Von wegen Overtourism?
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 3 Stunden
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Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten zeigt spürbare Auswirkungen auf den Schweizer Tourismussektor. Neben gesperrten Lufträumen sorgen auch die anziehenden Kerosinpreise für eine merkliche Zurückhaltung bei Reisenden aus Fernost. Beliebte Ausflugsziele im Berner Oberland und der Zentralschweiz verzeichnen erhebliche Frequenzrückgänge, was sich mittlerweile auch negativ auf die Aktienkurse der Bergbahnbetriebe auswirkt.

Einbruch auf dem Jungfraujoch und Aktientauchstation
Besonders deutlich zeigt sich die aktuelle Flaute auf dem weltbekannten Jungfraujoch. Registrierte das Vorzeigeziel im ersten Quartal des Jahres noch einen moderaten Rückgang von knapp drei Prozent, brachen die Frequenzen im April im Vorjahresvergleich um rund ein Viertel ein. Verantwortlich dafür sind vor allem die Einschränkungen im Flugverkehr infolge des Irankriegs. Diese Entwicklung spiegelt sich an der Börse wider: Die Wertpapiere der Jungfraubahn Holding AG verloren seit Kriegsbeginn fast ein Fünftel ihres Wertes.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich am Titlis ab. Hier machen sich die geopolitischen Spannungen im Buchungsverhalten bemerkbar. Seitens der Titlis Bergbahnen wird bestätigt, dass man die Entwicklung durchaus spüre, insbesondere bei Gästen aus Asien sowie teilweise aus den Golfstaaten. Seit dem Ausbruch des Irankriegs präsentiere sich die Nachfrage bei Gruppenreisen und kurzfristigen Buchungen spürbar verhaltener. Der Aktienkurs der Titlis Bergbahnen gab um etwa zehn Prozent nach, wobei hier im März zusätzlich ein tragischer Gondelabsturz die Stimmung trübte.
Logistische Hürden im Indien- und China-Geschäft
Aktuelle Analysen von Schweiz Tourismus verdeutlichen das Ausmass der Krise: Im März schrumpften die Logiernächte von Gästen aus Asien um knapp 16 Prozent. Am schwersten wiegt der Einbruch im indischen Markt mit einem Minus von fast einem Drittel. Dies hängt stark mit der Logistik zusammen, da rund die Hälfte der Flüge zwischen Indien und Europa über Drehkreuze im Mittleren Osten abgewickelt wird. Zudem eskalierte der Konflikt exakt zum Start der dortigen Hauptreisesaison.
Regional sind die Einbussen ungleich verteilt. Während Luzern und das Bernbiet bei chinesischen Urlaubern Rückgänge von fast 20 Prozent verzeichneten, brachen in den Regionen Zürich und Bern die Buchungen aus Indien um ein Drittel ein. In Grindelwald führte dies im März zu einem Gästeverlust von rund 15 Prozent. Auch in der Stadt Luzern meldet die Mehrheit der Hotels eine rückläufige Buchungslage, was folglich auch die Pilatus-Bahnen spüren. Die Rigi-Bahnen hingegen profitieren von ihrer starken Verankerung im Inland (rund 70 Prozent Schweizer Gäste), weshalb ihr Aktienkurs stabil blieb.
Zermatt setzt auf Diversifikation
In Zermatt gibt man sich trotz erster Bremsspuren bei Buchungen aus Fernost widerstandsfähig. Bergbahn-Chef Martin Hug hält fest, dass sich die geopolitische Unsicherheit zwar teilweise auf die Buchungsdynamik sowie die Anfragen für die Sommersaison auswirke. Allerdings verweist Hug auf die international breit diversifizierte Positionierung Zermatts, welche dem Schweizer Tourismus insgesamt eine hohe Resilienz verleihe. Die Nachfrage aus den europäischen Nahmärkten sowie dem Schweizer Heimmarkt zeige sich weiterhin robust.
Die Branche blickt daher verhalten optimistisch auf die kommenden Monate. Da im Vorjahr fast die Hälfte aller Hotelübernachtungen auf Einheimische und knapp 29 Prozent auf europäische Gäste entfielen, rechnet Schweiz Tourismus trotz der Krise im Fernost-Geschäft mit einer insgesamt stabilen Sommersaison (soaktuell.ch hat berichtet).





