top of page
TWINT_Individueller-Betrag_DE.png
Suche

Polizeiliche Kriminalstatistik 23: Weiterer Anstieg der Straftaten im Kanton Solothurn

Im Kanton Solothurn wurden 2023 insgesamt 24'308 Straftaten zur Anzeige gebracht. Das sind 3'047 oder 14,3 % mehr als im Vorjahr. Hauptgrund für den Anstieg ist wie bereits im Vorjahr hauptsächlich die markante Zunahme der Vermögensdelikte. Erfreulicherweise hat die Anzahl der registrierten Gewaltdelikte in vielen Bereichen im vergangenen Jahr abgenommen und die Aufklärungsquoten sind mehrheitlich gestiegen. Im Durchschnitt erstellte die Kantonspolizei Solothurn im vergangenen Jahr pro Tag 67 Anzeigen. Alle Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) finden sich unter polizei.so.ch.

Kapo SO / Andreas Mock


Archivbild der Polizei


Im Jahr 2023 wurden im Kanton Solothurn insgesamt 24’308 (2022: 21’261) Straftaten polizeilich erfasst, 3’047 mehr als im Vorjahr (+14,3 %). Der grösste Teil davon (knapp 21'746 Straftaten) entfällt wie jedes Jahr auf Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch StGB. Bei den Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz wurden 1’202 Anzeigen erfasst (-1 %), gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz 399 (+6 %) und 961 (-9 %) wegen Widerhandlungen gegen andere Bundesnebengesetze.

Die Zahl der erfassten Straftaten war von 2012 bis 2021 zum Teil stark rückläufig; 2022 wurden dann wieder markant mehr Straftaten zur Anzeige gebracht. «Die Entwicklung aus dem Vorjahr hat sich leider 2023 in der ganzen Schweiz fortgesetzt und belastet die Bevölkerung, aber auch die Polizei stark», erläutert Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei Solothurn. So stieg die Kriminalitätsbelastung der Solothurner Bevölkerung, ausgedrückt in der Häufigkeitszahl (Anzahl Delikte pro 1’000 Einwohnende), von 66,5 auf 77 und erreichte damit knapp den Höchstwert aus dem Jahr 2012 mit 77,2. 2021 lag der Wert bei 52,3. Am stärksten betroffen waren 2023 erneut die Bezirke Solothurn, Olten und Gäu. Die Häufigkeitszahlen nahmen in fast allen Bezirken zu.

Mehr Vermögensdelikte, weniger Gewaltdelikte, höhere Aufklärungsquoten

Der Anstieg an Straftaten im Berichtsjahr ist zum grössten Teil auf die erneut markante Zunahme bei den Vermögensdelikten zurückzuführen, die jeweils den grössten Anteil der polizeilich registrierten Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch ausmachen. 2023 wurde mit 14'295 Vermögensdelikten (+18 % gegenüber 2022) nun der höchste Wert seit Einführung der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2008 erreicht. Im zweijährigen Rückblick nahmen diese Delikte sogar um 56,1 % (+5’131 Straftaten) zu. Insbesondere wurden 2023 erneut mehr Diebstähle zur Anzeige gebracht, vor allem Laden-, Fahrzeug-, Einbruch- und Einschleichdiebstähle. Markant ist die Zunahme bei den Fahrzeug-Einbruchdiebstählen und den Diebstählen ab/aus (unverschlossenen) Fahrzeugen, die zusammen um 132 % anstiegen, von 852 auf 1'896 Straftaten. Erstmals wurden im Kanton mehr E-Bikes entwendet als Fahrräder ohne Motor.

Erfreulicherweise ging die Anzahl der angezeigten Gewaltstraftaten 2023 nach einem Anstieg im Vorjahr um 4,5 % zurück (von 1'637 auf 1'558). Bei der Häuslichen Gewalt hat sich der abnehmende Trend auch 2023 fortgesetzt; angezeigt wurden 691 Straftaten in diesem Deliktsbereich (-6 %). 2023 wurden auch weniger Anzeigen gegen die sexuelle Integrität registriert (294, -9 %).

Die Aufklärungsquoten sind im Vergleich zum Vorjahr in vielen Bereichen tendenziell besser. So konnten prozentual – trotz höheren Deliktzahlen – eine grössere Anzahl der angezeigten Delikte aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote bei den Straftaten des StGB stieg leicht auf 38,6 % (38,2 %). Bei den Diebstahlsdelikten (ohne Fahrzeuge) stieg die Aufklärungsquote von 25,3 % auf 30,0 %.

Intensivtäter führen zu hohem Anstieg

Die Zunahme der Vermögensdelikte ist zu einem grossen Teil auf Seriendelikte von delinquenten Einzeltätern oder Gruppierungen zurückzuführen, die unter anderem aus unverschlossenen Liegenschaften und Fahrzeugen Gegenstände entwendeten. Das zeigt auch die Beschuldigtenstatistik: Noch nie waren so viele Personen (84) für mehr als 10 Straftaten verantwortlich (2022: 48). Der Polizei ist es mehrfach gelungen – oft dank Meldungen aus der Bevölkerung – solche Personen anzuhalten. Darunter finden sich zum einen häufig junge Erwachsene nordafrikanischer Herkunft. Zum anderen waren 2023 im Raum Grenchen und im Raum Solothurn je ein Intensivtäter (Schweizer) aktiv. So wurde allein eine Person in 240 Fällen für 363 Straftaten angezeigt.

Die Zahl der beschuldigten Personen stieg gegenüber dem Vorjahr von 3'545 auf 3'894, was einen absoluten Höchstwert darstellt. Dabei handelt es sich um 44,4 % (2022: 48,1 %) oder 1’729 Schweizer/innen und um 55,6 % (2022: 51,9 %) oder 2'165 ausländische Staatsangehörige, wobei der Anteil der ständigen Wohnbevölkerung in etwa gleichblieb. Die Zahl der minderjährigen beschuldigten Personen steigt seit sechs Jahren; 2023 ist erneut eine Zunahme von 18 (von 388 auf 406) bzw. um 4,6 % zu verzeichnen.

Erneut mehr Straftaten über das Internet, hohe Deliktsummen bei Anlagebetrug

Eine steigende Tendenz ist erneut bei der so genannten digitalen Kriminalität zu erkennen. Im Berichtsjahr wurden 1'153 (2022: 949) Delikte gegen das Strafgesetzbuch registriert, die über das Internet ausgeübt wurden; inzwischen werden Straftaten wie Betrug, Geldwäscherei und Pornografie mehrheitlich auf diese Weise verübt. Neben der starken Zunahme an angezeigten Betrugsfällen über Online-Marktplätze, wurden auch mehr Fälle von Online-Anlagebetrug erfasst (67, 2022: 39). Die Deliktsumme in den bekannten Fällen belief sich auf rund 4 Millionen Franken. Im Rahmen der Prävention wird die Kantonspolizei Solothurn demnächst in allen Kantonsteilen Informationsveranstaltungen durchführen.


Hohe Auslastung der Polizei

«Im Durchschnitt haben Mitarbeitende der Kantonspolizei Solothurn über alle Deliktgruppen pro Tag 67 Strafanzeigen eingereicht. Das ist ein neuer, leider negativer, Rekord», bilanziert Polizeikommandant Thomas Zuber. Mit der Zunahme der Straftaten leide das Sicherheitsgefühlt der Bevölkerung und die Polizei sei mehr als ausgelastet. Jeder Fall binde nicht nur die Polizeipatrouillen vor Ort, sondern benötige auch zum Teil erhebliche Mittel in den nachgelagerten Arbeiten. «Diese Mittel fehlen uns an anderen Orten», so Zuber. «Wir bekämpfen eine der höchsten Kriminalitätsbelastungen in der Schweiz mit einer der niedrigsten Polizeidichte». Die Polizei sei auch in der Bekämpfung der Serienkriminalität sehr aktiv, wie es die vielen Fälle zeigen, wo die Polizei nach Anrufen aus der Bevölkerung Tatverdächtige anhalten konnte. Zudem setze man auf Verbesserungen in den Abläufen und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden.

Im Jahr 2023 kam es gesamthaft zu 1’641 Anhaltungen und Festnahmen (2022: 1432), was jeweils beträchtliche Ressourcen bei der Polizei bindet. 2023 wurden auch mehr Brandfälle, aussergewöhnliche Todesfälle, Suizide und Unfälle (ohne Strassenverkehr) bearbeitet. Neben der angezeigten Kriminalität stieg 2023 die Zahl aller erstellter Rapporte und Berichte auf 52'293 (2022: 46'768).

Erfreut zeigt sich Thomas Zuber über die höheren Aufklärungsquoten im Kanton, da diese mitunter auch die Qualität der polizeilichen Arbeit widerspiegeln würden. Er dankte der Bevölkerung für ihre Aufmerksamkeit und die zahlreichen Hinweise. «Wir gehen diesen rasch nach. Die Bevölkerung ist für uns ein wichtiger Partner».

Organisierte Kriminalität bekämpfen

«Neben der sichtbaren Kleinkriminalität gibt es im Kanton Solothurn auch Ansätze einer Strukturkriminalität. Wird sie nicht bekämpft, breitet sich diese organisierte Form der Kriminalität weiter aus», betont Thomas Zuber. «Dazu müssen wir Prioritäten setzen und personelle Mittel notfalls verschieben».

Susanne Schaffner, Vorsteherin des Departements des Inneren, betonte bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik: «Eine nachhaltige Wirkung können wir erzielen, wenn die verschiedensten Behörden ämterübergreifend, abgestimmt und koordiniert vorgehen». Das Thema ‘Bekämpfung des Menschenhandels und Arbeitsausbeutung’ soll in den Legislaturplan 2025-2029 aufgenommen werden. Zu diesem Zweck soll eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe ein Strategiepapier ausarbeiten.


0 Kommentare

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page