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Deutsche Wirtschaft könnte 2026 zünden - entgegen allen Prognosen

  • Autorenbild: Raphael Keller
    Raphael Keller
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Das Jahr 2026 beginnt für Schweizer Exporteure und Ferienwillige mit vertrauten Vorzeichen: Der Schweizer Franken bleibt die harte Währung par excellence. Während der US-Dollar mit strukturellen Schwächen kämpft und der Euro nach Stabilität sucht, festigt der Franken seine Rolle als „sicherer Hafen“. Was bedeutet das für das laufende Jahr?


KI-generierte Grafik.
KI-generierte Grafik.

Wer Anfang 2026 auf die Devisentafeln blickt, sieht ein klares Bild: Der Schweizer Franken (CHF) hat seine Muskeln gegenüber den beiden wichtigsten Weltwährungen weiter spielen lassen. Analysten der grossen Schweizer Bankhäuser sind sich weitgehend einig, dass sich dieser Trend im Jahresverlauf fortsetzen dürfte – wenn auch mit weniger Volatilität als in den turbulenten Vorjahren.


Der US-Dollar unter Druck: Die Zinswende wirkt nach


Für den US-Dollar (USD) zeichnet sich ein schwieriges Jahr ab. Nachdem die US-Notenbank Fed ihren Zinssenkungszyklus fortgesetzt hat, um die schwächelnde US-Konjunktur zu stützen, ist der Zinsvorteil des „Greenbacks“ gegenüber dem Franken massiv geschmolzen. Aktuell notiert der Dollar-Franken-Kurs oft deutlich unter der Marke von 0.80 CHF.


Experten erwarten, dass die hohe US-Staatsverschuldung und politische Unsicherheiten im Vorfeld der US-Zwischenwahlen den Dollar belasten. „Das Vertrauen in den Dollar als unangefochtene Leitwährung hat Risse bekommen“, kommentieren Marktbeobachter. Für Schweizer Konsumenten bedeutet dies: Importe aus den USA und Ferien in Übersee bleiben so günstig wie lange nicht mehr. Ob die Schweizerinnen und Schweizer aber bereit sind, als Touristen Geld in die USA zu bringen, bleibt auch 2026 mehr als fraglich. Fakt ist aber: Wer Waren in die Schweiz importiert, die mit US-Dollar bezahlt werden müssen, dürfte auch 2026 Gewinn machen. Das Benzin und Heizöl sollten 2026 also günstiger eingekauft werden können, betrachtet man nur die Währung.


Der Euro: Zwischen Hoffen und Bangen


Gegenüber dem Euro (EUR) präsentiert sich die Lage stabiler, aber dennoch zum Vorteil des Frankens. Der Wechselkurs bewegt sich in den letzten Jahren einer engen Spanne zwischen 0.91 und 0.93 CHF. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihre Zinsen zwar auf einem moderaten Niveau (um 2,0 Prozent), doch das bisher verhaltene Wirtschaftswachstum in der Eurozone – insbesondere in Deutschland – verhindert einen echten Höhenflug des Euro.


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterstreicht derweil ihre Nullzinspolitik (Leitzins bei 0,0 Prozent), bleibt aber bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. Das Ziel: Eine zu schlagartige Aufwertung des Frankens zu verhindern, die der hiesigen Exportindustrie schaden könnte.


Das "Deutsche Wunder" 2026: Ein Turbo für den Euro?


Lange Zeit galt Deutschland als der "kranke Mann Europas", doch in den ersten Tagen des Jahres 2026 mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Überraschende Rekordzahlen beim Absatz deutscher E-Autos und volle Auftragsbücher in der Rüstungsindustrie könnten den Euro (EUR) beflügeln und den Franken-Optimismus dämpfen. Wenn deutsche Autobauer wie Volkswagen oder BMW ihre neuen, preiswerten E-Modelle (unter 25.000 Euro) erfolgreich in die ganze Welt exportieren, steigt die globale Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung. Und an der Automobilindustrie hängen bekanntlich viele Jobs - auch in der Schweiz.


Der massive Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeiten sorgt für eine industrielle Sonderkonjunktur. Viele dieser Investitionen fliessen in deutsche High-Tech-Schmieden, was das deutsche BIP-Wachstum 2026 laut ersten Prognosen auf über 1,5 % hieven könnte.


Zinserwartungen: Eine boomende deutsche Wirtschaft würde die EZB dazu zwingen, die Zinsen früher als erwartet wieder anzuheben, um eine Überhitzung zu vermeiden. Höhere Zinsen machen den Euro für Anleger im Vergleich zum Nullzins-Franken attraktiver.


Hinzu kommt die rasend schnelle Abkehr Europas von den USA. Die USA ist in jeder Beziehung politisch, währungstechnisch, wirtschaftlich, logistisch sowie militärisch dermassen unzuverlässig geworden, dass sich Europa rasend schnell abwendet und abnabelt. Es ist erstaunlich, wie schnell die USA keine Rolle mehr spielen. Im Gegenzug arbeitet man in allen Bereichen wieder viel stärker innerhalb Europas und des europäischen Marktes zusammen. Das belebt Europa ungemein und ist positiv für den Euro.


Szenario: Der Euro zurück über 0,95 CHF?


Sollte dieser industrielle Aufschwung anhalten, halten es einige Analysten für möglich, dass der Euro 2026 die psychologisch wichtige Marke von 0,95 CHF durchbricht und Richtung Parität (1,00 CHF) schielt.


Was das für Solothurn und den Aargau bedeuten würde:


  1. Entlastung für KMU: Für die MEM-Industrie in den Kantonen Aargau und Solothurn wäre dies ein Befreiungsschlag. Ihre Produkte würden im Euroraum über Nacht um 3–5 % günstiger, ohne dass die Firmen die Preise senken müssten.

  2. Einkaufstourismus und Import weniger attraktiv: Ein erstarkender Euro würde die Preisdifferenz im grenznahen Detailhandel und beim Import verringern. Aber Vorsicht: Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind dermassen hoch, dass ein Zusammenbruch des Einkaufstourismus nicht zu erwarten ist. Im Gegenteil: Solange das Leben in der Schweiz dermassen teuer ist, treibt es Schweizerinnen in Scharen über die Grenzen. Ob man bei einem Einkauf in Deutschland statt 50 Prozent nur noch 45-47 Prozent sparen kann, macht keinen Unterschied. Die Einsparung ist enorm.


Wachsamkeit ist geboten


Obwohl der Franken gegenüber dem Dollar als "Sicherer Hafen" gesetzt ist, zeigt die plötzliche deutsche Erholung, dass Währungsprognosen bezüglich dem Euro keine Einbahnstrasse sind. Wenn der "Motor Europas" 2026 wirklich zündet, könnte die Zeit des teuren Schweizer Franken schneller enden, als viele Exporteure zu hoffen wagten.


Eines bleibt gewiss: Im Jahr 2026 ist der Franken nicht „stark“, weil andere Währungen schwach sind – er ist stark, weil das Vertrauen in die Schweizer Stabilität ungebrochen ist.

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