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Ende der Gratis-Ära? Warum Social Media jetzt zur Kasse bittet

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 2 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Lange Zeit galt im Silicon Valley das ungeschriebene Gesetz: Wer nicht für das Produkt zahlt, ist selbst das Produkt. Doch das Geschäftsmodell der reinen Werbefinanzierung wackelt. Nach Facebook und Instagram zieht nun auch WhatsApp nach – und markiert damit eine Zeitenwende in der digitalen Kommunikation.


Illustration KI-generiert von Gemini.
Illustration KI-generiert von Gemini.

Bisher war WhatsApp das letzte grosse Refugium der Werbefreiheit im Meta-Universum. Doch damit ist bald Schluss. Wie aktuelle Berichte bestätigen, plant der Mutterkonzern Meta noch für das Jahr 2026 die Einführung von Werbeanzeigen innerhalb der App – konkret in den Bereichen „Status“ und „Channels“. Wer das verhindern will, muss zahlen. Rund vier Euro pro Monat soll das werbefreie Abonnement kosten.


Wie bei amerikanischen Unternehmen üblich, wird das Abo am Anfang bewusst günstig erscheinen. Aber wohl nicht lange. Die jährlichen Preisaufschläge bei Netflix und Disney Plus kennen Schweizer Kundinnen und Kunden nur zu gut. Es gilt als sicher, dass dies beim WhatsApp-Abo auch so sein wird. Ein paar Jahre günstig "anfüttern", dann den Preis hochfahren.


Der „Pay or Consent“-Trend


WhatsApp ist kein Einzelfall. Die Branche befindet sich in einer Phase der „Freemium-Mutation“. Getrieben wird diese Entwicklung einerseits durch den wirtschaftlichen Druck, die immensen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) zu refinanzieren, und andererseits durch strengere EU-Datenschutzvorgaben. Das Prinzip „Pay or Consent“ (Zahlen oder Zustimmen) ist dabei das neue Standardmodell.


Facebook & Instagram:


Meta hat bereits 2023 Bezahl-Abos eingeführt, um den europäischen Regulierungen zu entsprechen. Für Nutzer bedeutet das: Entweder man akzeptiert personalisierte Werbung oder man zahlt eine monatliche Gebühr (ab ca. 6 Euro), um werbefrei zu surfen.


X (ehemals Twitter):


Unter Elon Musk wurde das Abo-Modell radikal vorangetrieben. Wer mehr Sichtbarkeit, weniger Werbung oder den blauen Haken will, muss bei „X Premium“ in die Tasche greifen. X hat innerhalb eines Jahres einen Grossteil der Profile aus der Schweiz ganz verloren oder sie sind inaktiv. Aber nicht nur wegen dem Bezahlmodell, sondern vor allem wegen der Trump-Nähe von Musk.


Snapchat:


Mit „Snapchat+“ hat die Plattform bewiesen, dass Nutzer bereit sind zu zahlen. Über 15 Millionen Abonnenten nutzen bereits exklusive Funktionen und KI-Features gegen eine Gebühr.


TikTok:


Auch die Video-Plattform testet in verschiedenen Regionen werbefreie Monats-Abos, um die Abhängigkeit von Werbekunden zu verringern.


Mehr als nur Werbefreiheit


Interessant ist, dass es längst nicht mehr nur um das Ausblenden von Anzeigen geht. Die Plattformen schnüren zunehmend Pakete mit echtem Mehrwert. Bei WhatsApp stehen exklusive Sticker und erweiterte Pin-Funktionen im Raum; bei Instagram könnten bald anonyme Story-Views oder unbegrenzte Zielgruppenlisten Teil eines „Premium-Erlebnisses“ werden. Doch dieser "Mehrwert" ist umstritten. Die breite Masse sucht diesen gar nicht.


Ein zweigeteiltes Netz?


Für die Nutzer bedeutet das eine Umstellung. Das Internet, das jahrelang als „gratis“ wahrgenommen wurde, zerfällt in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Ein Basis-Modell, das mit Daten und Aufmerksamkeit bezahlt wird, und eine Premium-Welt für diejenigen, die sich Privatsphäre und Exklusivität leisten wollen.


Ob die Schweizer Nutzer bereit sind, monatlich für einen Dienst zu zahlen, der bisher kostenlos war, wird sich zeigen. Die Schweizer Nutzer tendieren üblicherweise dazu, zwar für ein Abo zu bezahlen, aber nur für eines und nicht für mehrere. Denn das halbe Leben der Schweizerinnen und Schweizer besteht mittlerweile aus Abos. Abo der Zeitung, Smartphone-Abo, Internet-Abo, BlueTV Abo, Netflix-Abo, Spotify-Abo, Cloud-Abo, sogar Auto-Abos und jetzt auch noch Social Media Abos. Mit Abos kann man so richtig viel Geld verlieren. Die Tendenz geht in der Schweiz seit Jahren eher in die Richtung, Abonnements auf das Nötigste zu beschränken. Deshalb ist übrigens die Internet-Zeitung www.soaktuell.ch nicht kostenpflichtig, sondern weiterhin gratis zu lesen - und zwar für alle.


Eines ist jedoch klar: Die Zeit der bedingungslosen Gratis-Kultur im Social Web neigt sich dem Ende zu. Und damit wohl auch die Wachstumszahlen bei Social Media.

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