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Verstaubter Riese: Warum Landi im Schatten von Bauhaus, Hornbach, Jumbo und OBI den Anschluss verliert

Jahrelang galt die Landi auf dem Land als unantastbare Festung. Doch während Mitbewerber wie Jumbo, Hornbach und Bauhaus mit modernen Grossflächen, digitaler Innovation, Qualität und Projekt-Beratung auftrumpfen, gerät das grüne Fenaco-Aushängeschild spürbar unter Druck. In nur 4 Jahren hat Landi 100 Mio. Umsatz pro Jahr verloren und stagniert irgendwo auf dem Level von 1999. Hat die Landi den Wandel vom Gummistiefel-Geschäft zum modernen Bau- und Gartenmarkt verpasst?



Wer in den vergangenen Jahren eine Landi-Filiale betrat, erlebte meist verlässliche Bekanntheit: Mehlsäcke, Rasenmäher, Dauertiefpreise und Säfte im Harass. Das Konzept funktionierte lange Zeit hervorragend. Doch die Zeiten, in denen sich Landi bequem auf ihrer treuen Kundschaft im ländlichen Raum ausruhen konnte, sind vorbei.


Während der Pandemie profitierte der Detaillist zwar massiv vom Boom rund um Haus, Garten und Selbstversorgung, doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuss: Der Umsatz stagniert, und das Wachstum der vergangenen Jahre ist weitgehend verpufft.


Jumbo zieht davon, Hornbach glänzt digital


Während die Landi in ihren angestammten Scheunenstrukturen verharrt, haben die Mitbewerber auf dem Schweizer Markt aufeinander aufgebaut und die Messlatte deutlich höher gelegt:


Jumbo (Coop-Gruppe): Durch die Fusion der Coop Bau+Hobby-Märkte mit der Marke Jumbo ist ein gigantisches Filialnetz von über 110 Standorten entstanden. Jumbo deckt heute das gesamte Spektrum ab – vom Hobbygärtner bis zum Heimwerker – und besetzt durch die geballte Logistikmacht von Coop auch in stadtnahen Lagen die besten Plätze, mit riesigen Parkplätzen.


Hornbach: Der deutsche Riese zeigt der Schweizer Konkurrenz seit Jahren, wie modernes Multichannel-Geschäft funktioniert. Mit extrem grossflächigen Baumärkten, professioneller Handwerker-Beratung, günstigen Lieferkosten für Online-Bestellungen und einer aggressiven Tiefpreisstrategie hat sich Hornbach feste Marktanteile gesichert. Nicht ohne Grund räumt das Unternehmen regelmässig Auszeichnungen im E-Commerce ab: Vernetzung von App, Onlineshop und Baumarkt vor Ort funktionieren nahezu nahtlos.


Bauhaus: Auch Bauhaus setzt konsequent auf Fachhandelsqualität, enorme Sortimentstiefe im Baustoffbereich und spezialisierte Abteilungen wie die «Drive-In-Arenen» für Gewerbe und Grosskunden – ein Segment, in dem die Landi kaum etwas entgegenzusetzen hat.


OBI Schweiz: Unter Migros-Regie (bis Anfang 2025) erwirtschafteten die damals 10 Schweizer OBI-Filialen als Franchise-Betriebe der Migros zuletzt einen Jahresumsatz von mageren 200 Millionen Schweizer Franken. Die Migros konnte es bekanntlich einfach nicht. Durch den Ausstieg der Migros und den direkten Einstieg der OBI-Gruppe im April 2025 und die Erweiterung des Filialnetzes (u. a. durch die Übernahme ehemaliger Migros-Standorte im Tessin und in der Romandie) stieg die Zahl der Märkte in der Schweiz auf 13 bis 15 Standorte. Das Umsatzvolumen in der Schweiz vergrösserte sich dadurch entsprechend der zusätzlichen Verkaufsflächen.


Was Hornbach, Jumbo, Bauhaus und OBI besser machen als die Landi, ist die Sortimentstiefe. Alle vier Bauhäuser bieten in allen Bereichen (selbst in der Gartenabteilung) mehr Produkte und Geräte an, als die Landi. Es gibt beispielsweise nicht nur eine Bohrmaschine, sondern 10 bis 15 verschiedene Modelle. Bei der Landi muss man, abgesehen von ein paar wenigen permanenten Hausmarken, nehmen was gerade vorhanden ist. Entsprechend ist die Landi bei immer mehr Heimwerkern und Hausbesitzern nicht mehr die erste Wahl, sind doch die Zeiten definitiv vorbei, als man den ganzen Samstag mit Herumfahren und Stöbern in Baumärkten und Gartencenters verbracht hat. Zeit ist Geld, vor allem Freizeit.


Stagnation statt Innovation: Das Landi-Problem


Im direkten Vergleich wirkt das Konzept der Landi zunehmend limitiert. Während Hornbach und Bauhaus Handwerker und Projektbauer ansprechen und Jumbo das breite Schweizer Publikum bedient, bedient die Landi vor allem das billige Gelegenheitssegment. Doch die Zeiten von Gelegenheitskäufen sind vorbei.


Das rächt sich jetzt. Bei komplexeren Heimwerker-Projekten, hochwertigen Baumaterialien oder professioneller Beratung stossen Konsumentinnen und Konsumenten in den Landi-Märkten schnell an Grenzen. Dazu kommt eine extrem hohe Wetterabhängigkeit: Bricht der Frühling verregnet an, bricht bei Landi das Geschäft mit Pflanzen, Grills und Gartenmöbeln ein – weil ein ausgleichendes, starkes Ganzjahressortiment im Bau- und Projektbereich fehlt. Folgt ein Hitzesommer, passiert das gleiche, weil alles, was man anpflanzt, gleich verendet. Wird der Sommer heiss, sind Ventilatoren schon nach einer Woche ausverkauft und Chlorgranulat für Pools fehlt auch ständig. Das nervt die Kundschaft.


Auch online hat der Fenaco-Ableger den digitalen Zug fast verpasst. Während Plattformen wie Galaxus das Non-Food-Geschäft aufrollen, Amazon mit Tiefpreisen punktet und Hornbach E-Commerce exzellent beherrscht, hinkt die digitale Shopping-Experience bei der Landi der Dynamik des Schweizer Onlinehandels hinterher. Im Internet hat Landi den Anschluss definitiv verpasst.


Billig-Konkurrenz schlägt von unten zu


Als wäre der Druck der grossen Baumarkt-Ketten nicht genug, gerät das Landi-Versprechen «Top-Qualität zu Dauertiefpreisen» von ganz anderer Seite unter Beschuss: Internationale Online-Plattformen und Billiganbieter überschwemmen den Markt mit günstigen Haushalts-, Freizeit- und Werkzeugartikeln. Genau in diesem Segment – einfache Gebrauchsgegenstände für Haus und Hof – war die Landi einst unruhestiftend günstig. Heute verliert sie im Preisvergleich mit rein digitalen Anbietern zunehmend an Attraktivität.


Erschwerend kommt hinzu, dass der stetige Strukturwandel in der Landwirtschaft zu immer weniger bäuerlichen Familienbetrieben führt. Die ursprüngliche Kernzielgruppe schrumpft unaufhaltsam.


Die Landi muss sich neu erfinden


Die Landi steht finanziell dank dem mächtigen Fenaco-Konzern im Rücken nicht vor dem Kollaps. Doch die Zeiten des einfachen Einnahmenwachstums sind vorbei. Wenn die Genossenschaft im Mittelland und in den Regionen Aargau und Solothurn nicht vollends den Anschluss an die agile Konkurrenz von Jumbo, Hornbach, OBI und Bauhaus verlieren will, reicht das Aufstellen von Regalen mit Billigimporten nicht mehr aus. Gefragt sind Investitionen in Sortimentstiefe, Beratung, Sorge tragen zur Kundschaft und eine zeitgemässe digitale Strategie. Ansonsten droht der Landi das Schicksal vieler Traditionsmarken: nett für den Gelegenheitskauf, aber irrelevant für die grossen Projekte der Zukunft.


Foto zur Illustration: KI-generiert (Gemini)

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