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Luxusgut Untergeschoss: Stirbt der Schweizer Keller aus?

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • 24. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Wer in der Region Aargau-Solothurn oder im Mittelland ganz generell, heute den Traum vom Eigenheim realisiert, stösst schnell an finanzielle Schmerzgrenzen. Bei explodierenden Landpreisen und hohen Baukosten stellt sich eine radikale Frage: Brauchen wir den Keller überhaupt noch? Ein Blick auf einen Trend, der aus der Not geboren wurde.


Symbolbild von Scott Blake / unsplash.com
Symbolbild von Scott Blake / unsplash.com

Von der „Waschchuchi“, über den Schutzraum, bis zum Bastelraum – der Keller gehört zur Schweizer Bau-DNA wie das rote Passbüchlein. Doch die Statistik der Baugesuche und die Beobachtungen der Architekten zeigen ein neues Bild: Immer öfter wird direkt auf die Bodenplatte gebaut. Der Grund ist simpel und schmerzhaft: Das Geld reicht schlicht nicht mehr für alles. Teures Land, teures Bauen, hohe Ansprüche - so viel verdient kaum mehr jemand.


120'000 Franken für ein „Loch im Boden“


In der Region Aargau-Solothurn sind die Bodenpreis in Höhen gestiegen, die jungen Familien das Bauen schier verunmöglichen. Wer das Glück hat, Bauland zu erwerben, muss beim Hausbau priorisieren. Ein vollunterkellerter Bau schlägt heute mit 120'000 Franken mehr zu Buche – je nach Geologie und Grundwasserspiegel.


„Wenn die Wahl zwischen einem modernen, energieeffizienten Ausbau im Wohnbereich und einem dunklen Lagerraum im Untergrund steht, entscheiden sich immer mehr Bauherren gegen den Keller“, wissen Branchenkenner. Das gesparte Geld fliesst stattdessen in die Wärmepumpe, die Photovoltaikanlage oder eine hochwertigere Küche.


Geologische Tücken im Mittelland


Gerade in den Kantonen Aargau und Solothurn kommt eine weitere Hürde hinzu: Die Bodenbeschaffenheit. Entlang der Aare sorgt ein hoher Grundwasserspiegel dafür, dass Keller als sogenannte „Weisse Wannen“ (wasserundurchlässige Betonkonstruktionen) ausgeführt werden müssen. Diese aufwendige Abdichtung treibt die Kosten in die Höhe. Wer hier auf die Unterkellerung verzichtet, spart nicht nur Geld, sondern eliminiert auch das Risiko langfristiger Feuchtigkeitsschäden.


Wo bleibt der Stauraum?


Doch der Verzicht hat seinen Preis. Wo landen die Winterreifen, die Skiausrüstung und die Haustechnik? Moderne kellerlose Häuser setzen auf das Reduit-Prinzip. Technikräume werden kompakt im Erdgeschoss integriert, und der Stauraum wandert in den Estrich, in grosszügige Gartenhäuser oder erweiterte Garagen. Alles ist günstiger als ein betonierter Keller.


Kritiker warnen jedoch vor dem Wertverlust. Der Schweizer Immobilienmarkt ist konservativ: Ein Haus ohne Keller gilt beim Wiederverkauf oft als minderwertig. Banken bewerten solche Objekte bei der Hypothekarvergabe mitunter vorsichtiger, da die Nutzfläche fehlt, die gemäss Zonenordnung oft „gratis“ (da nicht anrechenbar an die Ausnützungsziffer) entstanden wäre.


Und wer Dachgeschosse als Bastelräume und Lagerräume nutzt, tut der Wohnungsnot auch keinen Gefallen. Denn solche Räume sollten eigentlich bewohnbar gemacht werden. Doch der Trend geht in die andere Richtung.


Mut zur Lücke oder Sparen am falschen Ort?


Der Trend zum kellerlosen Bauen ist kein architektonisches Statement, sondern ein wirtschaftliches Symptom. In einer Zeit, in der das Einfamilienhaus für den Mittelstand fast unerreichbar wird, ist die Bodenplatte das letzte Mittel, um den Traum vom Eigenheim noch zu retten.


Ob sich dieser Trend durchsetzt, wird die Zukunft zeigen. Klar ist: Der Keller ist vom Standard zum Luxussymbol mutiert. Wer heute baut, gräbt nicht mehr automatisch tief – er rechnet eher ganz genau nach.


Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Wohnbausituation in der Nordwestschweiz. Haben Sie Erfahrungen mit dem Bauen ohne Keller? Schreiben Sie uns unten in den Kommentaren.

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