Konsumenten angesichts steigender Lebenskosten stark aufs Budget achten müssen, ist diese kompromisslose Tiefpreisgarantie ein äusserst schlagkräftiges Argument im Kampf um die Gunst der Kundschaft. Kurz: Aldi Suisse hat den Braten gerochen. Migros nicht.


Das Migros-Versprechen unter der Lupe


Rückblick: Ende 2024 läutete die Migros-Supermarkt AG eine neue Ära ein. Die Kampfansage an die Discounter war ein historischer Schritt für den Traditionskonzern. Über 1000 Artikel des täglichen Bedarfs – von Frischgemüse über Fleisch bis hin zu den M-Budget-Klassikern – sollten dauerhaft auf Discount-Niveau gedrückt werden.


Heute, im Jahr 2026, ist dieses Ziel rein numerisch erreicht. In den Filialen leuchten überall gelbe Tiefpreisschilder. Doch die Euphorie der Kundschaft ist verflogen. Unabhängige Warenkorb-Vergleiche zeigen regelmässig ein ernüchterndes Bild: Wer den wöchentlichen Familieneinkauf komplett in der Migros erledigt und nicht akribisch nur die reduzierten Produkte pickt, zahlt unter dem Strich immer noch spürbar mehr als bei Aldi. Migros ist schlicht und einfach teurer als der Discounter und damit das Versprechen des Migros-CEO, man müsse nach den Preissenkungen nicht mehr zum Discounter gehen, schlicht und einfach falsch. Das Versprechen, den Gang zum Discounter obsolet zu machen, hat die Realität nicht überstanden.


Die Sortiments-Säuberung als Notbremse


Dass es im Gebälk des orangen Riesen knirscht, zeigt auch die parallele Rosskur im Sortiment. Die Migros dünnt derzeit ihre legendäre Eigenmarken-Vielfalt massiv aus. Rund 80 der ehemals 150 Eigenmarken verschwinden komplett, rund 1000 Produkte fliegen wegen Doppelspurigkeiten aus den Regalen.


Was offiziell als «Vereinfachung und mehr Übersicht» deklariert wird, ist ein logistisches Eingeständnis: Der administrative Überbau der Migros ist schlicht zu teuer, um im harten Preiskampf mithalten zu können. Das Konzept "Migros" funktioniert offenbar nicht mehr. Während Aldi auf standardisierte Prozesse und ein straffes Sortiment setzt, schleppt die Migros die Altlasten ihrer föderalen Genossenschaftsstrukturen immer noch mit sich herum. Solange bei der Migros noch Regionalfürsten das Sagen haben, kommts mit Sicherheit nicht gut.


Gescheitert oder nur zurechtgestutzt?


Kann man von einem Scheitern der Migros-Strategie sprechen? Ein klares Ja wäre zu kurz gegriffen. Als defensives Schutzschild funktioniert die Offensive durchaus: Sie verhindert wahrscheinlich verlässlich, dass noch mehr Kunden abwandern. Bei direkt vergleichbaren Eckartikeln hält die Migros preislich effektiv schritt. Doch als offensive Strategie, um den Discountern Marktanteile abzujagen, ist das Projekt gescheitert. Ein Schweizer Vollsortimenter mit regionaler Verankerung, Kulturprozent und breitem Serviceangebot kann strukturell gar nicht dieselbe Kostenbasis aufweisen wie ein schlank aufgestellter Discounter. Die Discounter werden immer günstiger sein. Machen Sie den Test. Kaufen Sie Ihren nächsten Wocheneinkauf mal bei Migros ein, und eine Woche später bei Aldi. Wo es günstiger ist, können wir Ihnen jetzt schon sagen.


Für die Konsumenten ist dieses Duell dennoch ein Segen. Der brutale Konkurrenzdruck drückt die Preise auf ein Niveau, das vor wenigen Jahren noch undenkbar schien. Das ist der grösste Erfolg von Lidl und Aldi. Wir Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten müssen Lidl und Aldi dafür ewig dankbar sein. Sie "bomben" die Preise bei Migros und anderen permanent in den Keller. Für die Migros bleibt der Spagat zwischen Tradition und Tiefpreis jedoch ein schmerzhafter Kampf, während Aldi Suisse mit seinem simplen Konzept unbeirrt weiterzieht.

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