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Zwischen Hühner-Burnout und Eiertütsch-Ekstase: Warum wir Ostern auf die Schale hauen

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 3 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist wieder so weit: Die Schweiz befindet sich im kollektiven Eier-Ausnahmezustand. Während die Hühner im Kanton Solothurn wahrscheinlich Überstunden schieben, fragen wir uns zwischen zwei Bissen Schoggihase: Warum färben wir das Zeug eigentlich ein? Und warum werfen Zürcher mit Geld auf Lebensmittel? Ein Tauchgang in den Farbtopf der Geschichte.


Foto von Melanie Jäggi, Fulenbach
Foto von Melanie Jäggi, Fulenbach

Ostern ist für das Ei, was das WEF für Davos ist: Hochsaison, ein bisschen chaotisch und am Ende geht es irgendwie immer ums Geld – oder zumindest um wertvolle Ressourcen. Doch der Ursprung des bunten Treibens ist keine Erfindung der Farbstoffindustrie, sondern eine Mischung aus Biologie und knallharter kirchlicher Bürokratie.


Die Fastenzeit: Der Endgegner des Eis


Früher war alles strenger. In der Fastenzeit waren Eier tabu – „flüssiges Fleisch“ sozusagen. Das Problem: Den Hühnern hatte niemand Bescheid gegeben. Die legten fleissig weiter, als gäbe es kein Morgen. Da man im Mittelalter noch kein Food-Sharing via App kannte, musste man die Ware konservieren. Die Lösung? Hartkochen. Und damit man am Ostersonntag nicht versehentlich das drei Wochen alte „Vintage-Ei“ erwischte, fing man an, sie einzufärben. Rot war die Trendfarbe der Saison – als Symbol für das Blut Christi, aber wohl auch, weil man Rote Bete leichter fand als Neon-Pink.


Schweizer Präzisions-Tütschen


In der Schweiz haben wir das Ganze natürlich kultiviert. Das Eiertütschen ist unser inoffizieller Nationalsport. Es ist der einzige Moment im Jahr, in dem es gesellschaftlich akzeptiert ist, seinem Gegenüber am Frühstückstisch mit voller Absicht das Essen zu zertrümmern.


In Zürich geht man beim „Zwänzgerle“ sogar noch weiter: Dort versuchen Erwachsene, Zwanzigrappenstücke in die Eier von Kindern zu werfen. Was nach einer fragwürdigen pädagogischen Massnahme klingt, ist pure Tradition. Trifft der Erwachsene, gehört ihm das Ei. Verfehlt er, macht das Kind Cash. Ein frühes Training für die Finanzmetropole, sozusagen.


Eierleset: Wenn der Frühling den Winter wegkickt


Besonders im Aargau und im Baselbiet wird es beim Eierleset sportlich. Hier rennen durchtrainierte (oder zumindest motivierte) junge Männer um die Wette, um Eier in Spreu-Wannen zu platzieren. Es ist der ewige Kampf: Frühling gegen Winter. Spoiler-Alarm: Der Frühling gewinnt meistens, was angesichts der aktuellen Heizkostenabrechnungen auch bitter nötig ist.


Der Trend zum Natur-Look


Obwohl wir heute Eier in Farben kaufen können, die im Dunkeln leuchten, besinnen sich viele Schweizerinnen und Schweizer auf die Zwiebelschalen-Taktik. Man nehme einen alten Nylonstrumpf, ein Blatt Petersilie, viel Geduld und Zwiebelschalen. Das Ergebnis sieht aus wie ein kleines Kunstwerk direkt aus dem Heimatmuseum.


Ob gefärbt, getütscht oder mit Zwanzigräpplern beworfen: Das Ei ist der Star der Stunde. Und während wir die bunten Schalen mühsam vom Ei trennen (oder umgekehrt), dürfen wir eines nicht vergessen: Ohne die fastende Kirche und die arbeitswütigen Hühner des Mittelalters sässen wir heute am Ostersonntag vor einem ziemlich bleichen Frühstückstisch.


In diesem Sinne: Frohes Tütschen und möge die Schale mit euch sein!

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