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2026 Gier bekämpfen: Schweizerinnen und Schweizer werden immer preissensibler

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Die Schlagzeilen klingen beruhigend: Die Inflation in der Schweiz ist im Jahr 2025 fast zum Stillstand gekommen. Doch wer heute durch den Supermarkt geht, die Stromrechnung bekommt, zum Coiffure geht oder seine Miete zahlt, reibt sich die Augen. Trotz einer Teuerungsrate von nur 0,2 Prozent ist das Leben so teuer wie lange nicht mehr. Ein Blick auf die letzten fünf Jahre zeigt eine Entwicklung, die viele Haushalte an ihre Grenzen bringt. Wer jetzt noch nicht gecheckt hat, dass die Preise runter müssen, gehört abgestraft. Die Möglichkeiten.


KI-generiertes Bild von Gemini zur Illustration.
KI-generiertes Bild von Gemini zur Illustration.

Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) ist in den letzten fünf Jahren um insgesamt sieben Prozent nach oben geklettert. Was abstrakt klingt, bedeutet konkret: Ein Warenkorb, der 2021 noch 100 Franken kostete, schlägt heute mit 107 Franken zu Buche. Theoretisch. Denn die tatsächlichen Preise haben sich oftmals um viel mehr erhöht. Das Problem dabei: Während die Inflation 2025 kaum noch steigt, verharren die Preise auf diesem neuen, hohen Plateau. Es gibt kein Zurück zu den Preisen von 2020. So scheint es. Jetzt müssen die Kundinnen und Kunden selber die Notbremse ziehen. Es gibt Möglichkeiten.


Typisch Schweiz: Raketenschnell nach oben, im Schneckentempo nach unten


Ein Phänomen empört die Schweizer Konsumenten besonders: Gehen die Rohstoffpreise oder Energiekosten weltweit nach oben, reagiert der hiesige Handel meist blitzschnell. Die Preise werden „per sofort“ angepasst. Doch sinken die Kosten an den Weltmärkten, scheinen die Preise im Schweizer Regal wie einzementiert. Ökonomen sprechen hier von einer asymmetrischen Preisweitergabe – im Volksmund auch „Raketen-Federn-Effekt“ genannt: Die Preise schiessen hoch wie Raketen, sinken aber nur langsam wie Federn.


Warum ist die Schweiz hier eine der langsamsten Nationen der Welt? Mehrere Gründe spielen zusammen:


  • Mangelnder Wettbewerb: In vielen Bereichen dominieren wenige Grossverteiler oder Anbieter den Markt. Ohne echten Konkurrenzdruck gibt es für Unternehmen wenig Anreiz, sinkende Einkaufspreise direkt an die Kunden weiterzugeben, solange diese bereit sind, den hohen Preis zu zahlen.

  • Lange Lagerzyklen und Verträge: Oft wird argumentiert, man habe noch „teuer eingekauft“. Während Erhöhungen sofort antizipiert werden, werden Senkungen erst nach dem Abverkauf alter Bestände oder dem Auslaufen von Lieferverträgen geprüft. Umgekehrt werden Preise aber sofort erhöht wenn die Teuerung steigt, auch wenn man noch günstiger eingekauft hat.

  • Hohe Zahlungsbereitschaft: Die Schweiz gilt international als „Hochpreisinsel“. Viele ausländische Produzenten schöpfen die höhere Kaufkraft in der Schweiz gierig ab und halten die Preise künstlich hoch, selbst wenn die Produktionskosten längst gesunken sind. Die Schweizerinnen und Schweizer "haben es ja".


„Gierflation“? Kritik an Preiserhöhungen ohne Grund


Besonders brisant ist der Vorwurf der „Gierflation“ (Greedflation). Der eidgenössische Preisüberwacher Stefan Meierhans mahnte bereits an, dass Firmen die allgemeine Teuerungswelle oft als Vorwand nutzten, um ihre Margen über das notwendige Mass hinaus aufzubessern. Während globale Lieferkettenprobleme früher als Rechtfertigung dienten, zeigt sich heute: Viele Vorteile, etwa durch den starken Franken (der Importe günstiger macht), kommen bei den Endkonsumenten nie an.


Die grossen Preistreiber im Detail und was man selber dagegen tun kann


Dass das Preisniveau insgesamt so hoch bleibt, liegt neben der "Trägheit" des Handels und an einer veralteten Vorstellung des Handelns. Anstatt möglichst viel verkaufen zu wollen agieren in der Schweiz fast alle nach dem Motto, möglichst wenig zu einem hohen Preis verkaufen zu wollen. Hier die drei Hauptfaktoren für das Problem und mögliche Gegenmassnahmen:


  • Öl, Heizöl, Benzin und Diesel: Trotz leichter Entspannung liegen die Kosten für Heizöl und Treibstoffe hoch. Beim Erdöl (Heizöl, Benzin, Diesel) finden die Lieferanten immer einen Grund, die Preise hoch zu halten. Sie sind sehr kreativ. Einmal sind es die hohen Marktpreise, dann ein Sturm, der Erdölplattformen beschädigt hat, dann ein Krieg in einer Öl-Region und wenn alles nichts hilft, ist es der Rhein, der gerade wenig Wasser hat. Fakt ist: Firmen wie AVIA, Agrola, Migrol, Coop Mineralöl, SOCAR, BP, Shell, ENI und andere verdienen sich dumm und dämlich und machen fette Gewinne in der Schweiz. Und die werden jedes Jahr gesteigert. Es fängt schon damit an, dass sie auf dem Weltmarkt gegen Dollar einkaufen und den immer grösser werdenden Währungsvorteil des schwachen Dollars gegenüber dem starken Schweizer Franken nicht an die Schweizer Endkunden weitergeben.

    • Gegenmassnahme: Übung abbrechen. Abhängigkeit von Erdöl reduzieren mit E-Autos, Wärmepumpen bei Heizungen und Warmwasser. Und wer tanken muss, immer bei der günstigsten Tankstelle der Region tanken oder auch beim Einkauf im Ausland schauen, ob die Sprit-Preise dort umgerechnet günstiger sind. Es geht hier nicht nur um ein paar Rappen Einsparungen, sondern um die Abstrafung der Schweizer Importeure und Händler. Ein Rückgang der verkauften Menge führt fast immer zu attraktiveren Preisen.

  • Strom: Beim Strom sind die Schweizerinnen und Schweizer Privatkunden einem Stromversorger ausgeliefert, der machen kann was er will. Resultat, je nachdem wo man wohnt, hat man einen völlig anderen Strompreis. Die Differenzen werden immer grösser im Land. Die Situation läuft aus dem Ruder, weil zu viele mitverdienen. Unter den Stromlieferanten vor Ort gibt es viele schwarze Schafe, Amateure ohne juristisches oder Branchenmarkt Know-How, die das Interesse ihres oftmals kleinen Stromunternehmens über das Interesse der angeschlossenen Bevölkerung stellen. Sie streichen Niedertarife, weil E-Autos in der Nacht geladen werden. Sie senken Einspeisevergütungen für Solarstrom aufs Minimum, weil PV-Anlagen Besitzer etwas verdienen können. Den Solarstrom, der angeblich während dem Tag nichts wert sein soll, verkaufen sie dann sieben bis achtmal teurer an die Stromkunden ohne PV-Anlage. Und sie zocken mit allerlei Abgaben auf der Stromrechnung pauschal ab. Bisher sind Privatkunden in der Schweiz an ihren lokalen Energieversorger gebunden (die sogenannte Grundversorgung). Man kann nicht einfach kündigen, wenn eine Nachbargemeinde günstigeren Strom hat, als die eigene. Das ganze System der Stromversorgung wurde in den letzten Jahren in der Schweiz an die Wand gefahren. Es braucht eine grundsätzliche Änderung. Und die zeichnet sich ab.

    • Gegenmassnahme: Mit der eigenen Photovoltaikanlage lässt sich die Stromrechnung mindestens halbieren. Wegen den vielen PV-Anlagen können die örtlichen Stromlieferanten immer weniger teuren Strom verkaufen und kassieren mit jeder Kilowattstunde auch weniger Netzgebühren und Abgaben. Ihre unlogische Reaktion: Sie verteuern den Strom jedes Jahr, damit ihre Kasse stimmt. Und das wiederum sorgt langfristig dafür, dass sich die Investitionen in PV-Anlagen wunderbar lohnen.

    • Hoffnungsschimmer: Das geplante Stromabkommen mit der EU (das Teil des Pakets der "Bilateralen III" ist, über welches wir 2027 in der Schweiz abstimmen) sieht vor, dass der Schweizer Strommarkt vollständig liberalisiert wird. Das bedeutet für Privatkunden eine massive Veränderung. Erstens ermöglicht es die freie Anbieterwahl. Jeder Haushalt kann seinen Stromlieferanten künftig frei wählen – ähnlich wie beim Handy-Abo oder der Krankenkasse. Und zweitens kommen die Strompreise mit Sicherheit unter Druck. Von daher müsste man den neuen Verträgen mit der EU unbedingt sofort zustimmen.


  • Mieten: Die Kopplung an den Referenzzinssatz hat die Wohnkosten für viele Haushalte schmerzhaft verteuert. Auch hier müssten Anpassungen des Referenzzinssatzes und danach der Mieten jeweils schneller erfolgen. Doch in diesem Bereich spielen noch andere Faktoren mit, die stärker sind als der Referenzzinssatz, nämlich das Bevölkerungswachstum (plus 1 Million in zehn Jahren) und die damit verbundene allgemeine Knappheit an bestimmten Wohnungsgrössen.

    • Gegenmassnahme: Keine Alternativen, ausser Klagen oder Wohnungswechsel in günstigere Wohnlagen. Doch der ist schwierig, wegen der allgemeinen Wohnungsknappheit.


  • Dienstleistungen (wahrscheinlich die grössten Preistreiber): Höhere Personalkosten durch Lohnerhöhungen oder Energiekosten wurden oft 1:1 auf die Kunden überwälzt. Von Restaurants über Coiffure bis Kosmetiker und Zahnpflege - alle haben ihre Preise teilweise massiv erhöht.

    • Gegenmassnahme: Wechseln. Hier gibt es genügend Alternativen und es ist ganz wichtig, dass man sich hier auch wirklich Alternativen sucht und wechselt. Nur so zwingt man die Dienstleister dazu, ihre Preise auch wieder zu senken. Wer hier Preiserhöhungen schluckt ist selber schuld. Bei den Restaurants hat dieser Trend schon eingesetzt. 900 Beizen haben alleine im Jahr 2025 schliessen müssen, weil Herr und Frau Schweizer nicht mehr in Beizen essen gehen. Es ist selbst für den Mittelstand schlicht zu teuer geworden. Das gleiche passiert derzeit auch bei Autogaragen die für Services und Reparaturen zu teuer geworden sind. Ein Tipp: Schauen Sie auch mal, ob sie nicht auch mit einem Coiffure oder einer Kosmetikerin im grenznahen Ausland zufrieden sind. Das müssen Sie mal ausprobieren. Hier lässt sich oft 50-75 Prozent des Preises der Schweiz einsparen - bei gleicher Leistung. Suchen Sie sich neue Dienstleister und fragen Sie explizit nach dem Preis. Die Kundenzufriedenheit hört dort auf, wo die Kundinnen und Kunden abgezockt werden. Nur die dümmsten Kälber bezahlen weiterhin, was man von ihnen verlangt.


Fazit: Eine neue Realität


Die Ära der Preisstabilität (1994–2021) scheint vorüber. Auch wenn die Inflation 2025 bei fast Null liegt, bleibt die Kaufkraft vieler Haushalte geschwächt. Die Forderung an Politik und Preisüberwachung ist klar: Es braucht mehr Druck auf den Handel, damit Preisvorteile ebenso schnell weitergegeben werden wie Preiserhöhungen. Der Schweizer Konsument darf nicht länger die "Melkkuh" sein, die für die Trägheit des Marktes bezahlt. Doch es liegt auch an uns allen als Konsumentinnen und Konsumenten. Die Preissensibilität in der Schweiz ist massiv gestiegen. Immer weniger lassen sich Preiserhöhungen bieten, sei es bei Autoversicherungen, Autogaragen für Unterhalt und Reparatur, bei Krankenkassen, Streaming-Abos oder beim Coiffure usw.. Und das ist gut so. Wenn sie alle die Preise nicht senken, oder sogar weiter erhöhen, müssen wir als Konsumentinnen und Konsumenten Gegenmassnahmen ergreifen. Und das kann in vielen Bereichen auch der Gang über die Grenze sein. Denn, man kann den Einkaufstourismus sehr gut mit einem Service in der Autogarage oder dem Gang zum Coiffure verbinden.


"Der letzte Zwick an der Geissel"

Für die Abzocker unter den Händlern und Gewerblern in der Schweiz wird 2026 zum Entscheidungsjahr: Wer in diesem Jahr nicht runter geht mit den Preisen - oder diese gar erhöht hat - muss mit einer Kundenabwanderung bestraft werden. Wenn nur 25-30 Prozent der Schweizer Kunden mitmachen und entsprechend konsequent im Alltag handeln, fallen die Preise garantiert oder die "schwarzen Schafe" verschwinden vom Markt.

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