Zeit-Zoff: Warum wir uns jedes Jahr im März kollektiv „verjetlaggen“
- Redaktion soaktuell.ch

- 29. März
- 2 Min. Lesezeit
Es ist wieder so weit. Einmal im Jahr beschliesst die europäische Politik, dass wir alle ein bisschen weniger Schlaf verdient haben. Letzte Nacht wurde uns eine Stunde Lebenszeit gemopst. Puff. Einfach weg. Während die Uhren auf 03:00 Uhr springen, bleibt unser Biorhythmus irgendwo im Tiefschlaf hängen. Willkommen in der Sommerzeit – oder wie Biologen es nennen: dem staatlich verordneten Mini-Jetlag.

Die Chronobiologie sagt: „Äh, nein danke.“
Man sollte nicht jeden Scheiss mitmachen, den uns Europa diktiert. Aber die Zeitumstellung im Frühling und Herbst müssen wir mitmachen, solange die EU das jährliche Schauspiel aufrecht erhält. Sonst würden wir ein halbes Jahr im Jahr eine Stunde an unseren Nachbarn vorbei arbeiten, was für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch dümmer wäre, als die Zeitumstellung an sich.
Eigentlich ist unser Körper ein Gewohnheitstier. In unserem Gehirn sitzt der suprachiasmatische Nukleus – ein Name, so kompliziert wie seine Aufgabe. Er steuert den Takt von Hormonen wie Melatonin (macht müde) und Cortisol (macht wach). Wenn wir nun willkürlich an der Uhr drehen, passiert im Kopf das, was passiert, wenn man bei einem laufenden Orchester einfach die Notenblätter vertauscht: Disharmonie.
Besonders die Umstellung auf die Sommerzeit ist tückisch. Wir verlieren eine Stunde Schlaf, was das Risiko für Herzinfarkte und Verkehrsunfälle am Montagmorgen statistisch messbar ansteigen lässt. Wir sind also nicht einfach nur „müde“, wir sind biologisch kurzzeitig völlig daneben.
Überlebensstrategien
Damit Sie in den nächsten Tagen nach der Zeitumstellung nicht versuchen, den Kaffee mit der Gabel zu trinken, hier die besten Taktiken gegen den Zeit-Blues:
Die Salami-Taktik: Wer schlau ist, fängt bereits am Freitag an. Gehen Sie jeden Tag 15 Minuten früher ins Bett. So merkt der Körper den Betrug kaum. Es ist wie eine Ratenzahlung beim Schlafkonto.
Licht als Peitsche: Sobald Sie am Sonntag erwachen, reissen Sie die Vorhänge auf! Helles Tageslicht signalisiert dem Hirn: „Feierabend für Melatonin!“ Wer sich im Dunkeln verkriecht, verlängert das Elend nur.
Abendliches Höhlendasein: Am Sonntagabend sollten Sie das Smartphone ignorieren. Das blaue Licht der Displays gaukelt Ihrem Hirn vor, es sei helllichter Tag. Wer scrollt, bleibt wach – und flucht am Montagmorgen doppelt.
Kein falsches Mitleid mit dem Magen: Schwere Kost am Abend sorgt für eine unruhige Nacht. Ein leichtes Znacht ist der beste Freund der inneren Uhr.
Und warum das Ganze?
Ursprünglich wollte man Energie sparen. Spoiler: Das hat nicht wirklich funktioniert. Die Heizkosten am Morgen fressen oft das auf, was man am Abend an Licht spart. Aber hey, dafür ist es nach der Arbeit länger hell – immerhin ein Trostpflaster für die Augenringe. Der Entscheid für die Sommerzeit fiel noch vor LED-Lampen und Photovoltaik.
Einmal eingeführt, bringt man sie nicht weg. Die Zeitumstellung ist wie ein ungebetener Gast, der jedes Jahr zur Party erscheint. Man kann ihn nicht ausladen, aber mit ein bisschen Planung und viel Licht sorgt man dafür, dass er zumindest nicht das ganze Wochenende ruiniert.
Haben Sie schon Ihre analoge Küchenuhr umgestellt? Oder warten Sie wie wir darauf, dass die EU das Ganze endlich (wie 2018 versprochen) abschafft? Falls Sie sich fürs Warten entschieden haben, warten Sie weiter und lernen Sie die Mühlen der EU am lebendigen Objekt kennen. Die Sommerzeit ist hartnäckig und wird uns noch alle überleben, wenn es dumm läuft.









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