Wirtschaftspartner Kanada: Zeit für ein echtes Upgrade statt Trump-Chaos
Die EU umgarnt Kanada bereits als mögliches «erstes assoziiertes Mitglied». Für die exportorientierte Schweiz – und ganz besonders für unsere heimische Industrieregion Aargau-Solothurn – ist das ein Weckruf. Während die USA unter Donald Trump im unberechenbaren Protektionismus versinken, bietet Kanada Stabilität, gemeinsame Werte und riesiges Potenzial. Zudem ist heute kein Überseeland bei Schweizer Touristen beliebter, als Kanada. Es ist höchste Zeit für ein viel engeres wirtschaftliches Zusammengehen. Das SECO von Bundesrat Parmelin ist bereits an der Arbeit.

Die Weltwirtschaft navigiert durch raue Gewässer. Ein Hauptgrund dafür sitzt in Washington: Mit Donald Trump im Weissen Haus erleben wir die toxischen Auswirkungen einer radikalen «America First»-Politik. Die ständige, oft via Social Media verbreitete Androhung von willkürlichen Strafzöllen, das respektlose Aufkündigen von internationalen Abkommen und eine erratische, erpresserische Handelspolitik machen die USA zunehmend zu einem unberechenbaren Risiko.
Gerade für stark vernetzte Wirtschaftsräume wie die Kantone Solothurn und Aargau, die mit ihren unzähligen KMU und Industrie-Zulieferern auf verlässliche, regelbasierte Rahmenbedingungen angewiesen sind, ist Trumps destruktiver Protektionismus pures Gift. Unsere Exportwirtschaft braucht stabile Partner. Alles andere hat keine Zukunft.
Kanada hat die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer längst erobert
Hier kommt Kanada ins Spiel. Das Land der Ahornblätter ist nicht nur politisch und wirtschaftlich ein Leuchtturm der Stabilität in Nordamerika, sondern hat längst auch die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer erobert. Die Fakten sprechen für sich: Kanada ist heute das mit Abstand meistbesuchte Überseeland der Schweizer Touristen. Die tiefe Faszination für die endlose Natur, die Rocky Mountains, die pulsierenden Metropolen und vor allem die herzliche, offene Mentalität der Kanadier schafft ein massives Fundament des Vertrauens. Wir fühlen uns dort wohl und sicher. Dieses starke emotionale Band ist die perfekte, bisher aber völlig unterschätzte Basis, um die wirtschaftlichen Beziehungen auf ein komplett neues Niveau zu heben.
Der trügerische Gold-Boom
Auf dem Papier glänzen die Zahlen bereits. Das bilaterale Handelsvolumen stieg bis 2025 auf beeindruckende 11,9 Milliarden Franken an. Doch dieser vermeintlich explosionsartige Anstieg trügt: Ein Grossteil dieses Volumens geht auf den Transit von Rohgold aus kanadischen Minen in Schweizer Raffinerien sowie auf die historisch hohen Edelmetallpreise zurück. Zieht man den reinen Goldhandel ab, zeigt sich ein solides, aber eher unspektakuläres Wachstum im klassischen Geschäft mit Pharma, Präzisionsinstrumenten, Flugzeugteilen und Maschinenbau. Angesichts der exzellenten menschlichen und politischen Beziehungen ist hier realwirtschaftlich noch massiv Luft nach oben. Die Handelsbeziehungen Schweiz-Kanada wurden bislang unterschätzt.
Wir brauchen ein modernes Abkommen
Das grösste Hindernis für unsere Unternehmen ist paradoxerweise ein Vertragswerk: Das EFTA-Freihandelsabkommen mit Kanada stammt aus dem Jahr 2009. Es ist veraltet. Es baut zwar Zölle auf Industriewaren ab, ignoriert aber moderne Wirtschaftsrealitäten fast völlig. Während die EU mit ihrem weitreichenden CETA-Abkommen ihren Firmen längst Zugang zum milliardenschweren öffentlichen Beschaffungswesen Kanadas gesichert hat und Dienstleistungen viel freier gehandelt werden können, haben Schweizer Anbieter oft das Nachsehen.
Umgekehrt liegt in Kanada die Zukunft: In Schlüsseltechnologien wie der Künstlichen Intelligenz oder beim Zugang zu kritischen Mineralien, die unsere heimische Cleantech- und Uhrenindustrie dringend braucht, böte eine strategische Partnerschaft gigantische Chancen - auch für Kanada, nicht nur für die Schweiz.
Auf Trump-Drohungen mit konstruktiven Taten antworten
Wenn die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen davon spricht, Kanada zum «ersten assoziierten EU-Mitglied der Geschichte» zu machen, darf die Schweiz nicht tatenlos zusehen. Der Bundesrat muss die Modernisierung des Freihandelsabkommens mit Ottawa mit höchster Priorität vorantreiben. Und wir sind davon überzeugt, dass das SECO von Bundesrat Parmelin bereits an der Arbeit ist. Ein vertieftes, modernes Wirtschaftsabkommen mit Kanada wäre die perfekte, konstruktive Antwort der Schweiz auf Trumps wirtschaftliches Chaos. Es ist Zeit, die Brücke zu unserem touristischen Sehnsuchtsland zu einer echten, zukunftsorientierten Wirtschaftspartnerschaft auszubauen. Die KMU im Aargau und in Solothurn würden es danken.
Foto: Toronto/Kanada, Bild von Foto Juan Rojas / unsplash.com














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