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BYD hat Tesla als weltweit grösster E-Autohersteller abgelöst

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • 2. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Während der chinesische Gigant BYD im Jahr 2025 die weltweite Krone als grösster Elektroautohersteller von Tesla übernommen hat, zeigt ein Blick auf die Schweizer Strassen ein differenzierteres Bild. Hierzulande ist der "Absturz" von Tesla zwar statistisch spürbar, doch der chinesische Herausforderer kämpft noch mit Anlaufschwierigkeiten.


Grafik erstellt durch KI.
Grafik erstellt durch KI.

Tesla in der Schweiz: Der einsame Spitzenreiter wackelt gehörig


Tesla erlebte in der Schweiz ein turbulentes Jahr 2025. Mit rund 4'878 Neuzulassungen bis Ende November (ein Minus von etwa 40 % gegenüber dem Vorjahr) hat die Marke von Elon Musk deutlich an Dominanz verloren. Dennoch bleibt ein Phänomen bestehen: Das Tesla Model Y ist trotz der massiven Einbrüche weiterhin das meistverkaufte Elektroauto des Landes (ca. 3'472 Einheiten bis Oktober 2025).


Der Grund für den Rückgang ist vielschichtig. Neben der erstarkten Konkurrenz aus Europa – insbesondere durch die VW-Gruppe (Skoda, Audi, VW), die mittlerweile rund 34 % des Schweizer Elektro-Marktanteils hält – scheint auch das Image des Tesla-Chefs Elon Musk und der Zollkrieg von Präsident Trump gegen die Schweiz sowie die ausbleibende Modellpflege die hiesigen Käuferinnen und Käufer zurückhaltender werden zu lassen.


Man kann es so sagen: Tesla hat im Schweizer Markt stark verloren, konnte einen totalen Absturz aber durch massive Rabatte verhindern. Tesla fährt eine „Discount-Strategie“ in der Schweiz und wirft seine Autos den Schweizern buchstäblich hinterher.


Hier sind die Fakten, die diese These untermauern: Im Oktober 2025 hat Tesla den Preis für das Basismodell des Model Y auf 39'990 CHF gesenkt. Das ist ein historischer Tiefstwert. Zum Vergleich: Noch vor zwei Jahren kostete das günstigste Model Y über 54'000 CHF. Im Tesla-Inventar (sofort verfügbare Neuwagen) finden sich regelmässig Fahrzeuge mit Preisnachlässen von 5'000 bis zu 13'000 Franken. Da die Schweizer sehr gerne leasen, nutzt Tesla extrem attraktive Zinssätze (oft 0,0 % oder 0,99 %), was faktisch einer weiteren Preissenkung entspricht, da die Zinskosten vom Hersteller subventioniert werden.


Tesla nutzt den Preis als einzigen Hebel, weil zwei andere Faktoren gerade gegen sie arbeiten:


  • Die veraltete Flotte: Das Model Y ist seit Jahren fast unverändert auf dem Markt. Während Kunden auf das Facelift („Juniper“) warten, muss Tesla die alten Lagerbestände über den Preis „raushauen“. Noch dramatischer ist es beim Model S.

  • Image-Probleme: Umfragen zeigen, dass Elon Musks politische Positionierung und Gesinnung gerade in der eher konservativ-diskreten Schweiz tausende Käufer und auch Besitzer von Teslas abgeschreckt hat. Ein tiefer Preis ist das effektivste Mittel, um diese „Hemmschwelle“ zu überwinden.


Funktioniert hat es nur bedingt. Trotz der Kampfpreise sind die Neuzulassungen von Tesla in der Schweiz im Jahr 2025 um über 40 % bis 50 % eingebrochen. Das ist verheerend. Offenbar ist der angerichtete Schaden für die Marke Tesla nur über den Preis kaum zu retten.


Wie viel Puffer hat Tesla noch?


Obwohl die Margen im Jahr 2025 deutlich gesunken sind, steht Tesla finanziell immer noch auf einem soliden Fundament – auch wenn die "goldenen Zeiten" vorbei sind. Teslas Bruttomarge im Autogeschäft lag 2021 noch bei über 25 % bis 30 %. Ende 2025 ist sie auf etwa 16 % zusammengeschrumpft. Das ist zwar ein happiger Rückgang, aber immer noch profitabler als viele Konkurrenten (zum Vergleich: Ford verliert mit jedem E-Auto sogar Geld).


Tesla sitzt auf Kriegskassen von rund 30 Milliarden USD. Sie können es sich theoretisch leisten, noch Jahre lang "unter Preis" zu verkaufen, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Aber eben: Es geht zulasten der Substanz.


Die Discount-Strategie ist jedoch kein Dauerzustand, sondern eine Überbrückung. Experten gehen davon aus, dass Tesla diesen Kurs noch maximal bis Mitte 2026 halten kann, bevor der Schaden für die Marke irreparabel wird. Falls er das nicht jetzt schon ist. Denn, trotz den Dumping-Preisen kaufen die von der US-Regierung tief beleidigten Schweizerinnen und Schweizer die Tesla-Modelle nur noch widerwillig. Und wenn sie einen kaufen, fahren sie ihn und schweigen. Früher war der eigene Tesla ein regelrechter Hype.


Drei grosse Risiken für Tesla:


Der "Brand-Burn": Wenn ein Auto ständig mit Rabatten beworben wird, verliert es seinen Premium-Status. In der Schweiz, wo Prestige beim Autokauf eine grosse Rolle spielt, ist das gefährlich. Wer kauft heute ein Model Y für 40'000 CHF, wenn er befürchten muss, dass es morgen nur noch 36'000 CHF kostet?


Der Restwert-Schock: Das ist das grösste Problem für Schweizer Leasing-Kunden. Massive Preissenkungen bei Neuwagen lassen die Gebrauchtpreise abstürzen. Denn der aktuelle Neuwagenpreis bestimmt den Preis der Occasionen. Das führt bei Leasinggesellschaften zu Milliardenverlusten, was die monatlichen Raten in Zukunft wieder in die Höhe treibt – der Discount frisst sich also selbst auf.


Warten auf "Juniper": Die aktuelle Strategie dient primär dazu, die Fliessbänder mit alten Autos auszulasten, bis das überarbeitete Model Y (Codename "Juniper") 2026 breit verfügbar ist. Tesla hofft, dann wieder über das Produkt und nicht über den Preis verkaufen zu können. Oder anders formuliert: Die Preise für Teslas könnten im Verlauf des Jahres 2026 wieder steigen. Aber der Schweizer Automarkt hat in der Zwischenzeit zu viele alternative E-Autos. Er ist nicht mehr bereit für teure Teslas. Und auf einen kleinen Stadtflitzer von Tesla wartet man seit Jahren vergebens.


Es gibt schlicht keinen Markt mehr für teure Teslas. Generell haben Trump und Musk das Geschäft mit amerikanischen Autos in der Schweiz innert weniger Monate vollständig zerstört. Das beweist auch Ford. Bei den Personenwagen sind die Verkaufsrückgänge in der Schweiz bei fast 40 %. Das Problem liegt also nicht nur bei Tesla und Musk.


Was kommt danach?


Elon Musk hat bereits angedeutet, dass 2025 und Anfang 2026 "schwierige Quartale" sind. Das Ziel ist nicht mehr, "nur" Autos zu verkaufen, sondern die Flotte auf die Strasse zu bringen, um später mit Software (Full Self-Driving) und Robotaxis Geld zu verdienen. Lange kann Tesla das nicht mehr machen, vor allem in der Schweiz nicht, ohne die Aktionäre zu vergraulen (das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit über 100 immer noch extrem hoch). Der Druck, 2026 ein echtes Billig-Modell (oft "Model 2" genannt) oder das Model-Y-Update zu liefern, ist gigantisch. Denn, Skoda hat Tesla 2025 als beliebteste E-Automarke der Schweizer überholt (vor allem dank des Enyaq).


Die Chinesen sind in Europa "noch" zu teuer


Global hat der chinesische Autobauer BYD 2025 über 2 Millionen reine Elektroautos verkauft und damit Tesla (ca. 1,65 Mio.) massiv überholt. In der Schweiz hingegen gleicht der Start von BYD eher einem sanften Rollen als einem Sprint. Bis Juli 2025 wurden lediglich 257 Fahrzeuge der Marke BYD neu immatrikuliert. BYD spielt zwar preislich in der gleichen Liga wie Tesla, hat aber in der Schweiz noch nicht die Markenbekanntheit, um Tesla gefährlich zu werden. Wer für knapp 40'000 Franken einen Tesla Y haben kann, kauft keinen Chinesen.


Um den Schweizer Markt aufzumischen müssten die Chinesen viel günstiger sein. Sie bauen heute gute Autos, aber wenn die nicht günstiger sind, als das, was Schweizerinnen und Schweizer bereits kennen, wird es kaum klappen mit dem Fuss fassen im Schweizer Markt. Trotz massiver Expansionspläne und der Eröffnung von 15 neuen Verkaufsstellen im Jahr 2025 stösst die Marke BYD in der Schweiz auf ein konservatives Käufersegment, das stark auf etablierte Marken wie Skoda (mit dem Enyaq und dem neuen Elroq) oder Audi setzt. Sogar Hyundai aus Südkorea läuft BYD in der Schweiz den Rang ab. Also wenn die Chinesen wirklich wollen, müssen sie ganz anders auftreten.


Die Schweizerinnen und Schweizer sind immer preissensibeler. BYD müsste 20 % günstiger sein und mit der technischen Qualität (mehr Auto für weniger Geld) punkten. Dann könnte BYD den Automarkt umpflügen. BYD muss in der Schweiz erst noch das Vertrauen in Sachen Service-Netz und Wiederverkaufswert aufbauen.

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