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Trumps Zollpolitik sorgt für rote Köpfe - in seinem eigenen Land

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • 31. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Schlechte Umfragewerte, Kritik am Gesundheitszustand, anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten, Europäer, die immer weniger amerikanische Produkte kaufen und nun auch noch dicke Luft an den Supermarktregalen im eigenen Land: US-Präsident Donald Trump steht innenpolitisch unter massivem Druck. Ausgerechnet ein Grundnahrungsmittel wird für das Weisse Haus zum unberechenbaren Gradmesser der Wählergunst. Durch eine aggressive protektionistische Handelspolitik haben sich Tomaten in den Vereinigten Staaten drastisch verteuert. Für Restaurants und Endverbraucher entwickelt sich die Situation zunehmend zum Albtraum.


Illustration generiert von KI. Gemini.
Illustration generiert von KI. Gemini.


Preisschock beim Lieblingsgemüse


Ob im klassischen Burger, auf der Pizza oder als Ketchup – die Tomate ist aus der amerikanischen Küche nicht wegzudenken. Doch der Blick auf den jüngsten US-Verbraucherpreisindex sorgt bei vielen Bürgern für blankes Entsetzen: Die Preise für Tomaten sind im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent in die Höhe geschossen. Damit führt das Nachtschattengewächs die Nahrungsmittel-Teuerung im Land mit grossem Abstand an. Zum Vergleich: Kaffee verteuerte sich im selben Zeitraum um immerhin 18,5 Prozent, während gefrorener Fisch und Meeresfrüchte um rund 12 Prozent zulegten. Die allgemeine Inflation in den USA kletterte im April auf 3,8 Prozent im Vorjahresvergleich – der höchste Wert seit knapp drei Jahren.


Jetzt zeigt sich definitiv: Der Schuss mit den Strafzöllen geht für Trump nach hinten los


Wirtschaftsexperten sind sich einig, dass der drastische Preisanstieg eine direkte Folge der Regierungsarbeit in Washington ist. Es dauert bis zu zwölf Monaten, bis amerikanische Kunden Trumps Strafzölle zu spüren bekommen, dann nämlich, wenn die noch günstig eingekauften Lager leer sind und mit teuer eingekauften Produkten - auch aus dem Ausland - aufgefüllt werden müssen. Selbst wenn alle Zölle von heute auf morgen wieder abgeschafft würden, dauert es wiederum bis zu zwölf Monaten, bis die Konsumenten dies auf breiter Front zu spüren bekommen. Auf die Schnelle lässt sich der angerichtete Schaden also nicht mehr abwenden.


Bei den Tomaten ist der Fall klar: Die Administration unter Donald Trump hatte ein langjähriges Handelsabkommen aufgekündigt, welches den zollfreien Import von Tomaten aus dem Nachbarland Mexiko ermöglichte. Da die heimische Produktion den enormen Bedarf der USA bei weitem nicht decken kann, stammt der Grossteil der verkauften Ware aus mexikanischem Anbau.


Zwar feierten die amerikanischen Tomatenbauern den Ausstieg aus dem Abkommen vor einem Jahr zunächst, da sie sich eine Stärkung ihrer eigenen, schrumpfenden Industrie erhofften. Sie jubelten Trump zu. Weniger zu jubeln hat nun aber der Rest des US-Volkes: Die Zeche bezahlen jetzt die Konsumenten: Seit dem Spätwinter werden auf die Importe der Tomaten, die man eigentlich dringend bräuchte, happige Strafzölle von 17 Prozent erhoben. Wirtschaftsprofessoren wie Brett Massimino betonen, dass solche Abgaben als unmittelbare Inflationstreiber direkt an den Endkunden weitergegeben werden.


Ein Blick nach Europa: Ein hausgemachtes US-Problem


Dass Strafzölle jenen trifft, der sie verhängt, nicht jenen, gegen den sie gerichtet sind, zeigt der Vergleich mit Europa. Schauen wir doch mal, ob die Strafzölle gegen Europa hier genau so grosse Preiserhöhungen ausgelöst haben oder nur in den USA. Ein direkter Vergleich mit dem europäischen Markt verdeutlicht, dass die aktuelle Krise in den Supermarktregalen weitgehend ein hausgemachtes amerikanisches Phänomen ist.


Während die US-Bürger unter den protektionistischen Massnahmen leiden, blieben die Preise für Tomaten (+6 bis 7 Prozent) und gefrorenen Fisch (+3 bis 5 Prozent) in Europa laut Eurostat-Daten dank stabilerer Lieferketten im gleichen Zeitraum äusserst moderat. Eine bittere Parallele gibt es hingegen beim Kaffee: Hier sitzen europäische Konsumenten im selben Boot. Aufgrund globaler Ernteausfälle durch extreme Dürren in Brasilien und Vietnam verteuerte sich der Kaffee in Europa ähnlich drastisch um rund 18 Prozent wie in den USA. Beim Kaffee haben Preiserhöhungen also andere Gründe. Abgesehen von diesem globalen Rohstoffproblem bleibt die Preisexplosion in US-Regalen eine ganz offensichtliche Folge der Washingtoner Zollpolitik. Und das lässt sich nicht mehr wegdiskutieren.


Gastronomie schlägt Alarm


In den sozialen Medien ist der Unmut riesig. Zahlreiche Amerikaner teilen Videos aus Supermärkten, dokumentieren die exorbitanten Preise und kündigen aus Protest an, fortan im eigenen Garten Gemüse anzupflanzen. Doch weitaus schwerwiegender sind die ökonomischen Folgen für kleine und grosse Unternehmen der Gastronomiebranche.


Ein prominentes Beispiel ist die Sandwich-Kette „Snarf’s Sandwiches“, die unter anderem im Bundesstaat Colorado stark vertreten ist. Laut dem Chief Operating Officer des Unternehmens, Wayne Humphrey, explodierte der Preis für eine Kiste Tomaten innerhalb von nur zwölf Monaten von 27 auf sage und schreibe 93 US-Dollar. Für die Kette bedeutet diese eine einzige Zutat jährliche Mehrkosten von rund 1,7 Millionen Dollar. Solche Belastungen lassen sich langfristig kaum abfedern und dürften letztlich über höhere Menüpreise wieder beim Gast landen.


Das Dilemma des Protektionismus


Die aktuelle Krise verdeutlicht das klassische Dilemma isolationistischer Wirtschaftspolitik. Schutzzölle mögen zwar kurzfristig die heimischen Produzenten vor ausländischer Konkurrenz schützen, sie führen jedoch ohne eine ausreichende inländische Infrastruktur unweigerlich zu Verknappungen und drastischen Preissteigerungen für die eigene Bevölkerung. Kurz: Wer das eigene Volk bestrafen will, verhängt Zölle.


Für Donald Trump, dem ohnehin der Wind aus dem Iran-Konflikt ins Gesicht bläst, wird die Tomate damit zu einer bitteren politischen Pille – und zu einem handfesten Argument für seine Kritiker, die seine wirtschaftspolitische Kompetenz und sein Gesundheitszustand ohnehin schon lange anzweifeln.


Quelle: Basierend auf statistischen Daten des US-Verbraucherpreisindexes sowie Hintergrundberichten von BILD.de und internationalen Handelsanalysen (Mai 2026).

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