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Ende einer Ära: Warum die Hayeks Meisterschwanden wirklich den Rücken kehrten

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 7 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Über Jahrzehnte war die aargauische Gemeinde Meisterschwanden am Hallwilersee eines der steuerlichen Paradiese im Aargau – untrennbar verbunden mit dem Namen Hayek. Doch nun ist die Ära der Uhrendynastie im Dorf endgültig vorbei. Der Wegzug von Nick und Nayla Hayek hinterlässt nicht nur ein emotionales Loch, sondern vor allem ein riesiges Defizit in der Gemeindekasse. Mehrere Gründe haben zum Wegzug geführt.


Die Hayek-Villen in Meisterschwanden. Satellitenbild von Google Maps.
Die Hayek-Villen in Meisterschwanden. Satellitenbild von Google Maps.

Es war eine Symbiose, um die viele Gemeinden Meisterschwanden beneideten: Die "SWATCH-Familie" Hayek genoss die Diskretion und die Idylle am Hallwilersee, während die Gemeinde von den massiven Steuerzahlungen der Swatch-Patrons profitierte. Mit einem Steuerfuss von zeitweise nur 60 Prozent gehörte Meisterschwanden zur absoluten Spitze im Kanton Aargau und war damit auch eine der steuergünstigsten Gemeinden im Schweizer Mittelland. Doch der Wind hat gedreht.


Ein schleichender Abschied


Der Wegzug der Familie war kein plötzlicher Paukenschlag, sondern ein Prozess, der sich über Jahre abzeichnete. Nach dem Tod des charismatischen Firmengründers Nicolas G. Hayek im Jahr 2010 blieb die Verbindung zur Gemeinde zunächst über die Witwe Marianne Hayek bestehen. Mit ihrem Tod im Jahr 2023 riss der letzte direkte Ankerpunkt der Familie im Dorf.


Sohn Nick Hayek, der CEO der Swatch Group, hat seinen Lebensmittelpunkt schon vor längerer Zeit in den Kanton Zug verlegt. Seine Schwester Nayla zog es nach Hergiswil im Kanton Nidwalden. Beide Kantone sind bekannt dafür, im interkantonalen Steuerwettbewerb noch eine Schippe draufzulegen – ein Argument, das selbst für Multimillionäre am Ende den Ausschlag geben kann.


Frust über Bauhürden und Naturschutz


Hinter den Kulissen brodelte es zudem schon länger in Meisterschwanden. Ein zentraler Reibungspunkt war das Land zwischen Hayek-Villa und Seezopf Delphin, direkt am See. Die Familie Hayek wollte die Zone neu gestalten und erweitern. Doch das Vorhaben stiess auf massiven Widerstand. Umweltverbände wie Pro Natura und der WWF pochten auf den Uferschutz, und auch die kantonale Politik legte Veto ein.


Zwar betonte Nick Hayek stets seine Verbundenheit mit der Region, doch die bürokratischen Hürden beim Ausbau des Familiensitzes dürften die Entscheidung, den offiziellen Wohnsitz endgültig zu verlegen, beschleunigt haben.


Es ist eine altbekannte Weisheit, dass Gemeinden und Kantone ungemein von guten Steuerzahlenden profitieren können. Viele solche Gemeinden können ihren Einwohnerinnen und Einwohnern wegen den hohen Steuereinnahmen auch viel bieten. Luxuriöse Schulhäuser, Mehrweckhallen und Sportanlagen kommen allen zugute und den Menschen bleibt wegen den tiefen Steuern auch mehr Geld im Sack. Im Gegenzug haben superreiche Menschen natürlich auch spezielle Wünsche und Begehrlichkeiten sowie die Mittel dazu. Engt man sie ein oder stossen sie auf Widerstand, empfinden sie das als wenig wertschätzend, respektlos und beleidigend. Es entsteht dann rasch der Eindruck: "Das ganze Dorf lebt wegen mir in Saus und Braus, doch wenn ich etwas will, steht man mir im Weg."


Jetzt kommt der „Steuer-Schock“ für die Bevölkerung


Die Folgen für die verbliebenen Einwohner von Meisterschwanden sind drastisch. Wo früher Millionen sprudelten, herrscht nun Ebbe. Die Gemeinde musste das Budget radikal anpassen. Die jüngsten Gemeindeversammlungen waren geprägt von der bitteren Realität: Um die Infrastruktur und die Aufgaben der Gemeinde aufrechtzuerhalten, ist eine massive Erhöhung des Steuerfusses unumgänglich.


Der Fall Meisterschwanden zeigt exemplarisch die Kehrseite des Schweizer Steuerwettbewerbs: Die Abhängigkeit von wenigen sehr reichen Menschen ist Fluch und Segen zugleich. Fällt ein einziger grosser Zahler weg, wankt das gesamte Finanzgefüge einer Gemeinde.


Meisterschwanden muss sich neu erfinden. Was man aber auch sagen muss ist, dass Meisterschwanden steuerlich immer noch attraktiver ist, als viele andere Gemeinden im Aargau. Denn es gibt wegen der tollen Lage auch viele andere gute Steuerzahlende. Die Ära der Hayeks in Meisterschwanden ist aber Geschichte. Die Villen am See stehen nach unseren Angaben teilweise leer oder werden nur noch sporadisch genutzt. Und es bleibt die leise Hoffnung, dass diese dereinst vielleicht wieder durch eine wohlhabende Familie als Hauptwohnsitz gekauft und belebt werden.


Die Geschichte ist nachvollziehbar. Auch superreiche Menschen haben nur ein Leben und wollen dieses nach ihren Wünschen gestalten können. Da kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Auf der anderen Seite steht die Gemeinde, die wegen immer weniger Platz und immer mehr Reglementen total im Clinch ist. Wie würden Sie damit umgehen? Schreiben Sie uns einen Kommentar, ganz unten auf dieser Seite.

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