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Das offen sichtbar unterkühlte Klima beim G7-Gipfel in Évian

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 12 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Der G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains ist zu Ende. Wer die Bilder der letzten Tage anschaut, sieht nicht den Zusammenhalt der westlichen Welt, sondern ein sorgfältig inszeniertes „Social Distancing“ der europäischen Staats- und Regierungschefs gegenüber dem US-Präsidenten Donald Trump. Nur Bundespräsident Parmelin "küsste Gesslers Hut" und machte den Bückling vor Trump auf dem Flughafen Genf. Er hätte die Begrüssung der Genfer Regierung überlassen sollen.


Höfliche Stimmung am G7 Gipfel gegenüber Trump, aber nur vordergründig. KI generiertes Bild von Gemini.
Höfliche Stimmung am G7 Gipfel gegenüber Trump, aber nur vordergründig. KI generiertes Bild von Gemini.

Während der Gastgeber Emmanuel Macron als guter Diplomat „gute Miene zum bösen Spiel“ machte, um das Treffen nicht in einem Eklat enden zu lassen, zeigte sich bei den übrigen Europäern ein anderes Bild. Ob Friedrich Merz, Ursula von der Leyen oder Keir Starmer – das Bemühen, die physische und politische Nähe zu Washington auf das absolute Minimum zu begrenzen, war für Beobachter deutlich erkennbar.


Die Strategie war klar: Vermeidung von Reizpunkten und demonstrative Distanz. Trump, der vor dem Gipfel noch mit Truppenabzügen aus Deutschland drohte, wurde von seinen europäischen Kollegen wie ein rohes Ei behandelt. Offensichtlich war, dass die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitglieder weder grosse bilaterale Meetings mit ihm suchten, noch aktiv nach gemeinsamen Fototerminen verlangten, die über das protokollarisch vorgesehene Mass hinausgingen.


Für Bundeskanzler Friedrich Merz war die Teilnahme in Évian ein schwieriger Spagat. Nach den jüngsten Verstimmungen wegen der Iran-Politik suchte Berlin bewusst keine Bilder, die als Anbiederung an den US-Präsidenten missverstanden werden könnten. Auch Ursula von der Leyen hielt offensichtlich Distanz. Als EU-Kommissionspräsidentin war es ihr wichtig, europäische Standhaftigkeit und den Kontakt unter den Europäern zu demonstrieren. Man nahm zwar an den Sitzungen teil, doch der informelle Smalltalk abseits der Kameras blieb auf ein Minimum beschränkt.


Selbst Keir Starmer, der bei den Sitzungen physisch anwesend war, suchte nicht nach der Nähe zum US-Präsidenten. Sein demonstratives „Hot-Mic“-Moment, in dem er sichtlich irritiert über das Verschwinden Trumps im kleinen Kreis mit Macron und Selenskyj fragte, spiegelte das allgemeine Unbehagen wider. Trotz Beteuerungen, man habe sich beim Abendessen gut verstanden, war von einer echten politischen Vertrauensbasis nichts mehr zu spüren.


Das gegenseitige Vertrauen und teilweise auch der Respekt ist weg. Die "Ehe" kaum mehr zu retten. Das Fazit des Gipfels ist somit ernüchternd. Während Macron die Rolle des Gastgebers perfekt ausfüllte und den Zusammenhalt nach aussen hin wahrte, war die Stimmung bei den anderen Europäern unterkühlt. Es war ein Gipfel der professionellen Distanz. Die europäische Führung wollte Trump nicht provozieren, aber sie wollte sich auch nicht mit seiner volatilen Politik gemein machen oder ihm in den Hintern kriechen. Es bleibt das Bild eines Zweckbündnisses, das nur noch durch das Protokoll und die Notwendigkeit diplomatischer Höflichkeit zusammengehalten wird. Der „Geist von Évian“ – er war in Wahrheit ein Geist der vorsichtigen Abgrenzung.


Zwischen Europa und den USA wird während der Präsidentschaft Trumps nicht mehr viel laufen. Dafür waren die bilateralen Gespräche unter den übrigen Staatsgästen - ausser Trump - sehr intensiv. Vor allem jene mit Selenskyj. Trump war da oft gar nicht mehr gefragt. Man ist daran, sich an Trump und "ein Leben ohne die USA" zu gewöhnen und hat sich offenbar neu organisiert. Selbst die Ukraine gewinnt ja mittlerweile auch ohne Hilfe der USA.


Nur die offizielle Schweiz ist immer noch im "Arschkriecher-Modus". Und das ist extrem peinlich. Vor allem, weil doch alle wissen, dass uns Trump auch ein weiteres mal brüskieren und es niemals einen halbwegs vernünftigen Zoll-Deal für die Schweiz geben wird. Der Bundespräsident hätte die Begrüssung Trumps auf dem Flughafen Genf der Genfer Regierung überlassen müssen, als bekannt wurde, dass Trump keine Zeit für ein Meeting mit Parmelin hat.

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