Sommerferien: Warum immer mehr Mallorca den Rücken kehren
- Redaktion soaktuell.ch
- 3. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
In den letzten Jahren beobachten Reiseexperten und Tourismusverbände einen deutlichen Wandel im Reiseverhalten europäischer Urlauber. Während Mallorca jahrzehntelang als beliebtes Reiseziel galt, entscheiden sich immer mehr Menschen inzwischen für alternative Urlaubsorte wie die Kanarischen Inseln, Griechenland oder Zypern. Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch ein entscheidender Faktor ist die Preisentwicklung auf Mallorca, die seit der Corona-Pandemie viele Touristen abschreckt. Insbesondere für Familien mit mehreren Kindern ist Mallorca nicht mehr erschwinglich.

Preisentwicklung auf Mallorca: Ein Blick auf die Zahlen
Vor der Pandemie war Mallorca für viele ein erschwingliches Reiseziel. Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) lag der durchschnittliche Preis für eine Woche im Hotel auf Mallorca im Jahr 2019 bei etwa 600 bis 800 Euro pro Person, inklusive Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten. Die Mietwagenpreise bewegten sich damals bei durchschnittlich 30 bis 50 Euro pro Tag, und auch Restaurants waren vergleichsweise günstig.
Seit der Corona-Pandemie hat sich die Situation jedoch grundlegend verändert. Die Preise für Hotels auf Mallorca sind in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 30 bis 50 Prozent gestiegen. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK stiegen die Hotelpreise im Jahr 2023 im Vergleich zu 2019 um durchschnittlich 40 Prozent. Für eine Woche im Hotel zahlt man heute oft zwischen 900 und 1.200 Euro pro Person – eine erhebliche Mehrbelastung für Familien und Budget-Reisende.
Auch die Mietwagenpreise haben sich deutlich verteuert. Während man vor der Pandemie noch für 30 bis 50 Euro pro Tag einen Mietwagen bekam, sind die Preise heute auf 80 bis 110 Euro gestiegen. Die gestiegenen Kosten sind vor allem auf erhöhte Nachfrage, gestörte Lieferketten und höhere Betriebskosten zurückzuführen. Zudem haben viele Hotels und Vermieter ihre Preise erhöht, um die Verluste während der Pandemie auszugleichen aber auch, weil sie überheblich geworden sind und denken, die Touristen kämen ja sowieso.
Die Folgen für den Tourismus
Diese Preissteigerungen führen dazu, dass Mallorca für viele Urlauber weniger attraktiv geworden ist. Familien, die früher regelmäßig auf die Insel gereist sind, überlegen nun, ob sie das Budget noch aufbringen können. Auch Paare und Singles, die nach günstigen Alternativen suchen, entscheiden sich zunehmend für andere Reiseziele. Für Mallorca ist diese Entwicklung brandgefährlich. Denn hat man einmal den Stempel als unerschwingliches Reiseziel, bringt man dieses kaum mehr weg. Das ist der Insel Ibiza vor Jahren so ergangen. Seither herrscht auf Ibiza Stagnation beim Tourismus. In Hotelanlagen wird kaum mehr investiert. Bestenfalls werden diese noch unterhalten, aber eine Weiterentwicklung findet nicht mehr statt. Stagnation ist Rückschritt.
Die Konkurrenz schläft nicht: Kanarische Inseln, Griechenland und Zypern im Aufwind
Während die Preise auf Mallorca steigen, bieten die Kanarischen Inseln, Griechenland und Zypern vergleichsweise günstigere Alternativen. Die Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote, profitieren von ihrer Nähe zu Europa und einem breiten Angebot an günstigen Unterkünften. Laut dem Tourismusverband der Kanarischen Inseln sind die Hotelpreise im Jahr 2023 im Vergleich zu 2019 nur um etwa 10 bis 15 Prozent gestiegen, was sie für preisbewusste Urlauber attraktiv macht. Einziger Nachteil bei den Kanarischen Inseln, die Flugpreise sind hier etwas höher. Fliegt man die rund 4 Stunden jedoch mit einem Zwischenhalt, etwa in Madrid oder Barcelona, kann man aus der Schweiz sogar günstiger auf die Kanaren fliegen, als mit einem Direktflug nach Mallorca.
Griechenland, insbesondere die Inseln Kreta, Rhodos und Kos, verzeichnet ebenfalls einen Boom bei den Buchungen. Die Preise für Hotels und Mietwagen sind dort im gleichen Zeitraum nur moderat gestiegen. Laut dem griechischen Statistikamt lag die durchschnittliche Hotelrate im Jahr 2023 bei etwa 70 bis 100 Euro pro Nacht, was deutlich günstiger ist als auf Mallorca.
Zypern, mit seinen schönen Stränden und einer lebendigen Kultur, ist ebenfalls eine beliebte Alternative. Die Hotelpreise auf Zypern sind im Vergleich zu Mallorca stabil geblieben oder nur leicht gestiegen. Das macht die Insel für Familien und Paare gleichermaßen attraktiv.
Die Südtürkei wäre landschaftlich schön und die Hotelpreise attraktiv. Jedoch sind die Hotelanlagen dort voll mit Russen oder gehören bereits russischen Unternehmen. Und das schreckt viele westeuropäische Touristen ab. Auch attraktive Preise haben irgendwo ihre Grenzen. Die schönsten Tage im Jahr mit Russen verbringen zu müssen, ist ein No-Go für die meisten Schweizerinnen und Schweizer. Deswegen sind Ferienflüge in die Südtürkei rückläufig.
Fazit: Ein Trend mit Folgen
Die Abzockerei auf Mallorca hat Folgen. Immer mehr Touristen leisten sich bloss noch den Flug und das Hotel. Sie verpflegen sich auswärts, jedoch nicht etwa in den zu teuren Restaurants, sondern mit gekauften Nahrungsmitteln aus Supermärkten. Auf Einkäufe in Touristengeschäften wird gänzlich verzichtet. Das Resultat wurde in diesem Sommer in Mallorca sichtbar. Die Insel ist zwar noch proppenvoll mit Touristen, aber Restaurants und Geschäfte machen immer weniger Umsätze. Und das schlimmste ist, dass man auf Mallorca immer weniger Familien mit mehreren Kindern sieht. Denn es ist erwiesen, dass die Kinder später ebenfalls dort Ferien machen werden, wo sie als Kinder schon Erinnerungen gesammelt haben. Dafür werden die Kanarischen Inseln und Griechenland im Sommer immer häufiger von Familien angeflogen.
Die Ferienbudgets der Touristinnen und Touristen und die Bereitschaft, dieses Geld im Ausland auszugeben, sind immer etwa gleich gross. Wenn ein Reisedomizil übermässig teurer wird, verändert das zuerst das Bild der Touristen (es kommen mehr Singles und Paare und die geben weniger Geld aus), dann werden die Ferienzeiten verkürzt (statt 2 Wochen macht man noch 7-10 Tage Urlaub) und letztlich orientieren sich die Touristen neu und kommen gar nicht mehr.
Es ist dann sehr schwierig und extrem teuer, ausbleibende Touristen wieder anzulocken. Deshalb sollten sich alle Destinationen gut überlegen, wie kontraproduktiv sich überteuerte Preise in Zukunft auswirken.
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