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Auto-Haftpflicht: Bis zu 80 Prozent höhere Prämien je nach Anbieter

Die Grunddeckung der Auto-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Prämienunterschiede sind dennoch markant: Bis zu 58 Prozent mehr kostet eine Versicherung je nach Anbieter. In einzelnen Regionen liegen die Angebote gar bis zu 80 Prozent auseinander. Männer bezahlen zudem eine 3 Prozent höhere Durchschnittsprämie als Frauen. Das zeigt eine Analyse von Comparis. «Männer werden auch bei anderen Autoversicherungsprämien gegenüber Frauen oft diskriminiert», sagt Comparis-Mobilitätsexpertin Andrea Auer.

Grafik: comparis.ch AG


Die Auto-Haftpflichtversicherung ist für Schweizer Autohalterinnen und Autohalter obligatorisch, die Grunddeckung gesetzlich vorgeschrieben. Der Online-Vergleichsdienst comparis.ch hat die Nettoprämien von Auto-Haftpflichtversicherungen für 11 Fahrzeuge und 2 Lenkerprofile in den 10 grössten Schweizer Städten verglichen.


Das Resultat: bis zu 58 Prozent höhere Prämien. Die schweizweite Durchschnittsprämie über alle Profile und Fahrzeuge liegt bei der im Comparis-Vergleich günstigsten Versicherung bei 238 Franken (Smile), der teuerste Anbieter (Generali) verlangt 375 Franken.


Männer werden bei Prämien diskriminiert

Höhere Differenzen zeigt ein Blick auf die Geschlechter: Bei Männern klaffen die durchschnittlichen Prämien je nach Anbieter bis zu 61 Prozent auseinander (Smile: 237 Franken; Generali: 381 Franken). Frauen sind mit einem Preisaufschlag von bis zu 55 Prozent konfrontiert (Smile: 238 Franken; Generali: 369 Franken).


Die Durchschnittsprämie über alle Anbieter betrachtet liegt für Männer zudem etwas über jener für Frauen, nämlich 3 Prozent höher (Männer 295 Franken; Frauen 287 Franken).


«Bereits frühere Comparis-Analysen haben gezeigt, dass Männer bei Autoversicherungsprämien gegenüber Frauen oft diskriminiert werden», erklärt Auer. Doch es gäbe auch Anbieter, die keine Geschlechterunterschiede machen.


In der aktuellen Analyse verlangen die Versicherer Simpego, AXA, Basler Versicherungen und TCS für Frauen und Männer gleich hohe Prämien. Bei Smile bezahlen Männer lediglich einen Franken mehr.


In Lausanne bezahlen Autofahrende bis zu 80 Prozent mehr

Comparis hat auch die Differenzen zwischen den jeweils teuersten und günstigsten Versicherern in den 10 grössten Schweizer Städten analysiert. Autobesitzende mit Wohnsitz in der Stadt Lausanne zahlen beim teuersten Anbieter (Generali: 415 Franken) 80 Prozent mehr als beim günstigsten (Smile: 230 Franken). In anderen Städten fallen die Unterschiede leicht geringer aus. Sie liegen aber noch immer über der schweizweiten Differenz von 58 Prozent: In Biel und St. Gallen sind es 77 Prozent, in Winterthur 72 Prozent, in Bern 69 Prozent, in Genf 66 Prozent.


Am kleinsten sind die Unterschiede im Tessin. In Lugano verlangt der teuerste Anbieter (Zurich: 361 Franken) 40 Prozent mehr als der günstigste (Postfinance: 257 Franken).


Gemäss Auer bedeuten kleinere Differenzen nicht zwingend tiefe Preise: «Das günstigste Angebot in Lugano ist mit 257 Franken deutlich teurer als die günstigsten Angebote in den anderen Städten.»


Stadtberner fahren am günstigsten, Luganesi am teuersten

So fördert dann auch ein Blick auf die Durchschnittsprämien in den jeweiligen Städten ein ähnliches Bild zutage. Lugano ist mit einer Durchschnittsprämie von 307 Franken das teuerste Pflaster im Comparis-Vergleich. Das ist eine um 17 Prozent höhere Prämie als die in der günstigsten Stadt Bern mit 263 Franken.


Auer erklärt die hohen Prämien im Tessin mit möglichen Zusatzkosten für Versicherer: «Die Prämienhöhe wird unter anderem von der Attraktivität eines Marktes bestimmt. Das Tessin ist eine eher kleine Absatzregion. Zudem müssen Versicherungsprodukte auf Italienisch vermarktet werden.» Das erhöhe die Vertriebskosten, was sich wiederum auf die Prämien auswirken könne, so die Expertin.


«Nicht den günstigsten, sondern den passenden Anbieter suchen»

Die günstigsten Anbieter in der Comparis-Analyse sind Direktversicherer (Smile, Elvia, Simpego und Postfinance), die ihre Produkte hauptsächlich online vertreiben.


«Dank tieferer Kostenstrukturen ohne Agenturen oder viel Papierkram können diese Anbieter deshalb oft tiefe Prämien anbieten», erklärt Auer. Doch seien Direktversicherer nicht zwingend für alle Autofahrenden die beste Lösung. «Wer ein Treffen mit dem Versicherungsberater wünscht, fährt mit einem teureren Angebot womöglich besser. Deshalb ist es wichtig, dass man seine Bedürfnisse kennt und diese stets aufs Neue hinterfragt und gegebenenfalls den Anbieter wechselt», so die Expertin.


Die obligatorische Auto-Haftpflichtversicherung

Die Auto-Haftpflichtversicherung ist für Autohalterinnen und Autohalter obligatorisch. Sie deckt neben Sach- oder Personenschäden auch Vermögensschäden (z.B. Lohnausfall) an Dritten (Mitfahrer, Velofahrer, Fussgänger usw.). Weiter sind Kosten zur Abwehr von unbegründeten Ansprüchen enthalten (z.B. Anwaltskosten). Die Deckungssumme von Haftpflichtversicherungen muss von Gesetzes wegen mindestens 5 Millionen Franken betragen. In der Regel bieten Versicherer aber eine Deckung bis 100 Mio. Franken Schadensumme.

Methodik

comparis.ch hat im Juli 2022 die Prämien für Auto-Haftpflichtversicherungen in den 10 bevölkerungsstärksten Städten der Schweiz verglichen. Dafür wurden 2 Lenkerprofile und 11 Fahrzeuge definiert und verglichen. Insgesamt wurden 27’060 Prämienberechnungen analysiert.


Fahrerprofil 1 und 2 (Mann 35 Jahre bzw. Frau 35 Jahre): Geburtsdatum: 01.07.1987 / Datum Führerschein: 01.07.2007 / Nationalität: CH / Selbstbehalt: CHF 500.–. Deckung: 100 Millionen Franken Versicherungssumme (marktübliche Deckungssumme). Keine weiteren Zusatzdeckungen wie Bonusschutz oder Grobfahrlässigkeit. Keine Schäden, Ablehnungen oder Sanierungen bei Vorversicherern. Versicherungsnehmer ist häufigster Lenker.


Die Versicherer Helvetia und Wefox sind nicht Teil der Analyse, da diese Anbieter über comparis.ch keine Produkte mit den entsprechenden Selbstbehalten anbieten. Mobiliar und Vaudoise sind über comparis.ch nicht vergleichbar.

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