Kaum Stechmücken diesen Sommer: Warum die Ruhe täuscht und was das bedeutet
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 13 Stunden
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Lange Sommerabende im Garten geniessen, ohne dauernd nach der Mückenklatsche greifen zu müssen: Was für viele Menschen in den Kantonen Aargau und Solothurn nach einer echten Erholung klingt, ist ökologisch betrachtet ein Alarmsignal. Die anhaltende Hitze und Trockenheit bremst zwar die Plagegeister – setzt aber der gesamten Insektenwelt schwer zu.

Wer zurzeit abends draussen sitzt oder bei offenem Fenster schläft, bemerkt es schnell: Das gewohnte, nervtötende Surren von Stechmücken bleibt in vielen Orten weitgehend aus. Auch die Bilanz am nächsten Morgen fällt meist friedlich aus – Juckreiz und rote Stiche sind in diesem Sommer Mangelware. Freilich. Es gibt sie, die Stechmücken. Aber massiv weniger als in anderen Jahren.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Mücken benötigen für ihre Fortpflanzung stehendes Wasser. Ob die klassische Regentonne im Garten, verstopfte Dachrinnen oder kleine Pfützen an Waldrändern – in solch temporären Wasseransammlungen entwickeln sich aus den Eiern innerhalb weniger Tage flugfähige Insekten. Bleibt der Regen über längere Zeit aus, trocknen diese Mikro-Habitate aus, bevor sich die Larven entwickeln können.
Die Kehrseite der Medaille: Ein Ökosystem unter Druck
Auch wenn das Ausbleiben der Stiche im Alltag als angenehm empfunden wird: Für die Natur ist der Rückgang der Mücken kein Grund zur Freude.
Fehlende Nahrungsgrundlage: Sowohl die Larven im Wasser als auch die ausgewachsenen Mücken an Land sind wichtige Bausteine der Nahrungskette. Fische, Molche, Libellen, aber auch Vögel wie Mehlschwalben und Mauersegler finden derzeit deutlich weniger Nahrung für sich und ihren Nachwuchs.
Trockenstress für Blütenbesucher: Nicht nur Mücken leiden. Durch vertrocknete Wiesen und früh abblühende Pflanzen fehlt es Bienen, Hummeln und Schmetterlingen an Nektar und Pollen.
Gereizte Wespen am Esstisch: Wenn natürliche Zuckerquellen wie Nektar oder Pflanzensäfte versiegen und Beutetiere wie Blattläuse fehlen, weichen Wespen verstärkt auf menschliche Nahrung aus. Das macht sie am Gartentisch oft aufdringlicher und aggressiver.
Trügerische Stille: Wie schnell kommen Mücken zurück?
Entwarnung für den restlichen Sommer geben Entomologen und Parasitologen nicht. Stechmücken sind extrem anpassungsfähig. Sobald ergiebige Niederschläge einsetzen und Wassertonnen oder Untersetzer wieder vollaufen, kann die Mückenpopulation innerhalb von zwei bis drei Wochen lokal wieder sprunghaft ansteigen.
Zudem überstehen die Eier mancher Arten – darunter auch die sich weiter ausbreitende Asiatische Tigermücke – selbst lange Trockenperioden im Boden problemlos. Sie warten im Ruhezustand auf den nächsten grossen Regen.
Blick in die Zukunft: Gewinner und Verlierer des Klimawandels
Die anhaltenden Hitzewellen zeigen exemplarisch, wie sich unsere Insektenwelt langfristig verändern wird. Experten rechnen mit einer klaren Verschiebung:
Gewinner werden vor allem wärmeliebende, anpassungsfähige und teils invasive Arten sein. Ihre Saison beginnt durch mildere Frühjahre früher und endet im Herbst später.
Verlierer sind kälteangepasste Arten sowie Spezialisten, die auf feuchte Lebensräume angewiesen sind. Sie geraten durch die Zunahme extremer Trockenperioden zunehmend unter Existenzdruck.
Was man im eigenen Garten tun kann
Wer den Insekten trotz Hitze durch den Sommer helfen möchte, kann mit einfachen Mitteln Gegensteuer geben:
Insektentränken aufstellen: Eine flache Schale mit Wasser, bestückt mit Steinen oder Moos als Landeplatz, hilft Bienen, Wespen und Vögeln an heissen Tagen enorm. (Wichtig: Das Wasser regelmässig frisch auffüllen, um Mückenbrut zu verhindern).
Schatten und Vielfalt schaffen: Heimische, trockenheitsresistente Stauden und stehen gelassene Wildecken bieten Nahrung und Rückzugsorte.








