top of page
Suche

Gerlafingen: "Ochsen-Tour" sollte "Zanetti-Tour" heissen

Er war "Gmeindrot", "Kantonsrot", "Nationalrot", "Ständerot" und "Regierungsrot", aber immer "rot". Am Donnerstagabend feierte die SP Kanton Solothurn an einem Parteitags-Fest 50 Jahre Parteimitgliedschaft von Ständerat Roberto Zanetti. Unter den rund 200 Gästen war viel Politprominenz aus dem ganzen Land.


Melanie Jäggi

Ansprache von Ständerat Roberto Zanetti. (Foto: Roman Jäggi)


Die Menschen haben nach Corona, Ukraine-Krieg und den Folgen wie steigenden Preisen, Lieferengpässen, kaum mehr zahlbaren Krankenkassenprämien, teuren Hypotheken und Energiepreisen usw. einen Punkt erreicht, an dem sie oftmals nicht mehr über politische Probleme sprechen wollen. Sie suchen Ablenkung. Das merkt man, wenn man mit Menschen redet. Sie winken bald mal ab und sagen: "Ich will nichts mehr davon hören." Die SP Kanton Solothurn hat diese Signale sehr wohl aufgenommen und nutzt die Gelegenheit, ein Jahr vor den nationalen Wahlen, für ein Parteitags-Fest und nicht für tiefgreifende politische Themen. Eine gute Idee.


Mehr Hilfe bei der Bezahlung der Krankenkassenprämien

Ganz ohne politische Inhalte ging es am Donnerstagabend dann aber doch nicht. Die Delegierten der SP beauftragten die Kantonsratsfraktion mit einer einstimmig angenommenen Resolution, alles zu unternehmen, damit die Mittel für die Prämienverbilligung erhöht und der Zugang zu Prämienverbilligungen niederschwelliger gestaltet wird. Die jüngsten Erhöhungen der Krankenkassenprämien, gepaart mit der Inflation, hohen Energie- und steigenden Hypothekarkosten, werden für viele Familien und Einzelpersonen zu einem existenziellen Problem, argumentiert die SP.

Ständerat Paul Rechsteiner im Gespräch mit Jacqueline Badran. (Foto: Roman Jäggi)


Parteitags-Fest zu Ehren von Roberto Zanetti

Am 20. Oktober 1972 trat Roberto Zanetti der SP Gerlafingen bei. Am Donnerstag, 20. Oktober 2022, feierten die Sozialdemokraten nun ihren beliebten Ständerat. Und wie. Unter den Gratulantinnen und Gratulanten war so viele sozialdemokratische Prominenz wie schon lange nicht mehr im Kanton Solothurn. Gesichtet wurden Peter Bichsel, Bundesrat Alain Berset, Ständerätin Eva Herzog, Ständerat Paul Rechsteiner, Nationalrätin Jacqueline Badran, Nationalrat Eric Nussbaumer, Nationalrat und SP Co-Präsident Cédric Wermuth, Nationalrätin Franziska Roth, Regierungsrätin Susanne Schaffner, viele Kantonsrätinnen und Kantonsräte der SP, alt-Kantonsrat Roman Jäggi von der SVP sowie Gemeindepräsidenten aus Gerlafingen und umliegenden Gemeinden usw. Sie alle wohnten der "Goldenen Hochzeit" zwischen Roberto Zanetti und der SP bei.

Bundesrat Alain Berset (Foto: Roman Jäggi)


"Goldene Hochzeit"

Dass er jemals zur "Goldenen Hochzeit" von Roberto Zanetti eingeladen würde, hätte Ständerat Paul Rechsteiner nicht erwartet. Er lobte in seiner Ansprache die rhetorischen Fähigkeiten von Ständerat Roberto Zanetti. In den verschiedenen Ansprachen von Gerlafingens Gemeindepräsident Philipp Heri, Kantonsrätin Nadine Vögeli (Co-Präsidentin der SP Kanton Solothurn), Nationalrätin Franziska Roth, Ständerat Paul Rechsteiner und Bundesrat Alain Berset, wurden die Attribute aufgezählt, die dafür gesorgt haben, dass Roberto Zanetti bis heute über alle Parteigrenzen hinweg beliebt ist: Charisma, Ehrlichkeit, Authentischsein, nichts gekünsteltes, Menschlichkeit, Humor, rhetorische Fähigkeiten und den respektvollen Umgang mit politischen Gegnern.

Will in den Ständerat: Nationalrätin Franziska Roth. (Bild: Roman Jäggi)


Roberto Zanetti sei auf den ersten Blick nicht unbedingt der Traum jeder Schwiegermutter, wurde festgestellt. Roberto Zanetti sehe vielmehr aus "wie ein Wilderer aus den Abruzzen", habe Nationalrätin Franziska Roth mal in einer Zeitung gelesen. Dank den erwähnten Attributen schaffte es Roberto Zanetti aber immer wieder, auch über die Grenzen der SP hinaus, Stimmen zu holen und damit gewählt zu werden. Der Grund: Man bekommt das, was man sieht. Roberto Zanetti.


Emotionale Momente

Als Roberto Zanetti einige Anekdoten aus seinem politischen Leben preisgab, überkamen ihn auch emotionale Momente. Vor allem die Erinnerungen an seinen Vorgänger im Ständerat, Ernst Leuenberger, rührten ihn verständlicherweise sehr. Bundesrat Alain Berset zählte in seiner Ansprache die Ämter auf, die Zanetti alle bekleidet hatte. "Der Begriff der politischen Ochsen-Tour sollte in diesem Fall in Zanetti-Tour umgewandelt werden", sagte Berset.

Voller Saal im Restaurant Boccia in Gerlafingen. (Foto: Roman Jäggi)

Wahlen 2023: Zanetti tritt nicht wieder an

Eigentlich wäre dieses Parteitags-Fest der perfekte Anlass für den Start in den Ständeratswahlkampf 2023 gewesen. Doch er höre 2023 auf und stehe nicht wieder zur Verfügung, sagte Roberto Zanetti. Eine die antreten will, ist Nationalrätin Franziska Roth. Sie durchläuft nun das parteiinterne Nominationsverfahren.


Das Parteitags-Fest der SP war eine gelungene Veranstaltung zum wahrscheinlich besten Zeitpunkt. Roberto Zanetti, mach weiter so!