Wohnungsnot: Jeder Fünfte in der Schweiz hat Angst, seine Wohnung zu verlieren
- comparis.ch
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Viele Leute in der Schweiz fühlen sich von der Wohnungsnot bedroht. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Comparis. 20 Prozent der Befragten machen sich aktuell Sorgen darüber, ihre Wohnung wegen einer Kündigung zu verlieren. 29 Prozent hatten in den vergangenen zwei Jahren Schwierigkeiten, eine passende Wohnung zu finden oder zu behalten. «Dass jeder fünfte Erwachsene in der Schweiz um die eigene Wohnung bangt, ist ein Alarmsignal. Es zeigt, dass die Wohnungsnot in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
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Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist der Meinung, dass es in der Schweiz grundsätzlich Wohnungsnot gibt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes Comparis mit dem grössten Immobilienportal der Schweiz. Besonders ausgeprägt ist diese Wahrnehmung bei den Befragten in der Deutschschweiz und in der Romandie. Die Befragten im Tessin sehen die Wohnungsnot in der Schweiz deutlich seltener als nationales Problem. «Die Wohnungsnot ist in der italienischsprachigen Schweiz deutlich weniger ausgeprägt als in den anderen Sprachregionen», erklärt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Wohnungsnot trifft vor allem Jüngere und Stadtbewohner
29 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen 24 Monaten Mühe gehabt zu haben, eine passende Wohnung zu finden oder zu behalten. In den Städten berichten 32 Prozent von entsprechenden Problemen, auf dem Land 25 Prozent. Besonders betroffen sind junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren: In dieser Altersgruppe sind es 44 Prozent.
20 Prozent der Befragten sorgen sich zudem aktuell, ihre Wohnung infolge einer Kündigung zu verlieren. «Wohnungsnot ist längst nicht mehr nur ein Thema für Personen die gerade umziehen wollen», sagt Büsser. «Wenn jeder fünfte Erwachsene Angst hat, die eigene Bleibe zu verlieren, geht es fundamental um Sicherheit, Planbarkeit und letztlich um Lebensqualität.»
Beliebt sind vor allem preisgünstiger Wohnraum und Kostenkontrolle
Bei den Vorschlägen zur Bekämpfung der Wohnungsnot erhalten die Förderung von günstigem Wohnraum und Genossenschaftswohnungen die höchste Zustimmung in Form einer Note auf einer Skala von 1 bis 5. Beide bekommen die Note 3,8. Dahinter folgen die Begrenzung von Mietpreisen und die Kostenkontrolle mit 3,7. Das spiegelt sich auch darin, dass 27 Prozent der Befragten hohe Renditeerwartungen von Investoren und Immobilieneigentümern als Ursache der Wohnungsnot nennen.
Büsser sagt dazu: «Dass preisgünstiger Wohnraum und Genossenschaften so gut abschneiden, überrascht nicht. Viele Leute machen derzeit die Erfahrung, dass Wohnen auf dem freien Markt finanziell immer schwieriger wird.» Solche Modelle könnten durchaus helfen, den Druck für einzelne Haushalte zu senken. «Aber es löst das Grundproblem nicht, wenn insgesamt zu wenig Wohnungen entstehen. Man kann Mangel nicht dauerhaft umverteilen. Man muss ihn zuerst verringern.»
Büsser sieht bei staatlich gefördertem Wohnraum auch Gefahren: «Subventionierter Wohnraum klingt immer gut. In der Praxis besteht aber auch die Gefahr, dass nicht unbedingt jene profitieren, die Wohnraum am dringendsten brauchen, sondern jene, die die richtigen Wege und Kontakte kennen, um den begehrten, günstigen Wohnraum zu erhalten.» Zudem könnten steuerfinanzierte Wohnungsförderungen private Investitionen verdrängen.
Auch bei der Mietpreisbegrenzung lohne sich eine differenzierte Sicht. «Viele Befragte wollen damit wohl vor allem ausdrücken, dass Wohnen bezahlbar bleiben soll und Regeln gegen überrissene Mietpreise besser durchgesetzt werden sollen», sagt Büsser. «Gleichzeitig gilt: Wenn Regulierung Investitionen in Neubauten stark bremst, verschärft das die Knappheit mittelfristig eher, als dass sie sie löst.» Zusammenfassend sagt Büsser: «Man kann so tun, als liesse sich Knappheit einfach per Preisdeckel wegregulieren, aber wenn sich Bauen weniger lohnt, entsteht am Ende oft noch weniger neues Angebot, was die Wohnungsnot noch verstärkt.»
Zudem hält Büsser zum Thema fest: «Wer Neubauten reflexhaft bekämpft, stellt sich oft ungewollt auf die Seite der Besitzenden. Denn knapper Wohnraum erhöht vor allem den Wert bestehender Immobilien – nicht die Chancen derer, die eine Wohnung suchen.»
Leerstand bekämpfen, Zuwanderung begrenzen – aber der grösste Hebel bleibt der Neubau
Finanzielle Anreize gegen Leerstand erreichen eine Durchschnittsnote von 3,6. «Dass finanzielle Anreize gegen Leerstand relativ gut ankommen, ist nachvollziehbar. Leer stehende Wohnungen wirken in Zeiten von Wohnungsnot wie ein Widerspruch. Man darf aber nicht überschätzen, wie viel dadurch gewonnen werden kann. Der Hebel gegen Wohnungsnot bleibt mehr Neubau», sagt Büsser dazu.
Die Einschränkung der Zuwanderung erhält die Note 3,5 als Mittel zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Das spiegelt sich auch darin, dass 40 Prozent der Befragten Zuwanderung und Bevölkerungswachstum als wichtigen Grund für die Wohnungsnot sehen. «Zur Wohnungsnot wird Zuwanderung erst, wenn das Angebot nicht mitwächst», sagt Büsser dazu. «Weniger Zuwanderung würde den Wohnungsmarkt entlasten. Gleichzeitig würde man sich das mit weniger Arbeitskräften und mehr Engpässen in wichtigen Berufen erkaufen.»
Wirksamere Massnahmen sind oft weniger populär. So erreicht etwa die Verdichtung im bestehenden Siedlungsgebiet nur eine Durchschnittsnote von 3,2, die Lockerung von Bauvorschriften 3,1. «Gerade die wirksameren Massnahmen sind oft weniger beliebt, weil sie technischer klingen oder vor Ort Widerstand auslösen», sagt Büsser. «Aber am Ende entscheidet sich genau dort, ob tatsächlich mehr Wohnungen entstehen.» Dabei sieht der Experte auch Gründe für Zuversicht: «Andere Comparis-Umfragen zeigen, dass es zumindest in Städten und bei jüngeren Menschen durchaus Mehrheiten für Verdichtung und höheres Bauen gibt.»
Gegen ausländische Käufer – aber mit unklarem Nutzen
Auch die Einschränkung von ausländischem Immobilienbesitz wurde eher tief, mit nur 3,2 bewertet. Der eher tiefen Bewertung dieser Massnahme stimmt Büsser weitgehend zu: «Die Einschränkung ausländischen Immobilienbesitzes kann attraktiv klingen. Ihr Effekt auf die Wohnungsnot dürfte aber begrenzt oder sogar negativ sein: Wenn dadurch auch Investoren für Neubauten wegfallen, könnte das Wohnungsangebot noch langsamer wachsen, und die Wohnungsnot sogar noch verstärken.»
Regulierung und mangelnde Bautätigkeit werden nicht als Urheber der Misere erkannt
Nur 9 Prozent der Befragten nennen zu viel Regulierung als Hauptproblem. 8 Prozent sehen den Mangel an Neubauten oder die zu langsame Bautätigkeit als Ursache der Wohnungsnot. «Das ist nachvollziehbar», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser. «Wer eine Wohnung sucht, erlebt zuerst den Konkurrenzkampf um knappen Wohnraum. Warum zu wenig gebaut wird, ist viel weniger sichtbar.» Dabei spielten langwierige Verfahren, hohe Bodenpreise, knappe Bauzonen und komplexe Vorschriften gerade in den Zentren eine wichtige Rolle. «Die Bevölkerung sieht den Stau auf dem Wohnungsmarkt, aber nicht die roten Ampeln, die ihn verursachen», so Büsser.
Fazit: Mehr bauen, aber mit Augenmass
Die Umfrage zeigt, wie stark die Wohnungsnot inzwischen in den Alltag vieler Menschen eingreift. Sie zeigt aber auch, dass die Bevölkerung pragmatische Hilfe für Betroffene will. «Der wichtigste Ausweg bleibt, dort mehr zu bauen, wo besonders viele Menschen wohnen wollen. Und wer die Sorgen der Menschen ernst nimmt, sollte auch anerkennen, dass preisgünstiger Wohnraum, Genossenschaften und faire Spielregeln am Markt für viele ein Teil der Antwort sind.»
Tipps für Mieterinnen und Mieter
Wohnungssuche geografisch ausweiten, wenn es beruflich und familiär möglich ist
In städtischen Gebieten wird stärkere Wohnungsnot wahrgenommen. Deshalb lohnt es sich, die Wohnungssuche auf ländliche Gebiete auszuweiten.
Frühzeitig mit der Suche beginnen und Übergangslösungen prüfen
Besonders jüngere Wohnungssuchende müssen signifikant mehr Zeit für die Wohnungssuche einplanen und allenfalls Übergangslösungen suchen wie z.B. Wohngemeinschaften oder Untermiete.
Ausschau nach Bauprojekten halten
Sich lokal informieren, wo neuer Wohnraum geplant ist und welche Projekte zusätzlichen Wohnraum schaffen könnten
Bei Genossenschaften und anderen preisgünstigen Angeboten gezielt suchen
Für bezahlbaren Wohnraum empfiehlt sich die gezielte Suche nach subventioniertem Wohnraum bei Stiftungen und auch die Suche bei Genossenschaften z.B. auf www.wbg-schweiz.ch
Bei drohender Kündigung frühzeitig rechtliche Möglichkeiten abklären
Ein Fünftel der Befragten bangt um die eigene Bleibe. Die proaktie Auseinandersetzung mit den rechtlichen Möglichkeiten bei Kündigungen ist deshalb unabdingbar z.B. beim www.mieterverband.ch







