Tipps für Einkaufstouristen: Wo sich der Sprung über die Grenze richtig lohnt
- Redaktion soaktuell.ch

- vor 2 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Seit der Senkung der Wertfreigrenze auf 150 Franken pro Person müssen Schnäppchenjäger aus unserer Region Aargau-Solothurn häufiger nach Deutschland einkaufen gehen und zusätzliche Leute mitnehmen (um die Wertfreigrenze pro Kopf zu erhöhen). Ein ökologischer Unsinn, aber leider politisch so gewollt. Seither explodiert der Einkaufstourismus. Denn all die zusätzlich mitgebrachten Leute kaufen natürlich auch ein. Ein politischer Rohrkrepierer par excellence. Im Durchschnitt spart man mit dem Einkauf ennet der Grenze 40-50 Prozent - kriegt also für den Schweizer Franken doppelt so viel Produkte, wie in der Schweiz. Wir sagen Ihnen, bei welchen Produkten es so richtig einschenkt und wo sie bis dreimal mehr für Ihr Geld erhalten.

Die folgenden Produkte müssen in Ihrem Einkaufswagen landen, damit sich die Fahrt nach Weil am Rhein, Lörrach, Rheinfelden, Bad Säckingen, Laufenburg, Dogern, Waldshut, Koblenz usw. so richtig auszahlt. Es geht nicht mehr nur um den Grossvorteil beim Fleisch, sondern um den gezielten Griff zu Produkten, die in der Schweiz künstlich teuer gehalten werden.
Der Drogerie-Effekt: Unschlagbare Ersparnisse
Der grösste Hebel liegt nach wie vor in der Drogerieabteilung. Faustregel: Alle Produkte, die bei Ihnen im Badezimmer stehen, sind ausnahmslos günstiger im Ausland. Und zwar massiv.
Während man in der Schweiz für ein Marken-Duschgel oder eine Zahnpasta oft das Dreifache bezahlt, kosten diese Artikel in Deutschland meist nur einen Bruchteil. Hier gibts ein Deo für 0.90 Euro. Suchen sie das mal in der Schweiz. Oder Gilette-Rasierklingen im Sechserpack für knapp 3 Euro. Ein besonderer Geheimtipp für den Vorratsschrank sind Batterien. Ob AA, AAA oder Knopfzellen – die Preisdifferenz zwischen Schweizer Detailhändlern und deutschen Discountern oder Drogeriemärkten beträgt bei Batterien oft das 3-fache, bis 4-fache. Auch Produkte von Elmex, Odol und Nivea sind in Deutschland rund 50-60 Prozent günstiger. Entkalkungstabletten für Kaffeemaschinen oder Spülkästen sind bis zu viermal günstiger in Deutschland. Die Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln ist massiv grösser als in der Schweiz, dafür auch massiv günstiger. Kurz: Wer in der Drogerieabteilung auf Vorrat kauft, hat die Spritkosten für die etwas längere Fahrt über die Grenze mit Sicherheit schon wieder drin.
Der „Apotheken-Schock“, bis zu viermal günstiger
Ein Kapitel für sich sind die Medikamente. Wer in einer Schweizer Apotheke nach rezeptfreien Klassikern fragt, muss tief in die Tasche greifen. In Deutschland hingegen gehören Schmerzmittel, Erkältungspräparate und Wundsalben zu den grössten Sparfaktoren des Einkaufstourismus. Ob Ibuprofen, Aspirin oder Nasensprays – die Preisdifferenz ist einfach gewaltig. Ein Warenkorb mit gängigen Hausapotheke-Artikeln (z.B. Vicks, Voltaren-Gel oder Bepanthen-Salben) kostet in Deutschland oft nur ein Drittel dessen, was in der Schweiz fällig wird. Besonders eklatant ist der Unterschied bei Generika, die in der Schweiz im europäischen Vergleich seit Jahren zu den teuersten gehören. Privatpersonen dürfen für den Eigenbedarf einen Vorrat an Medikamenten einführen, der einem Monatsbedarf entspricht. Eine ärztliche Verordnung ist für rezeptfreie Produkte nicht nötig. Wichtig: Die Einfuhr für Drittpersonen (Freunde, Familienangehörige oder Nachbarn) ist offiziell nicht gestattet. Medikamente werden in der Schweiz mit dem reduzierten Satz von 2,6 % besteuert. Da man in Deutschland aber oft die vollen 19 % MWST zurückfordern kann (via Ausfuhrschein), wird das Schnäppchen am Ende noch attraktiver.
Kühlschrank-Check: Margarine, Joghurt und Co.
Ein Blick in das deutsche Kühlregal offenbart die grössten Sparpotenziale für den täglichen Bedarf. Margarine und Streichfette sind Klassiker, die in Deutschland massiv günstiger sind. Aber auch bei Joghurt, Quark und Desserts sind die Unterschiede frappant. Während in der Schweiz Milchprodukte durch den Agrarschutz gestützt werden, profitieren Grenzgänger in Deutschland von einem hochkompetitiven Markt.
Besonders interessant: Pommes Frites und andere Tiefkühlprodukte aus Kartoffeln. Trotz Transportwegen kosten die gefrorenen Stäbchen in Deutschland oft weniger als die Hälfte – ein Posten, der gerade für Familien ins Gewicht fällt.
Markenartikel und Frühstückstisch
Wer Kinder hat, weiss: Bestimmte Marken müssen es einfach sein. Kelloggs und andere Frühstückscerealien sind Paradebeispiele für die "Hochpreisinsel Schweiz". In Deutschland sind die bunten Packungen oft im Standardpreis schon 40-50 Prozent günstiger. Oftmals gibt es noch Aktionen. Kommt die ganze Konfitüren-Abteilung hinzu. Das Angebot an Cerealien und Konfitüren ist um ein vielfaches grösser als bei Migros oder Coop. Hier kann man bei jedem Einkauf wieder mal etwas neues ausprobieren. Konfitüren sind oft 50-60 Prozent günstiger, als in der Schweiz. Ähnlich die Situation auch beim Tee.
Zeitschriften und Magazine haben in der Schweiz oft einen speziellen "Schweiz-Aufschlag", der weit über den Wechselkurs hinausgeht. Das ist pure Abzockerei der Verlage. Wer seine Lieblingslektüre ennet der Grenze kauft, spart bares Geld.
Tipps für den Zoll
Seit Anfang 2025 gilt die neue Wertfreigrenze von 150 Franken pro Kopf. Das bedeutet: Wer für mehr als 150 CHF (pro Person) einkauft, muss die Schweizer Mehrwertsteuer von 8,1 % auf den gesamten Betrag entrichten. Übrigens: Wenn Sie Kinder im Auto zum Einkaufen mitnehmen, zählen auch sie (also Anzahl Personen x 150 Franken). Nutzen Sie die digitale Mehrwertsteuer-Rückerstattung in Deutschland (19 % zurück!), um die Schweizer Steuer am Zoll mehr als zu kompensieren. Achten Sie bei Fleisch (1 kg) und Butter (1 kg) sowie Alkohol weiterhin auf die Mengenbeschränkungen, da hier unabhängig vom Warenwert hohe Zölle anfallen können.
Wo lohnt sich die Fahrt nach Deutschland nicht mehr unbedingt?
Unterhaltungselektronik & IT
Dies ist der klassische Bereich, in dem die Schweiz fast immer gewinnt. Smartphones, Laptops, Kameras und Spielkonsolen sind in der Schweiz oft günstiger als in Deutschland oder ohne grossen Preisunterschied. Grund: Die Schweizer Mehrwertsteuer ist mit 8,1 % massiv niedriger als die deutschen 19 %. Zudem ist der Schweizer Elektronikmarkt extrem kompetitiv (Microspot, Digitec & Co. drücken die Preise). Diese Produkte werden oft aus China und Japan direkt in die Schweiz geliefert - ohne teure Umwege über europäische Importeure.
Standard-Lebensmittel bei Discountern
Bei absoluten Grundnahrungsmitteln wie Pasta, Reis, Mehl, Zucker oder Bananen haben Aldi Suisse und Lidl Schweiz ihre Preise so stark an das deutsche Niveau angepasst, dass die Differenz zwischen der Schweiz und Deutschland oft nur noch im Rappenbereich liegt. Hier lohnt sich die Fahrt über die Grenze nicht mehr.
Luxusgüter (Uhren, Schmuck, Designermarken)
Hochwertige Markenartikel sind in der Schweiz aufgrund der Währungsstärke und der tieferen Steuern oft preislich gleichauf mit Deutschland. Zudem riskieren Sie bei teuren Uhren oder Schmuckstücken sofort, die neue 150-Franken-Freigrenze massiv zu überschreiten, was die Verzollung am Schweizer Zoll obligatorisch (und teuer) macht.
Grosse Möbelstücke
Zwar sind Möbel bei Ketten wie IKEA in Deutschland auf dem Papier oft 20 % bis 40 % günstiger, aber der Aufwand macht den Profit oft zunichte: Sie benötigen oft einen Transporter (Miete). Ab 150 CHF müssen Sie die Schweizer MWST zahlen. Garantieansprüche, Retouren oder Reklamationen sind bei grenzüberschreitenden Einkäufen oft mühsam. Und die Entsorgung der alten Möbel wird oftmals nicht angeboten.
Benzin & Energie
Früher war günstiger Tanken in Deutschland ein "Zückerchen" obendrauf. 2026 sind die Spritpreise in Deutschland aufgrund der CO2-Abgaben oft höher als in der Schweiz. Trotzdem soll man die Spritpreise vergleichen. Wenn der Euro-Kurs tief ist und die Schweizer Treibstoffhändler mal wieder mit Argumenten wie Lieferengpässen oder wenig Wasser im Rhein die Preise hoch halten, lohnt es sich allenfalls trotzdem, den Tank auch noch gleich zu füllen. Das muss man von Fall zu Fall vor Ort entscheiden. Das Laden von E-Autos ist in Deutschland an öffentlichen Ladestationen in etwa gleich teuer wie in der Schweiz. Ein Tipp: Einige deutsche Supermärkte (z.B. Kaufland, Lidl oder Aldi) bieten für registrierte App-Nutzer während des Einkaufs vergünstigte Tarife an (oft um 0.29 € bis 0.39 €/kWh). Das ist deutlich günstiger als fast jede öffentliche Säule in der Schweiz und oftmals sogar günstiger als das private Laden in der Schweiz.
Einkaufstourismus schadet dem Schweizer Detailhandel nicht
Auch 2026 lässt sich mit gut organisiertem und regelmässigem Einkaufen ennet der Grenze das Geld einsparen, welches man in der Schweiz für die steigenden Krankenkassenprämien und allgemeinen Lebenshaltungskosten aufbringen muss. Zudem schadet der gezielte Einkauf von Produkten, wie oben beschrieben, unserer Wirtschaft und dem Detailhandel nicht.
Warum nicht? Der Detailhandel kennt die hohen Preisunterschiede gerade im Apotheken- und Drogeriebereich ganz genau und nimmt diese seit Jahren in Kauf. Wann haben Sie zuletzt eine 30 prozentige dauernde Senkung der Preise für Deodorants, Douche oder Schampoos erlebt? Wir reden hier nicht von befristeten Sonderaktionen, sondern dauernden Preissenkungen über 30 Prozent.
Die Preisunterschiede im Apotheken- und Drogeriebereich zwischen der Schweiz und Deutschland werden mit fadenscheinigen Argumenten schön geredet. Faktisch wird relativ wenig konkretes dagegen unternommen, weil es immer noch genug Leute in der Schweiz gibt, die bereit sind, solche überhöhten Preise zu bezahlen. Wer nicht mehr dazu bereit ist, hat die Möglichkeit, über die Grenze auszuweichen.
Die Schweizer Wirtschaft und der Detailhandel wissen das genau und nehmen das in Kauf. Seit Jahren. Deshalb kann man nicht von einem Verlust oder Schaden sprechen, wenn die Kundinnen und Kunden nach Deutschland ausweichen. Im Gegenteil. Der Einkaufstourismus ist heute die wirksamste Bremse für eine totale Preisexplosion bei den Schweizer Händlern.




Kommentare