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Anti-Trump Stimmung in Europa wird für politische Rechte zum Problem

  • Autorenbild: Redaktion soaktuell.ch
    Redaktion soaktuell.ch
  • vor 1 Stunde
  • 3 Min. Lesezeit

Einst war Donald Trump der strahlende Leuchtturm für Europas Rechtsparteien. Sein "America First" galt als Blaupause für den nationalen Aufbruch von Paris bis Budapest. Doch im Jahr 2026 ist die Allianz zerbrochen. Während Schwergewichte wie Le Pen, Farage oder Meloni auf Distanz gehen und sogar das "System Orbán" in Ungarn Risse zeigt, hat die Schweizer SVP die Gefahr erkannt, den Kurs geändert und schweigt nun eisern über Trump. Der Grund ist klar: Es stehen wichtige Volksabstimmungen an über die "10-Millionen-Schweiz" oder die "Bilateralen Verträge III". Und die SVP weiss: Die Schweizer Bevölkerung hat Trumps Gebaren satt.


KI-generiertes Bild.
KI-generiertes Bild.

Die grosse Ernüchterung: Von Budapest bis Paris


Lange Zeit galt Viktor Orbán als Trumps engster Statthalter in Europa. Doch die jüngsten politischen Erschütterungen in Ungarn, die in einem Machtverlust der Fidesz mündeten, markieren das Ende einer Ära. Die ungarischen Wähler haben gezeigt, dass die reine Ideologie nicht satt macht, wenn die wirtschaftliche Isolation droht. Orbáns Abwahl war ein Schock für die europäische Rechte: Sie signalisierte, dass die enge Bindung an einen unberechenbaren US-Isolationskurs in die Sackgasse führt. Die Stimmung in Europa ist gekippt.


In Frankreich hat Marine Le Pen die Konsequenzen längst gezogen. Ihr "Rassemblement National" strebt nach der Macht im Élysée und kann sich keine Assoziation mit dem Chaos-Image Trumps leisten. Ähnlich verhält es sich bei der AfD in Deutschland: Zwar teilt man die Kritik am "Establishment", doch Trumps aggressive Zollpolitik gegen deutsche Autobauer hat die Sympathien massiv abkühlen lassen. Selbst Nigel Farage, der "Brexit-Architekt", muss heute vorsichtiger agieren, da Trumps Handelsdruck auf Grossbritannien das Versprechen eines florierenden "Global Britain" konterkariert.


Die "Grönland-Lektion": Souveränität ist kein Spielzeug


Ein tiefes Misstrauen hinterliess Trumps Umgang mit europäischem Territorium. Sein absurder Vorstoss, Grönland zu kaufen, wirkte wie ein Brandbeschleuniger für die Entfremdung. Für europäische Nationalisten ist die Integrität des eigenen Bodens heilig. Dass Trump befreundete Nationen wie Immobilienobjekte behandelte, öffnete vielen die Augen: Unter Trump gibt es keine Partner auf Augenhöhe, sondern nur Käufer und Verkäufer.


Die SVP: Die letzte Bastion des Trumpismus?


Inmitten dieser Absetzbewegungen wirkt die SVP wie aus der Zeit gefallen. Führende Köpfe der Partei haben Trump jahrelang zum Vorkämpfer gegen eine "Woke-Diktatur" und zum Verteidiger des Nationalstaates stilisiert. Die SVP-Spitze sieht in ihm nach wie vor den Verbündeten gegen EU-Anbindung und internationale Verträge. Doch dieser Kurs wirkt zunehmend isoliert – nicht nur in Europa, sondern auch im eigenen Land.


Die Stimmung in der Schweizer Bevölkerung längst gekippt. Die Liste der Schweizer Kränkungen und Sorgen ist lang:


  1. Die Zoll-Peitsche: Trumps ständige Drohungen mit Strafzöllen auf Aluminium, Stahl und Pharmazeutika treffen das Rückgrat der Schweizer Exportwirtschaft. Der Schweizer Mittelstand sieht in Trump keinen Befreier, sondern eine Bedrohung für Arbeitsplätze. Noch immer hat die Schweiz keinen richtigen Zoll-Deal mit Trump. Und wenn man ihn kennt weiss man, dass es wahrscheinlich auch keinen Deal geben wird.

  2. Der Fall F-35 und Patriot: Bei der Beschaffung der neuen Kampfjets und des Abwehrsystems Patriot fühlten sich viele Schweizer von Washington unter Druck gesetzt. Das Gefühl, die Schweiz werde als "Sicherheitshandelspartner" zweiter Klasse behandelt, der US-Material kaufen muss, um politisches Wohlwollen zu erkaufen, sitzt tief. Die Schweiz wird sich hüten, während der Amtszeit von Trump und ohne guten Zoll-Deal überhaupt noch Waffen in den USA zu kaufen. Jetzt kommen andere Partner zum Zug, europäische und asiatische Systeme.

  3. Die Blossstellung von Karin Keller-Sutter: Unvergessen bleibt die herablassende Art, mit der Trump der damaligen Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter begegnete. In der direkten Demokratie der Schweiz wird Respekt vor den Institutionen grossgeschrieben. Trumps patriarchale Machtdemonstration gegenüber der Schweizer Landesregierung wurde von vielen Bürgern als nationale Beleidigung empfunden.


Solches Gehabe haben die Eidgenossen seit Gessler und Wilhelm Tell auf der Latte. Trump ist für die Mehrheit der Schweizer weder ein Symbol für Freiheit, noch ein Vorbild irgendwelcher Art. Im Gegenteil: Er steht für Unberechenbarkeit und Dominanz. Kurz: Mit Trump-Nähe gewinnt man keinen Blumentopf mehr.


Realpolitik schlägt Ideologie


Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt. Europas Rechte hat begriffen, dass man mit einem "America First"-Präsidenten keine "Europa First"-Politik machen kann. Interessenkollisionen bei Sicherheit und Handel wiegen schwerer als gemeinsame Tweets gegen den Zeitgeist.


Möglicherweise hat die SVP diesen Schwenk verpasst. Das könnte sie teuer zu stehen kommen bei den bevorstehenden Volksabstimmungen. Wir werden es sehen. Die Schweiz, die stets stolz auf ihre diplomatische Klugheit war, erlebt gerade, wie der Rest Europas sich längst neu orientiert hat. Weg von Trump.

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