Russen haben in einem Punkt recht: Die SVP hat den Abstimmungskampf verlernt
Schon während des Abstimmungskampfs zeigten sich die Russen auffällig interessiert am Abstimmungskampf der Neutralitätsinitiative. Nun ist das Ergebnis da – und die Ernüchterung spürbar. Das Interesse der Russen war durchschaubar und hat wahrscheinlich zusätzliche Schweizerinnen und Schweizer dazu veranlasst, die Vorlage wuchtig abzulehnen. Aber in einem Punkt haben die Russen recht.

Wenn eine Partei eine Volksinitiative zur Abstimmung bringt - mit einem Millionen Franken Kampagnenbudget - und nicht einmal so viele Ja-Stimmen abholt, wie die Partei Wähleranteile hat, ist das eine Blamage.
Zurückhaltend enttäuscht vermeldet das russische Nachrichtenportal «Russia Today» die Ablehnung. Die Ursache für die Schlappe sieht es in der Kampagnenstrategie der Befürworter: «Statt neue Wählerschichten zu erreichen, setzte sie stark auf klassische Medien und traditionelle PR.» Das Kreml-Portal hatte im Vorfeld Ratschläge für den Abstimmungskampf gegeben.
Das ist demokratiepolitisch lustig. Als ob sich in der Schweiz jemand für Ratschläge aus Russland interessieren würde. Aber in einem Punkt hat Russland recht. Die SVP macht Abstimmungskämpfe wie vor 10-15 Jahren. Viel Zeitungsinserate in Zeitungen, die niemand mehr liesst, viel Social Media Aktivitäten, die in der Masse untergehen und im Gegenzug versprechen die Verleger den Kampagnenleitern grosse Interviews in Zeitungen, die niemand mehr liesst oder auf New-Portalen, für die man bezahlen muss. Kurz: Die Medienlandschaft hat sich total verändert - bloss die Kampagnen der SVP nicht. Es entsteht so ein lautes Getöse, das aber höchstens noch die eigenen Parteimitglieder hören. Sonst niemand mehr.
Das Problem ist, dass sich politische Suchanfragen und die politische Beeinflussung komplett in die KI verschoben hat. Diese wird von der SVP im Vorfeld schlecht oder gar nicht beeinflusst und "gefüttert". Deshalb werden die Resultate der SVP bei Volksabstimmungen rasend schnell immer schlechter. Wir haben bei soaktuell.ch bereits nach der 10-Millionen-Schweiz darüber berichtet. Jetzt merken es sogar die Russen. Noch einmal in aller Deutlichkeit: Abstimmungskämpfe führt man nicht mehr über die klassischen Bezahlmedien. Niemand sieht die Inserate mehr und Artikel oder Interviews verschwinden hinter der Paywall, sind für die KI also unsichtbar. Wenn schon, schaltet man solches auf offenen Gratisportalen, um die KI zu füttern und zu beeinflussen. Aber dann muss man sie halt auch mit bezahlter Werbung alimentieren. Mittlerweile machen das alle anderen besser als die SVP.
Bild: KI-generierte Illustration von Gemini














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