2026 feiert Gunzgen den 800. Geburtstag
- Redaktion soaktuell.ch

- 5. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Gunzgen ist im Jahr 2026 bereits 800 Jahre alt. Vom 21. bis 23. August 2026 findet das grosse Festwochenende statt. Ein Organisationskomitee unter Leitung des ehemaligen Regierungsrats Roland Fürst ist bereits an der Arbeit. Mit einer Projekt-Website informiert das OK fortlaufend über das grosse Fest und sucht auch noch Helferinnen und Helfer.
von Roman Jäggi, Fulenbach, Gründer der Internet-Zeitung soaktuell.ch, mit einem Viertel "Kamber"-Wurzeln in der Gunzger Allmend.

Es soll kein Sauf-Fest, sondern ein denkwürdiges Dorffest für alle Gunzgerinnen und Gunzger werden, die 800 Jahre-Feier. Das historische Ereignis wird mit einem Warm-up von festlichen Aktivitäten und Anlässen während des ganzen Jahres 2026 gefeiert, welches dann vom 21. bis 23. August am grossen Jubiläumswochenende seinen Höhepunkt findet. Auf der Website https://gunzgen800.ch findet man ab sofort alle Informationen rund um das Jubiläum.
Aktuell sucht das OK noch Vereine und Helfende. Man kann sich auf der Seite https://gunzgen800.ch/HELFERIN-WERDEN/ online melden.

Machen wir nun eine Zeitreise mit Gunzgen
Gunzgen feiert 2026 sein 800-jähriges Jubiläum, doch in Wahrheit ist die Gemeinde am Jurasüdfuss ein Zeitzeuge, dessen Geschichte weit über das Mittelalter hinausgeht. Es ist eine faszinierende Reise durch verschiedene Epochen, die uns zeigt, wie Gunzgen von einer frühen Siedlung zu dem lebendigen Dorf heranwuchs, das es heute ist. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen und die Identität der Gemeinde auf einzigartige Weise geprägt.
Die ersten Spuren menschlichen Lebens auf dem heutigen Gemeindegebiet reichen Tausende von Jahren zurück. Streufunde aus der Jungsteinzeit (etwa 5000 bis 2200 v. Chr.) belegen, dass sich hier bereits erste Ackerbauern und Viehzüchter niedergelassen haben, die den Übergang von nomadischen Jäger- und Sammlerkulturen zu einer sesshaften Lebensweise vollzogen. Noch deutlicher wird die frühe Besiedlung durch Grabhügel aus der Hallstattzeit (ca. 850 bis 450 v. Chr.), die im Eichliban und Stierenban entdeckt wurden. Diese Hügelgräber weisen auf eine organisierte Gesellschaft und eine frühe Eisenzeitkultur hin, was Gunzgen für solothurnische Verhältnisse zu einem Ort mit einer bemerkenswerten archäologischen Vergangenheit macht.
Die direkte Vorgeschichte Gunzgens ist jedoch eng mit den Alemannen verbunden. Um das Jahr 500 n. Chr. wanderten diese germanischen Stämme in unsere Gegend ein und prägten die Ortsnamen nachhaltig. Der Name "Gunzichon" leitet sich vom althochdeutschen Personennamen "Gunzo" und der Endung "-inghofen" (bei den Höfen des Gunzo) ab. Dies lässt darauf schliessen, dass Gunzgen als Sippensiedlung gegründet wurde, die den Namen ihres Oberhauptes trug – ein typisches Merkmal alemannischer Namensgebung. Damit hat die eigentliche Geschichte des Dorfes, wenn auch ohne schriftliche Belege, bereits im 6. Jahrhundert n. Chr. begonnen.
Mittelalter und Frühe Neuzeit (1226-1798)
Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes im Jahr 1226 ist der Beginn der schriftlich überlieferten Geschichte Gunzgens. In dieser Urkunde bestätigt Bischof Heinrich von Basel dem mächtigen Grafen Adalbero von Froburg, dass dieser ein Freigut in "Gunzichon" besitzt. Dieses Dokument ist nicht nur ein zufälliger Beleg, sondern ein wichtiges Zeugnis des damaligen Feudalwesens und der politischen Machtverhältnisse. Gunzgen gehörte somit zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Froburg.
Nach dem Niedergang des Froburger Geschlechts gelangte das Dorf im späten Mittelalter in eine wechselvolle politische Abhängigkeit. 1415 wurde es den Stadtrepubliken Bern und Solothurn unterstellt. Die Berner verzichteten 1463 auf ihren Besitzanteil und überliessen Gunzgen vollständig den Solothurnern.
Unabhängig und stur?
Fortan gehörte das Dorf bis 1798 zum niederen Amt Bechburg, das von einem Vogt verwaltet wurde.
In dieser Zeit entwickelte sich auch das, was man den "Gunzger Eigensinn" nennen könnte. Ein Beispiel dafür liefert eine Episode aus dem Jahr 1558, als sich die Gemeinde weigerte, ihre jährlichen Abgaben an den Vogt von Bechburg zu bezahlen. Die Obrigkeit hatte ihre Mühe mit den eigensinnigen Gunzgern, wie auch ein Schriftstück von 1619 beweist, in dem die Gemeinde ermahnt wird, Steine von den Strassen zu räumen – eine Zuwiderhandlung würde mit einer empfindlichen Busse bestraft.
Erstes überliefertes Sponsoring schon 1643
Eine zentrale Rolle spielte in dieser Epoche auch die Religion. 1643 wurde nach dreijähriger Bauzeit die St. Katharinen-Kapelle eingeweiht. Massgeblich zur Finanzierung trug der wohlhabende Gunzger Hans Strub bei, der 600 Gulden spendete. Dies war für die damalige Zeit eine immense Summe, die von seiner tiefen Frömmigkeit und der Verbundenheit zur Dorfgemeinschaft zeugt. Die Spende ist heute noch auf einer Gedenktafel an der Pfarrkirche verewigt. Es ist damit das erste überlieferte Sponsoring in Gunzgen.
1687 sorgte die geplante Gründung einer eigenen Pfarrei für einen Eklat: Obwohl die Obrigkeit den Kirchenbau in Gunzgen beschlossen hatte, reklamierte das grössere Nachbardorf Kappel den Pfarreisitz für sich und bekam diesen auch zugesprochen. Diese "Demütigung" war wohl der Auslöser für das noch heute verbreitete Bonmot, das Schönste an Kappel sei der Wegweiser nach Gunzgen.
Das 19. Jahrhundert – Wandel, Not und Widerstand (1798-1900)
Das 19. Jahrhundert war für Gunzgen eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Das Ende des Ancien Régime und die beginnende Moderne brachten neue Freiheiten, aber auch grosse Herausforderungen. Die Hungerjahre 1816/1817, verursacht durch Missernten, führten zu bitterer Armut. Junge Männer traten in fremde Kriegsdienste, um zu überleben. Eine Armenkommission musste eingesetzt werden, und nur wer eine behördliche Bestätigung vorwies, durfte nach dem Sonntagsgottesdienst um Almosen betteln.
Trotz der Not setzte die Gemeinde auf Bildung und Fortschritt. 1783 wurde eine eigene Schulgemeinde gegründet. Der einzige Lehrer, der 1842 ein Jahresgehalt von nur 150 Franken bezog, machte seine Sache so gut, dass Gunzgen bei einer Prüfung von 18 Schulen im Bezirk Olten den hervorragenden 5. Rang belegte. Dieses Engagement führte 1845 zum Bau eines neuen Schulhauses, das 4'000 Franken kostete und das Dorfleben nachhaltig prägte.
Ein grosser Teil der Bevölkerung musste nach Amerika auswandern
Der Höhepunkt der Not war die Auswanderungswelle von 1854. Die anhaltende Armut zwang 27 Erwachsene und 31 Jugendliche dazu, nach Amerika auszuwandern. Die für damalige Verhältnisse immensen Reisekosten von insgesamt 12'000 Franken musste die Gemeinde aufbringen, indem sie unter anderem Eichen und Baumrinden verkaufte. Dieses Ereignis war eine schmerzhafte Zäsur, doch es stärkte auch den Zusammenhalt der Zurückgebliebenen.
Nur sechs Jahre später wurde die alte Kapelle zur eigenen Pfarrkirche ausgebaut. Die Beständigkeit der Gunzger wurde 1893 auf eine harte Probe gestellt, als eine Serie von Feuersbrünsten sieben Häuser und Teile der Gemeindebücher vernichtete. Trotz des Schocks bewies die Gemeinde ihre Widerstandskraft und begann sofort mit dem Wiederaufbau.
Das 20. Jahrhundert und die Moderne (1900-heute)
Die Jahrhundertwende markierte den Beginn einer neuen Ära der Verwaltung und des Wachstums. Mit der Gründung der Bezirksschule in Hägendorf 1905 wurde Gunzgen Teil eines grösseren Schulkreises. 1909 erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt: Die Ausscheidung der drei Spezialgemeinden (Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinde) festigte die moderne Struktur der Dorfverwaltung.
Die Bevölkerungsentwicklung in dieser Epoche erzählt eine Geschichte des Wandels. Nach dem Tiefststand von 366 Einwohnern im Jahr 1880 stieg die Zahl bis 1950 wieder auf 582 an. Die nächsten Jahrzehnte waren jedoch von einem rasanten Wachstum geprägt. Zwischen 1950 und 1975 wuchs die Bevölkerung um 242 auf 824 Personen, und 1988 konnte der 1000. Einwohner gefeiert werden. Ende 2023 zählte Gunzgen 1717 Einwohnerinnen und Einwohner und ist zu einer modernen Wohngemeinde geworden, die den Charme ihrer Wurzeln bewahrt.
Die 800-Jahr-Feier im Jahr 2026 ist also weit mehr als nur ein runder Geburtstag. Sie ist eine Feier aller Epochen, die Gunzgen zu dem gemacht haben, was es heute ist: eine dynamische und stolze Gemeinschaft mit einer Geschichte, die von Beständigkeit, Widerstandskraft und dem starken Zusammenhalt ihrer Menschen erzählt.
Der geschichtliche Rückblick basiert auf der Zusammenfassung von Autor Walter Aerni auf der Website gunzgen.ch sowie zusätzlichen geschichtlichen Recherchen der Redaktion von soaktuell.ch.




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