Warum hat der "Fulebach" Wasser wie immer, während die Dünnern und andere Gewässer austrocknen?
- Redaktion soaktuell.ch

- vor 10 Stunden
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Die Pegelstände der Solothurner Gewässer sind nach wie vor massiv niedrig. Deshalb hat der Solothurner Regierungsrat nun weitere temporäre Verbote der Wasserentnahme beschlossen. Diese gelten neu auch für die Landwirtschaft. Am gesamten Wasserlauf der Dünnern, des Mümliswilerbachs, des Mittelgäubachs und des Chrebskanals ist die Wasserentnahme ab sofort bis auf Weiteres verboten.
Kanton SO / Redaktion

Wegen der andauernden Trockenheit und der Hitzewelle erwärmen sich die Gewässer. Gleichzeitig sinken ihre Wasserstände. In den kleineren und mittleren Fliessgewässern im Kanton Solothurn hat dies, mit wenigen Ausnahmen, zu einer kritischen Erwärmung und aussergewöhnlich tiefen Wasserständen geführt. Diese Verschlechterung der Lebensbedingungen belastet Wassertiere stark – insbesondere die Fische und Krebse.
Das Amt für Umwelt des Kantons Solothurn hat in Absprache mit dem Amt für Wald, Jagd und Fischerei deshalb schon seit einigen Wochen die Wasserentnahmen aus den Oberflächengewässern im Kanton Solothurn mengenmässig begrenzt. Am 8. Juli hat der Regierungsrat alle nicht landwirtschaftlichen Wasserentnahmen mit Ausnahme der Aare verboten.
Besonders angespannt ist die Situation an der Dünnern. Seit Wochen ist der Wasserpegel kontinuierlich gesunken und liegt nun deutlich unter der Mindestrestwassermenge nach Gewässerschutzgesetz. Auf absehbare Zeit sind leider keine relevanten Niederschlagsmengen aber nach wie vor hohe Temperaturen zu erwarten, womit sich die Situation weiter verschärfen wird.
Deshalb hat der Regierungsrat nun beschlossen, auch die landwirtschaftlichen Wasserentnahmen aus der Dünnern und den damit verbundenen Bächen Mümliswilerbach, Mittelgäubach und Chrebskanal bis auf Weiteres ganz zu verbieten.
Die Entwicklung der Situation wird laufend überwacht. Erst wenn sich der Wasserstand und die Wassertemperatur nachhaltig verbessert haben, kann das Verbot der Wasserentnahme aufgehoben werden. Die beiden Ämter sind im engen Austausch mit den betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben.

Warum fliesst das Wasser im "Fulebach", als ob nichts wäre?
Wenn im Sommer die Hitze über dem Kanton Solothurn steht, zeigt sich bei den regionalen Gewässern ein völlig unterschiedliches Bild. Während Bäche wie der Mümliswilerbach, Mittelgäubach, Chrebskanal oder Abschnitte der Dünnern im Thal und Gäu stellenweise komplett austrocknen und nur staubige Kieselsteine zurücklassen, führt der durch Wolfwil und Fulenbach fliessende Dorfbach beinahe kontinuierlich Wasser - sofern die Bauern oder Biber nicht alles stauen. Warum leiden die einen unter extremer Dürre, während andere unbeeindruckt weitersprudeln? Die Antwort liegt tief im Boden – in der Geologie und der Herkunft des Wassers.
Karstgestein im Jura: Das Prinzip des Siebs
Wer die Ursache für das Austrocknen von Dünnern & Co. sucht, muss den Blick auf den Faltenjura richten. Der Untergrund in diesen Regionen besteht überwiegend aus Kalkstein. Über Jahrtausende hat das Wasser diesen Kalk angegriffen und ein dichtes Netz aus Spalten und Klüften gebildet – eine typische unterirdische Karstlandschaft.
Bleibt der Niederschlag über längere Zeit aus, passiert Folgendes: Das wenige verbliebene Oberflächenwasser versickert rasch durch die rissigen Gesteinsschichten in tiefere Ebenen. Der Bach verliert sein Wasser nach unten. Hinzu kommt, dass der Mümliswilbach und die obere Dünnern verhältnismässig kleine, lokale Einzugsgebiete besitzen. Fällt im Thal kein Regen, fehlt schlicht der Nachschub.
Der Aareschotter: Ein riesiger unterirdischer Speicher
Völlig anders präsentiert sich die Lage in der Aare-Ebene, beispielsweise im Aaregäu, also im Raum Wolfwil-Fulenbach. Die Geologie ist hier grundlegend anders: Der Untergrund besteht aus mächtigen Kies- und Sandschichten – dem sogenannten Aareschotter.
Dieser Schotter wirkt wie ein gigantischer unterirdischer Schwamm und speichert enorme Mengen Grundwasser. Der Bach im Raum Wolfwil-Fulenbach ist tief genug in die Landschaft eingegraben, dass sein Bachbett da und dort direkt an diesen Grundwasserleiter anschliesst. Fachleute sprechen von einem «effluenten» Gewässer: Selbst wenn es monatelang nicht regnet, drückt das Grundwasser aus dem Schotter von unten kontinuierlich in das Bachbett nach. Der Bach wird also von unten gespiesen. Das ist auch ein Grund, weshalb dieser Bach traditionell sehr sauberes Wasser führt.
Der alpine Motor im Hintergrund
Dass dieser Grundwasserspeicher entlang der Aare nie leerläuft, liegt an der Aare selber. Der Fluss stützt das Grundwasserniveau im Aaretal unaufhörlich. Die Aare bezieht ihr Wasser nicht nur aus lokalen Regenfällen, sondern aus den Alpen und den grossen Berner Seen. Schneeschmelze und alpine Niederschläge sorgen dafür, dass die Aare auch in Dürreperioden verlässlich Wasser führt.
Während die Dünnern beim Austritt aus der Klus bei Oensingen Wasser an den ausgetrockneten Boden in der heissen Gäu-Ebene abgibt und im flachen Gäu «versickert», bleibt das Grundwasserniveau nahe der Aare durch den Flussdruck konstant hoch.
Das Austrocknen von Bächen im Jura ist somit kein neues Phänomen, sondern eine geologische Gesetzmässigkeit. Die immer häufigeren Trockenphasen zeigen jedoch, wie sensibel unser regionaler Wasserhaushalt aufgebaut ist.
Bilder: Der Dorfbach in Fulenbach (zVg. Gemeinde Fulenbach)












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