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Die NATO wurde nicht gefragt: Das ist Trump's Krieg

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • 16. März
  • 3 Min. Lesezeit

Die Spannungen in der Strasse von Hormus haben eine neue, gefährliche Qualität erreicht. Die Amerikaner haben in ihrem Grössenwahn mal wieder etwas angezettelt, aus dem sie nicht mehr rauskommen. Doch während US-Präsident Donald Trump mit drastischen Konsequenzen für das westliche Verteidigungsbündnis droht, regt sich in Europa massiver Widerstand. Im Kern geht es um eine fundamentale Frage: Muss die NATO für einen Konflikt den Kopf hinhalten, den sie weder mitverursacht hat noch der ihren Bündniszweck berührt? Gut, ist die Schweiz nicht in der NATO.


Ein Alleingang


In den europäischen Hauptstädten herrscht Katerstimmung. Der Vorwurf wiegt schwer: Trump hat die Eskalation mit dem Iran im Alleingang mit Israel vorangetrieben, ohne seine Verbündeten vorab zu konsultieren oder eine gemeinsame Strategie abzustimmen. Nun, da die Lage am Golf militärisch festgefahren ist und es anfängt, so richtig Geld zu kosten, sollen die Partner die Kastanien aus dem Feuer holen. Kritiker innerhalb der NATO sehen darin ein gefährliches Muster: Washington agiert impulsiv und unilateral, erwartet aber bei den daraus resultierenden Problemen bedingungslose multilaterale Gefolgschaft. Die Devise vieler Europäer lautet daher: Wer den Krieg ohne uns beginnt, muss ihn auch allein „ausbaden“. Solange Trump seine Bündnispartner mit hohen Zöllen eindeckt, braucht man nicht weiter zu diskutieren.


Die NATO ist kein Weltpolizist auf Abruf


Völkerrechtlich steht das US-Ansinnen auf tönernen Füssen. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, dessen Kern – der berühmte Artikel 5 – nur greift, wenn ein Mitgliedstaat direkt angegriffen wird. Im aktuellen Konflikt im Nahen Osten ist dies schlicht nicht der Fall. Es gibt keinen Bündnisfall gegen ein Land in der Region. Die Drohung Trumps, die Zukunft der NATO stünde auf dem Spiel, wird daher von vielen als diplomatisches Erpressungsmanöver gewertet, um nationale US-Interessen unter dem Deckmantel internationaler Sicherheit durchzusetzen.


Die Schweiz: Ein Privileg namens Neutralität


Inmitten dieses transatlantischen Zerwürfnisses zeigt sich der strategische Wert der Schweizer Position. Während die NATO-Staaten unter enormem Druck stehen, sich zwischen Loyalität zu Washington und regionaler Stabilität zu entscheiden, bleibt die Schweiz aussen vor.


Die aktuelle Krise unterstreicht, dass die Nicht-Mitgliedschaft in der NATO kein Defizit, sondern ein diplomatischer Schutzwall sein kann.


Bern muss sich nicht rechtfertigen, warum keine Schweizer Minensuchboote vor der iranischen Küste kreuzen. Stattdessen kann sich die Schweiz auf ihre Rolle als diskrete Vermittlerin konzentrieren – eine Funktion, die in Zeiten, in denen die Weltmächte nur noch übereinander statt miteinander reden, wichtiger ist denn je.


Geopolitische Fehleinschätzungen


Oft wird der Konflikt fälschlicherweise als Auseinandersetzung mit der „arabischen Welt“ bezeichnet. Tatsächlich ist die Lage komplexer: Der Iran ist eine persische Macht, die mit vielen ihrer arabischen Nachbarn in tiefer Rivalität steht. Eine europäische Intervention würde nicht nur die Beziehung zum Iran dauerhaft vergiften, sondern Europa tief in die religiösen und ethnischen Grabenkämpfe des Nahen Ostens hineinziehen.


Das Ende der blinden Gefolgschaft?


Die Verweigerungshaltung von Schwergewichten wie Deutschland zeigt, dass das Zeitalter der blinden transatlantischen Solidarität endet. Trump hat in seiner kurzen Amtszeit so ziemlich alle europäischen Länder mit Zöllen, Erpessungen, Beleidigungen und Herabsetzungen stinksauer gemacht - selbst die Schweiz. Er vergisst, dass nicht nur er ein stolzer Mann ist, auch alle anderen Länder haben ihren Stolz. Alle Druckversuche und Beleidigungen stossen irgendwann an ihre Grenzen - und die sind erreicht.


Am Iran werden sich die Amerikaner ihre Zähne ausbeissen. Wie Putin die Ukraine völlig unterschätzt hat, passierte es nun auch Trump mit dem Iran. Beide haben nicht berücksichtigt, dass die anderen Länder erstens nicht dumm sind und zweitens Jahrzehnte lang Zeit hatten, sich auf einen Angriff vorzubereiten. Der Preis für Putin in der Ukraine ist immens hoch und der Preis für die USA im Golf wird ebenfalls sehr hoch - ohne Aussicht auf einen schnellen Erfolg.


Wenn die USA Stabilität am Golf wollen, müssen sie diplomatische Wege finden, statt Partner durch Ultimaten in einen Krieg zu drängen, den diese nie gewollt haben. Für die Schweiz bleibt die Erkenntnis: Neutralität ist in einer Welt der „Deals“ und Drohungen manchmal unangenehm, aber ein unbezahlbarer Luxus.

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